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Erzieheranteil an Kitas soll sich versechsfachen

DARMSTADT. Mit einer Imagekampagne wollen Kita-Träger das verbreitete Bild von der Erzieherin als Basteltante korrigieren und die Männer-Quote unter den Erziehern auf 20 Prozent steigern.

In Erzieherberufen arbeiten zum überwiegenden Teil Frauen – für Männer ist die Tätigkeit nach Einschätzung von Experten oft nicht anerkannt genug. «Es gibt immer noch das Bild von der Basteltante», sagte die Leiterin der Kindertagesstätten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Sabine Herrenbrück, anlässlich einer Tagung zur Sexualerziehung in Kitas am. Die völlig überholte Bezeichnung «Kindergärtnerin» zeige, dass der Beruf unterbewertet wird. Er sei aber eine anspruchsvolle Arbeit.

So sieht es auch Erzieher Uwe Streicher (39) aus Rheinland-Pfalz. «Wir haben ein Image-Problem. Viele denken: Kinderspiele sind doch nichts für richtige Männer.» In Hessen sind gerade mal 5,6 Prozent aller Erzieher männlich, in Deutschland sind es 3,2 Prozent. Bis Ende des Jahres wollen Kita-Träger durch die bundesweite Kampagne «Mehr Männer in Kitas» junge Männer für den Beruf werben. In den nächsten Jahren soll so eine Männer-Quote von 20 Prozent erreicht werden.

Zum schlechten Ruf des Erziehers käme mitunter das Vorurteil hinzu, dass Männer zu sexuellem Missbrauch von Kindern neigen, sagte Kampagnensprecherin Monika Bender. «Wer Männer in Kitas holen will, muss aber etwas gegen diesen Generalverdacht tun.»

Bundesweit arbeiten in großen Städten mehr Männer in Kitas als im ländlichen Raum. Eine Erhebung der Kita-Betreiber kam in Frankfurt/Main auf einen Männeranteil unter Erziehern von 11,3 Prozent. Dicht darauf folgten Kiel (10,4), Hamburg (9,9), Flensburg (9,7), sowie Kassel (9,5) und Freiburg (9,2).

Pädagogik-Professorin Sylvia Kägi von der Fachhochschule Kiel forderte mehr offene und klare Absprachen, «um Kinder beim Entdecken ihrer Körperlichkeit vor Übergriffen zu schützen.» Ein großes Problem seien auch Grenzverletzungen von Sechsjährigen gegenüber jüngeren Kindern. (dpa)

(29.06.2013)

zum Bericht: Niedersachsen: Kaum männliche Erzieher

2 Kommentare

  1. Ganz einfach: mehr bezahlen.

  2. Fünf Jahre Ausbildung, keine Differenzierung in der Berufsbezeichnung, schlechte Bezahlung, einer der am kräftezehrendsten Berufe, wenig Anerkennung in der Öffentlichkeit und Politik, viel Bürokratie und zu wenig Zeit für die Arbeit am und mit dem Kind, soll ich weiter aufzählen?

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