Anzeige


Startseite ::: Praxis ::: Protest: Angehende Gymnasiallehrer fürchten Arbeitslosigkeit

Protest: Angehende Gymnasiallehrer fürchten Arbeitslosigkeit

ESSEN. Vor einigen Jahren galt eine Ausbildung als Lehrer noch als Jobgarant. Doch für einige wird es eng: 2900 Gymnasiallehrer sind allein in Nordrhein-Westfalen auf Jobsuche – viele von ihnen bleiben wohl erst mal arbeitslos.

Tausende Lehramtsstudenten und Referendare fürchten, dass ihre Ausbildung zur Sackgasse werden könnte. Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de

Tausende Lehramtsstudenten und Referendare fürchten, dass ihre Ausbildung zur Sackgasse werden könnte. Foto: Gabi Schoenemann / pixelio.de

Angehende Gymnasial- und Gesamtschullehrer in Nordrhein-Westfalen klagen über schlechte Berufsperspektiven. 2900 von ihnen sind zurzeit auf Jobsuche. Nach Gewerkschaftsangaben konkurrieren sie um nicht mehr als 300 Stellen an Gymnasien. Ihren Unmut über zu wenige Stellen äußerten in Essen rund 200 junge Lehrer bei der Zeugnisübergabe nach ihrem Referendariat.

«Wir hängen ganz schön in der Luft. Nur sehr wenige von uns haben schon einen Job. Die meisten sehen kaum Chancen, eine Stelle zu finden», klagte die angehende Lehrerin Christina Mühlig aus Essen. Sie und ihre Kollegen forderten die Landesregierung auf, Übergangslösungen für die Lehrer zu schaffen, die nach ihrem Referendariat voraussichtlich zunächst auf der Straße stehen.

«Es treffen gleich mehrere Entwicklungen zusammen», begründete Berthold Paschert, Sprecher der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW den Engpass: Durch den doppelten Abiturjahrgang sinke der Bedarf an Lehrern dieser Schulform. Gleichzeitig drängten durch ein von zwei Jahren auf 18 Monate verkürztes Referendariat 2013 ein Drittel mehr Bewerber an die Lehrerpulte als in den Vorjahren. Auch für diejenigen, die gehofft hatten, nach dem Referendariat zunächst eine Stelle auf Zeit zu finden, stünden die Chancen schlechter als zuvor: In diesem Jahr habe die Landesregierung das Budget für Vertretungslehrer gekürzt.

Das Schulministerium habe schon vor Jahren auf die Situation durch den doppelten Abiturjahrgang hingewiesen, sagte ein Sprecher auf Anfrage: «Um Abhilfe zu schaffen, haben wir einen Einstellungskorridor geschaffen». So stellten Gymnasien in diesem Jahr landesweit sogar 1000 Lehrer über Bedarf ein. Während für das Gymnasium die Nachfrage nach Stellen größer ist als das Angebot, seien die Aussichten an anderen Schulen gut: «Gymnasiallehrer, die jetzt suchen, können sich auch auf Stellen an Berufskollegs, Gesamtschulen und Sekundarschulen bewerben», betonte der Ministeriumssprecher. Hier gebe es je nach Region oder Fächerkombination sogar einen Mangel. Er verwies darauf, dass im vergangenen Jahr 6700 Lehrer eingestellt worden seien.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist die Lage für viele angehende Lehrer derzeit zwar kritisch, aber nicht auf Dauer schlecht. «Wir sind mitten im Generationswechsel: Bis 2030 werden in NRW 100.000 Lehrer pensioniert. Das ist die Hälfte der gesamten Lehrerschaft», sagte Paschert. dpa

(1.5.2013)

Zum Bericht: „Trotz Lehrermangel droht tausenden Referendaren Arbeitslosigkeit“

Ein Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*