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„Kampfansage an das Gymnasium“ – Philologenverband erbost über Ministerin

KIEL. Dicke Luft zwischen Lehrern und Ministerin. Der Philologenverband greift Ressortchefin Wende scharf an. Sie wolle das Gymnasium isolieren. Die Ministerin widerspricht.

Die Lehrer an den Gymnasien in Schleswig-Holstein sind erbost über Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos). «Man braucht nicht viel psychologisches Sprachverständnis, um die Äußerungen von Frau Wende als eindeutige Kampfansage gegen die Gymnasien und gegen alle dort arbeitenden Lehrerinnen und Lehrer zu verstehen», sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Helmut Siegmon,  in Kiel. Bei der Vorstellung des Entwurfs für ein neues Schulgesetz hatte Wende erklärt, die Gymnasien setzten auf «frühzeitige Selektion» der Schüler. «Der Rückfall der Ministerin in die antigymnasiale Selektionsrhetorik ist unerträglich und verletzend», kommentierte Siegmon.

Wenn Wende frühe Selektion als entscheidendes Wesensmerkmal der Gymnasien darstelle, verleugne sie deren gesetzlichen Bildungsauftrag und verunglimpfe die Lehrer. Siegmon rügte, dass die Ministerin pauschal Kooperationen von Gemeinschaftsschulen mit Gymnasien für unerwünscht erklärt habe, weil angeblich die didaktisch-pädagogischen Konzepte unvereinbar seien. «Das ungeliebte Gymnasium soll isoliert werden.» An keiner Stelle des Gesetzentwurfes sei eine entschiedene Stärkung und eindeutige Wertschätzung der Gymnasien zu erkennen. «Der Unmut und die Empörung in den Kollegien ist angesichts der Serie der destruktiv wirkenden verbalen Fehltritte der Ministerin und angesichts der politischen Rigorosität unüberhörbar und wird sich nicht mehr eindämmen lassen.»

Eingang eines Gymnasiums (Ausschnitt)

„Antigymnasial“, nennt der Verbandschef die Rhetorik der Ministerin. Foto: bbroianigo / pixelio.de

Die Bildungsministerin wies die Kritik des Philologenverbandes zurück. Das neue Schulgesetz wolle ausdrücklich die Zweigliedrigkeit aus starken Gemeinschaftsschulen und starken Gymnasien. «Die Betonung liegt bei beiden Schularten auf „stark“», erklärte Wende. «Beide Schulen haben ihre pädagogische Qualität und stehen auch in meiner Wertschätzung gleichberechtigt nebeneinander.»

Im Übrigen wolle auch sie, dass Schüler von Gemeinschaftsschulen die Möglichkeit haben, in eine Oberstufe eines Gymnasiums zu wechseln. «Aber organisatorische Verbindungen zwischen beiden Schulen im Sinne der Bildung einer Schule sieht das neue Schulgesetz nicht vor.»

Ein Kommentar

  1. „Im Übrigen wolle auch sie, dass Schüler von Gemeinschaftsschulen die Möglichkeit haben, in eine Oberstufe eines Gymnasiums zu wechseln.“
    Wie soll das denn gehen? Gemeinschaftsschulen behindern durch ihre maßlose Heterogenität alle Kinder am Ausschöpfen ihres persönlichen Lernpotentials. Alle werden nach unten gezogen. Da ist der Wechsel in die Oberstufe eines Gymnasiums nur vorstellbar, wenn Eltern nebenher für eine notwendige Förderung sorgen. Oder die Gymnasien werden gezwungen, an ihrem inzwischen ohnehin schon deutlich abgesenkten Lernniveau weitere Abstriche zu machen. Das sieht nach dem wahrscheinlicheren Ziel aus.

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