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Für ihr Engagement: Lehrerin bekommt Bundesverdienstkreuz

BERLIN. Bundesverdienstkreuz für Lehrer? Ja, gibt es. Brigitte Kobiela hat sich eines verdient. Die Gymnasiallehrerin aus dem baden-württembergischen Beilstein lebt für ihre Schüler, die Technik und die Gleichberechtigung.

Brigitte Kobiela hat das Bundesverdienstkreuz vom Bundespräsidenten verliehen bekommen. Foto: Wikimedia Commons / Flophila88 (CC BY-SA 3.0)

Brigitte Kobiela hat das Bundesverdienstkreuz vom Bundespräsidenten verliehen bekommen. Foto: Wikimedia Commons / Flophila88 (CC BY-SA 3.0)

«Ich hab’s geschafft!» Der stolze Ruf der Neuntklässlerin hallt durch den Physikraum. Perfekt sitzt ihr Lautsprecher in der selbstgestalteten Holzbox. Brigitte Kobiela schaut kurz auf und lächelt ihr zu. Dann wendet sie sich wieder der Box des Schülers vor ihr zu, der noch mit dem Einbau kämpft. Ihr Name fällt an diesem Tag ständig: «Frau Kobiela, können Sie mal bitte…?», «Frau Kobiela, kann es sein, dass…?», «Frau Kobiela, wie soll ich…?» Die 61-Jährige ist voll in ihrem Element. Schüler und Technik sind ihre Passion. Für ihre Verdienste hat Bundespräsident Joachim Gauck sie in Berlin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

«Es geht nur, wenn die Schüler sich gegenseitig helfen und als Team auftreten. Als Lehrerin allein kann man das nicht machen», lobt die Frau mit Brille und kurzem rötlichem Haar ihre Jugendlichen. Das Boxenbauen in Klasse 9 ist eine ihrer vielen Initiativen am Herzog-Christoph-Gymnasium in Beilstein (Landkreis Heilbronn). Seit Mitte der 1970er Jahre ist die Physik- und Mathelehrerin hier verwurzelt, lernte ihren Mann hier kennen, brachte mit ihm so manches Vorhaben auf den Weg. «Ich habe von Anfang versucht, die Schüler experimentieren zu lassen.»

Zwei Nachmittage pro Woche opfern? Kein Thema

Die Girls‘ Day Akademie, die in Kooperation mit Südwestmetall inzwischen an mehreren Orten Baden-Württembergs und in Berlin angeboten wird, hat sie mitentwickelt. Daneben leitet die Lehrerin eine Schüler-Ingenieur-Akademie an ihrem Gymnasium. Dass sie für diese Projekte mindestens zwei Nachmittage in der Woche opfert, ist für sie kein Thema. «Meine Bewunderung gilt den Schülern, die drei bis vier Schulstunden extra auf sich nehmen.»

Vielen Jugendlichen habe sie die MINT-Berufe näherbringen können. Vor allem bei Mädchen gebe es häufig unbegründete Vorbehalte gegen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Wenn ihre Schüler nach Abi und Studium in diesen Berufen Fuß fassen und sich am Ende gar selbst bei den Schüler-Akademien engagieren, sei das für sie Bestätigung. Zudem freue sie sich über jeden Jugendlichen, der durch die technische Arbeit an Selbstbewusstsein gewinnt. Natürlich gehe das alles nicht ohne ein Netzwerk von Unterstützern und Kollegen.

«Das riesige Engagement der Familie Kobiela strahlt in die Wirtschaft aus», macht Schulleiter Harald Gleitsmann deutlich. Das sei wichtig, denn ohne die Firmen wäre vieles nicht möglich. Neben Kobielas inzwischen pensioniertem Ehemann helfen auch die erwachsenen Söhne (31 und 34 Jahre) immer mal mit. Bei so viel Einsatz bleibt der Lehrerin für Hobbys nur wenig Zeit. «Sie sind etwas kleingefahren», sagt sie schmunzelnd. In ruhigen Momenten widmet sie sich gerne Handarbeiten oder ihrem Garten.

Die Auszeichnung erfüllt sie mit gemischten Gefühlen. «Einerseits denkt man, das ist vielleicht eine Nummer zu hoch. Auf der anderen Seite ist es toll, wenn die Projekte publik werden und man so vielleicht noch mehr Kindern ein Ziel geben kann.» dpa

(6.5.2013)

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