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Minister Matschie will mehr Facharbeiter an Hochschulen

ERFURT. Hochschulen sollen für Menschen, etwa für Facharbeiter, geöffnet werden. Bildungsminister Christoph Matschie will formale Hürden im Bildungssystem in Thüringen abbauen.

Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) will mehr Facharbeiter an die Hochschulen und Universitäten bringen. Künftig soll es in Thüringen ein Probestudium geben, das auch Menschen ohne Abitur den Weg zu einem akademischen Abschluss ermögliche, sagte Matschie in Erfurt am Rande eines Bildungssymposiums. Ein Probestudium, nach dem die Entscheidung über ein Studium falle, sei besser als Aufnahmeprüfungen, äußerte der Minister. «Es sollte keine formalen Hürden im Bildungsweg geben. Das gilt auch für den Hochschulzugang.» Bisher stehen die Hochschulen nur Abiturienten und Meistern sowie Facharbeitern mit ganz bestimmten Berufsabschlüssen offen.

Bei dem Symposium mit mehr als 1000 Teilnehmern ging es um mehr Bildungsgerechtigkeit und das Reformationsjubiläum 2017. Die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, verwies auf die Impulse, die Martin Luther für den Anspruch jedes Menschen auf Bildung gegeben habe. Er sei angesichts der nach wie vor unterschiedlichen Bildungschancen auch in Deutschland noch immer aktuell.

Im Hochschulzugang über ein Probestudium sehe er im Gegensatz zum Koalitionspartner CDU keine Gefahr, dass die Qualität der akademischen Ausbildung leide. Auch die Studenten, die über ein Probestudium an die Hochschulen kämen, müssten schließlich die üblichen Prüfungen bestehen und Standards erfüllen, sagte der SPD-Minister. Die Hochschulen, denen mit finanziellen Rahmenvereinbarungen über mehrere Jahre Stabilität gegeben werde, seien inzwischen «eine Art Tor zu Thüringen geworden». 40 Prozent der Studienanfänger kämen aus den westdeutschen Bundesländern. Der Anteil ausländischer Studenten steige.

Ihm sei wichtig, dass das Bildungssystem mehr Zeit und Spielräume für Entscheidungen über den künftigen Weg gebe, sagte Matschie. Dieses Ziel würden auch die in seiner Amtszeit eingeführter Gemeinschaftsschulen verfolgen, in denen die Kinder bis zur achten Klasse gemeinsam lernten und erst dann entschieden würde, in welche Richtung es weiter gehe. Inzwischen gebe es 24 Gemeinschaftsschulen im Freistaat; weitere seien in der Vorbereitung. «Es geht nicht um Masse, es geht um Qualität», sagte Matschie.

Käßmann hofft darauf, dass das 500-jährige Reformationsjubiläum nicht nur als geschichtliches Ereignis wahrgenommen wird. Die Reformation habe Impulse gesetzt beispielsweise mit der Forderung, jeder Mensch solle die Bibel lesen können. In der Bildungspolitik sei es eine reformatorischen Aufgabe, stärker als in der Vergangenheit auf die Persönlichkeit und Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen. Es sei zu lange um die Entwicklung von Schulen oder von Schulklassen gegangen, sagte Käßmann. dpa

(25.5.2013)

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