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Linken-Schulexpertin: Keiner weiß, ob Förderkinder von Inklusion profitieren

SCHWERIN. Seit 2010 werden in Mecklenburg-Vorpommern keine Erstklässler mehr an Förderschulen eingeschult. Noch immer bleibe den Grundschulen aber die dazu notwendige Unterstützung versagt, kritisiert die Bildungsexpertin der Linken Simone Oldenburg.

Oldenburg hat Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) Stümperei bei der Integration von Förderkindern in die regulären Grundschulklassen vorgeworfen. «Das Ministerium weiß nicht, was aus diesen Kindern nach den ersten beiden Schuljahren geworden ist», sagte Oldenburg unter Berufung auf die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage ihrer Fraktion.

Rollstuhl

Keiner weiß, was aus den Förderkindern nach zwei Jahren geworden ist, kritisiert die Schulexpertin der Linken, Simone Oldenburg. Foto: camil tulcan / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Seit 2010 werden in Mecklenburg-Vorpommern keine ABC-Schützen mit Förderbedarf beim Lernen mehr in Förderschulen eingeschult. Sie beginnen ihre Schullaufbahn in regulären Grundschulklassen oder in speziellen sogenannten Diagnoseförderklassen.

«Keiner weiß, ob die Förderkinder in den regulären Grundschulklassen von dem neuen System profitiert haben oder ob es ihnen geschadet hat. Ob sie sitzengeblieben sind oder vielleicht nach der zweiten Klasse auf die Förderschule wechseln müssen», kritisierte Oldenburg. Sie finde das «ganz, ganz schlimm». Oldenburg: «Das sind vergessene Kinder.» Das Ministerium scheue offenbar die Mühe, bei den Staatlichen Schulämtern nachzufragen.

Seit dem Einschulungsstopp für Erst- und Zweitklässler an den Förderschulen hat es viel Kritik an der Umsetzung des neuen Systems gegeben. Lehrer fühlten sich überfordert mit den noch größer gewordenen Leistungsunterschieden in den Klassen und nicht vorbereitet auf die besonderen Anforderungen stark lernschwacher Kinder. An den Grundschulen fehlten immer noch die erforderlichen Unterstützungssysteme, kritisierte Oldenburg.

Der Landtagsabgeordneten zufolge funktioniert die Integration der Kinder mit Förderbedarf beim Lernen längst nicht überall gut. «An der Förderschule in Gadebusch wird im nächsten Schuljahr eine dritte Klasse aufgemacht, sie haben dort 14 Anmeldungen», berichtete sie.

Die Integration der Förderkinder war gestartet worden, weil Studien besagen, dass sie vom gemeinsamen Unterricht mit Leistungsstärkeren profitieren. Mecklenburg-Vorpommern hat bislang bundesweit den mit Abstand höchsten Anteil von Schulabgängern ohne Berufsreife. Die meisten von ihnen haben Förderschulen absolviert. Der Abschluss, den sie dort erwerben, ist nicht als Berufsreife (Hauptschulabschluss) anerkannt. (dpa)

(22.06.2013)

zum Bericht: GEW: Inklusion in vielen Ländern nur Etikettenschwindel

10 Kommentare

  1. mehrnachdenken

    „Die Integration der Förderkinder war gestartet worden, weil Studien besagen, dass sie vom gemeinsamen Unterricht mit Leistungsstärkeren profitieren.“

    Welche Studien sind gemeint, und was mir genauso wichtig erscheint: „Wer hat sie erstellt?“

  2. Jacques la Douceur

    In Schleswig-Holstein das gleiche in grün! Immer mehr Kinder sollen inkludiert werden, die Förderschulen werden dichtgemacht und die Förderschullehrkräfte müssen mit ihren Stunden von einer Schule/Klasse zur nächsten springen. Was nützt mir als Klassenlehrer einer 1.Klasse ein Förderschullehrer (nichts gegen DIE, die leiden ja selber drunter), wenn er nur zwei Deutsch- und zwei Mathestunden pro Woche da ist? Soll ich die zu-inkludierenden Kinder die restlichen Wochenstunden mit wenig pädagogischen Mandalas „ruhigstellen“? Es kann nicht Sinn und Zweck sein, dass Grund-und Hauptschullehrer für die Therapie (oder besser Erziehung und Bildung??) von lernbehinderten Kindern verantwortlich sind. Ich kann denen doch gar nicht gerecht werden. Und die Mitschüler, von denen die zu-Inkludierenden profitieren sollen sind auch keine Aushilfstherapeuten.

