Startseite ::: Wissen ::: Erdkundelehrer: Warum wir trotz Navi und Internet noch Atlanten brauchen

Erdkundelehrer: Warum wir trotz Navi und Internet noch Atlanten brauchen

BRAUNSCHWEIG. Landkarten lesen und verstehen können, ist gut für die räumliche Orientierung. Für Erdkundelehrer steht es deshalb außer Frage, dass der gute alte Atlas im Unterricht noch lange gebraucht wird.

Bundesweit 280 000 Schüler haben sich am «Geographiewettbewerb Diercke Wissen 2013» beteiligt. Die 17 besten traten am Freitag zum Finale in Braunschweig an. Die Neuen Medien könnten die räumliche Orientierung verwirren, sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Schulgeographen, Frank Czapek im Gespräch über das Schulfach.

Warum müssen sich Schüler in Zeiten von Navigationsgeräten, Satellitenbildern und Google-Maps eigentlich noch mit Landkarten und Geografie beschäftigen?

Czapek: «Unsere jungen Menschen tappen oft ohne ein wirkliches Wissen um Räume, um Distanzen, um Vernetzungen, um natur- und kulturräumliche Hintergründe wie Analphabeten durch die globalisierte Welt. Karten lesen und verstehen können, ist nicht nur eine wesentliche Fähigkeit der räumlichen Orientierung. Insbesondere unsere ausgezeichneten Atlanten geben auch inhaltliche Orientierung zu den unglaublichen Variationen des Lebens auf unserer Erdoberfläche und zu den spannenden Vorgängen der Gestaltung unseres Planeten.»

Räumliches Denkem wird eher mit einem Globus geschult als mit einem Navigationsgerät. (Foto: Jörg Kleinschmidt/pixelio)

Räumliches Denkem wird eher mit einem Globus geschult als mit einem Navigationsgerät. (Foto: Jörg Kleinschmidt/pixelio)

Ist das Erdkundewissen dank der Neuen Medien gestiegen?

Czapek: «Nicht unbedingt. Wer in zwei Stunden nach Mallorca fliegt und im Bruchteil von Sekunden mit Australien chattet, der kann durcheinander kommen mit den räumlichen Zuordnungen. Hier bietet der Geografie-Unterricht ganz prägnante Angebote zum kompetenten Umgang mit Informationen. Karten, Filme, Diagramme, Texte, Fotos, Blogs, diese und andere Erscheinungen kann der Erdkunde-Unterricht mit sachgerechten Strategien aufgreifen und dabei helfen, dass sich die Schüler in der Schnelllebigkeit und Medien-Überflutung unserer Tage zurecht finden. Das ist weit mehr als nur „Stadt-Land-Fluss“. Aber auch das topographische Lernen, quasi das Einmaleins der Geografie, braucht Schulung.»

Hat Geografieunterricht in den Schulen den richtig Stellenwert?

Czapek: «Nein. Trotz seiner enormen Breite wissenschaftlicher Bezüge von der Geologie bis zur Raumplanung zählt Geografie traditionell als Nebenfach. Oft wird nur eine Stunde in der Woche oder gar mit anderen Fächern im Verbund unterrichtet. Da bleiben wichtige Ziele schnell auf der Strecke. Wie dem auch sei: A und O bleiben sachkundige, begeisterungsfähige Lehrkräfte, denen unsere jungen Menschen und denen unsere Erde am Herzen liegen.» Anita Pöhlig/dpa

(8.6.2013)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*