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Merkel kann sich eine Kanzlerin mit Kind vorstellen

BERLIN. Eigentlich sollte es in dem Gespräch im Kanzleramt um Gleichberechtigung gehen, die eingeladenen weiblichen Führungskräfte kritisierten aber auch Betreuungsgeld und Ehegattensplitting.

Eigentlich erweckt die Runde im Kanzleramt einen falschen Eindruck von der Realität draußen. Das findet selbst Gastgeberin Angela Merkel (CDU), als sie  in den Konferenzsaal blickt. «Meine Damen», sagt sie passenderweise zur Begrüßung. Gut 100 Spitzenfrauen aus Kultur, Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung sind zum Erfahrungsaustausch eingeladen, wie es endlich mehr von ihnen in Führungsfunktionen der Republik schaffen können. Tatsächlich hätten weibliche Chefs ja doch «immer noch einen Seltenheitswert», bemängelt auch die Kanzlerin.

Angela Merkel gab sich im Vorfeld des Parteitages in Sachen Bildung betont bescheiden. Foto:

Angela Merkel hatte auch eine Aha-Effekt. Foto:

«Ich bitte Sie um ganz schonungslose, realitätsnahe Darstellung der Dinge», ermuntert Merkel – selbst Pionierin als politische Spitzenfrau – ihre Besucherinnen. Nur 24 Minuten dauert es dann, bis das Q-Wort zur Sprache kommt: eine Quote, wie sie die schwarz-gelbe Koalition für Frauen in Aufsichtsräten gerade ausgebremst hat. Die rot-grüne Opposition nennt das Treffen im Kanzleramt denn auch ein «Schaulaufen». Dabei gehe es nur um warme Worte, wie SPD-Vize Manuela Schwesig sagt.

Dabei sparen die Managerinnen Kritik an der Regierungspolitik nicht aus. «Weniger hilfreich» sei das Betreuungsgeld für Kinder, die nicht in eine Kita gebracht werden, meint Deutz-Finanzvorstand Margarete Haase. Und auch das Ehegattensplitting, von dem vor allem Doppelverdiener-Paare mit einem hohen und einem niedrigen Einkommen profitieren, sehen mehrere Spitzenfrauen als echtes Hindernis. «Die Politik sollte alles sein lassen, was traditionelle Rollenvorstellungen festigt», bringt es Ines Kolmsee auf den Punkt, Chefin des Spezialchemiekonzerns SKW Metallurgie.

Der Wandel der Unternehmenskultur gehe nicht nur an den obersten Spitzen sehr schwierig voran, machen mehrere Rednerinnen deutlich. «Besprechungen wurden bewusst nach 20 Uhr gelegt», erzählt Sigrid Nikutta aus eigener Erfahrung als Vorstandschefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Elke Bartels, Polizeipräsidentin in Duisburg, erzählt, dass männliche Kollegen, die in Elternzeit gehen wollen, oft belächelt würden nach dem Motto: «Der ist kein richtiger Kerl.»

Angesprochen wird auch, dass weibliches Verhalten selbst ein Teil des Problems sein kann. Manchmal komme es vor, dass Frauen andere Frauen mit Karrierelust negativ bewerteten, sagt Ulrike Kostka, Chefin des katholischen Hilfswerks Caritas in Berlin. Cathrina Claas- Mühlhäuser, Aufsichtsratsvorsitzende des Landmaschinenbauers Claas, fragt nach dem Ehrgeiz junger Frauen: «Es braucht den richtigen Willen, die Ambition, führen zu wollen.»

Im Lauf der Diskussion, bei der sie aufmerksam zuhört, räumt dann auch Merkel einen persönlichen Aha-Effekt ein. Kürzlich habe sie sich skeptisch geäußert, dass eine Frau mit Kindern Kanzlerin sein könne. Doch dann sei ihr siedend heiß eingefallen: Amtsvorgänger wie Helmut Kohl (CDU) hätten ja auch Kinder gehabt. Ein Mann würde aber nie gefragt: «Herr Bundeskanzler, wollen Sie keine Kinder haben?»

Einen konkrete Anregung kommt dann noch aus dem Kreis der 30 weiblichen Nachwuchskräfte, die von den Erfahrungen der Spitzenfrauen profitieren sollen. Sie wolle einmal auf einen Führungsposten kommen, sagt eine Auszubildende zur Elektronikerin. Aber der Weg werde schon verbaut, «wenn man überlegt, ob man mich unbefristet übernimmt». dpa

(11.5.2013)

Ein Kommentar

  1. Eine Kanzlerin mit Kind? Ja, warum denn nicht?!? Es gab und gibt ja auch (männliche) Kanzler mit Kind.

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