    Darum: Wir brauchen mehr Förderschullehrer! Inklusion kann nur gelingen, wenn entsprechendes Fachpersonal in JEDER!!! Unterrichtsstunde dabei ist.
    Alternativ: Inklusion in die Tonne! Förderschüler an die Förderschule.
    Dazwischen geht alles den Bach runter: die Lehrer, die sich aufreiben; die Förderschüler, die nicht inkludiert werden können; die Mitschüler, die durch Berücksichtigung der Förderschüler durch Lehrkraft gebremst werden.

    Puuh…jetzt hab ich mich doch wieder aufgeregt. *grml*
    Aber echt ey!

    Grüße aus den Sommerferien!
    Jacques

    • Sie haben sich mehr als zu Recht aufgeregt. Die Inklusion ist ein ideologisches Monster, das nie richtig funktionieren wird und gegen jede Vernunft und gegen jeden Sinn für Realität eingeführt wurde.
      Diejenigen, die gebetsmühlenartig auf das gemeinsame Lernen als UNO-Menschenrecht verweisen, mögen sich einmal darüber informieren, wer in diesem illustren Lobbyverein „Menschenrechtsrat“ sitzt. Gewiss nicht der liebe Gott.
      Dort sitzen klallharte Interessenvertreter, viele aus islamischen Ländern. Wenn ich recht informiert bin, ist momentan kein Vertreter aus Deutschland dabei. Aber wie gesagt, bei dieser Information bin ich mir unsicher.

      • Auf die Schnelle habe ich mal die Verteilung der Sitze gegoogelt. Hier ist eine Liste, die allerdings von 2006 stammt. Ich schätze, dass sich die Verteilung nicht groß geändert hat.
        Es stimmt auf jeden Fall, was Sie sagen, „Europa und andere Staaten“ sind in diesem Gremium erschreckend wenig vertreten im Vergleich zu islamischen und sonstigen Ländern, in denen die Menschenrechte nach wie vor mit Füßen getreten werden.
        Ich stelle mir vor, wie deren Vertreter sich ins Fäustchen lachen, wenn sie mitkriegen, wie deutsche Schulen unter der Inklusion ächzen und die Bildung (wie in anderen europäischen Staaten auch) weiter den Bach runtergeht.
        http://www.n-tv.de/politik/dossier/Die-gewaehlten-Mitglieder-article181358.html
        Danke, Knut M., Ihr Kommentar ist für mich Gold wert.

  3. mehrnachdenken

    Ich beziehe mich noch einmal auf meinen Beitrag vom 23.06. und möchte gerne wissen, um welche Studien es sich handelt und von wem sie stammen.
    Kann die Redaktioin ggf. helfen?

    • Christian Möller

      Ich fürchte, da werden Sie keine klare Antwort bekommen, weil es keine gibt. Falls doch, bleibt noch immer die Frage, ob die Studie nicht getürkt ist aus Gefälligkeit.
      Was Knut M. und „wetterfrosch“ über die UNO und ihren Menschenrechtsrat sagen, passt irgendwie zu diesen nebulösen Studien. Das vielzitierte UN-Menschrecht wird gemeinsam mit den nicht genauer angegebenen Studien von den Inklusions-Enthusiasten als schlagende Argumente für die Einheits- bzw. Gemeinschaftsschule ins Feld geführt. Begeisterte Anhänger der moralisch aufgeblasenen Inklusionsidee sind vor allem die GEW, SPD und Grünen.

      • Dieses Dreiergespann, GEW, GRÜNE und SPD wird der Schulbildung im Namen der sozialen Gerechtigkeit, der Chancengleichheit und der Menschenrechte noch den Rest geben.
        Und die meisten Gestalten im Menschenrechtsrat der UNO werden sich darüber freuen und kaputtlachen. Das sieht „wetterfrosch“ ganz richtig.
        „Das Höchstmaß an »sozialer Gerechtigkeit« ist erreicht, wenn wir alle als Penner durch die Städte irren.“
        Roland Baader (1940-2012)

  4. mehrnachdenken

    Zufällig bin ich auf die IGS Contwig in Rheinland-Pfalz gestoßen, in dem die Inklusion als durchaus machbar vorgestellt wird. Interessierte LeserInnen können sich auf der schuleigenen Internetseite informieren (bitte googlen). Ich stehe der Inklusion recht skeptisch gegenüber, bin aber sachlichen Argumenten gegenüber aufgeschlossen. Was sagen Sie zu der Konzeption dieser Schule?

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