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Minderheiten an Schulen – sorbische Lehrer dringend gesucht

LEIPZIG.  Sorben, Roma, Friesen oder Dänen: Für die Pflege und den Erhalt von Minderheitensprachen spielen Schulen eine zentrale Rolle. In Sachsen, wo das sorbische Volk zu Hause ist, heißt es allerdings: Sorbische Lehrer dringend gesucht.

Für den Studenten Georg Bensch gibt es ganz klar ein Zurück. «Ich genieße die fünf Jahre in Leipzig. Aber dann möchte ich wieder nach Hause», sagt der 23-Jährige. Zu Hause, das ist für ihn die Lausitz im Osten Sachsens. Bensch ist Sorbe und damit Angehöriger einer der vier anerkannten nationalen Minderheiten in Deutschland. Die Aussichten für eine Rückkehr in seine Heimat stehen bestens. Er will Grundschullehrer an einer sorbischen Schule werden, studiert am Institut für Sorabistik an der Universität Leipzig. Für die kulturelle Pflege der Minderheit werden Leute wie Georg Bensch dringend gesucht.

Zweisprachiges Ortsschild in der Kreisstadt Bautzen. (Foto: Julian Nitzsche/Wikimedia CC BY 3.0)

Zweisprachiges Ortsschild in der Kreisstadt Bautzen. (Foto: Julian Nitzsche/Wikimedia CC BY 3.0)

«Die Gewinnung des Lehrernachwuchses für sorbische Schulen stellt seit Jahren einen wichtigen Punkt in der Arbeit des sächsischen Kultusministeriums dar», sagt dessen Sprecher Dirk Reelfs. Sechs sorbische Grundschulen gibt es in Sachsen, vier Mittelschulen und ein Gymnasium in Bautzen. Auch in Brandenburg, wo die Niedersorben leben, gibt es eine ähnliche Schullandschaft. Allerdings ist die Sache mit der Lehrergewinnung nicht so einfach. Es sei «auch unter den jungen sorbischen Lehrkräften eine Tendenz der Abwanderung in Richtung von Ballungszentren festzustellen», heißt es im Kultusministerium. Weg aus der strukturschwachen Lausitz, hin zu Städten wie Dresden und Leipzig.

Deswegen wird am sorbischen Gymnasium in Bautzen gezielt nach jungen Leuten gesucht, die sich ein Lehramtsstudium vorstellen können. Sie unterzeichnen eine Vereinbarung mit der Bildungsagentur, die ihrerseits eine spätere Unterstützung bei der Einstellung im deutsch-sorbischen Siedlungsgebiet zusagt. Doch aller Werbemaßnahmen zum Trotz: «Wir bleiben deutlich unter dem Bedarf, weil wir nicht genügend sorbische Fachlehrer ausbilden können», sagt auch Prof. Eduard Werner, Direktor des Sorabistik-Instituts in Leipzig.

Die weltweit einmalige Ausbildungsstätte für Sorbisch-Lehrer kämpft mit ganz eigenen Problemen. Die sächsischen Hochschulen unterliegen dem Spardiktat der Landesregierung – und das wirke sich auch in der Sorabistik aus, sagt Werner. Von den viereinhalb Stellen des kleinen Instituts sei seit Juli 2012 eine halbe nicht besetzt – die der Sekretärin. Ohnehin sei das Institut seit dem Mauerfall stark geschrumpft. Von drei Professoren-Posten zu DDR-Zeiten sei nur noch einer übrig. Zurzeit gibt es rund 35 Studenten am Institut. Werner hofft, in Zukunft mehr «Nullsprachler», also Menschen ohne sorbische Sprachkenntnisse, für ein Studium begeistern zu können.

Das schulische Angebot für die vier Minderheiten in Deutschland ist sehr unterschiedlich. Für die Sorben gibt es die staatlichen Schulen – mit allen Vor- und Nachteilen. In Schleswig-Holstein betreibt der Dänische Schulverein für Südschleswig ein dichtes Netz an Privatschulen für Kinder der dänischen Minderheit. Das funktioniere sehr gut, berichtet Dieter Paul Küssner, Vorsitzender des Minderheitenrates. Die Friesen, die in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu Hause sind, haben keine eigenen Schulen, aber es gibt Friesisch-Unterricht an einer Reihe von regulären Schulen.

Das Romanes der Sinti und Roma schließlich wird an keiner Schule unterrichtet. Das sei von der Minderheit allerdings auch so gewollt, sagt Küssner. Und weil die deutschen Sinti und Roma anders als die drei anderen anerkannten nationalen Minderheiten quer über die Bundesrepublik verstreut leben, wäre der Aufbau eines Schulwesens auch kompliziert. Küssner wünscht sich generell mehr finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung für die Pflege und Förderung der Minderheitensprachen. Das dürfe nicht nur auf die Länder mit ihren Geldsorgen abgewälzt werden, sagt er.

Georg Bensch, der angehende Lehrer für Sorbisch, Mathe, Sport und Sachunterricht, blickt ganz optimistisch in seine Zukunft. «Ich denke, meine Chancen stehen relativ gut. An den sorbischen Schulen gibt es viele ältere Lehrerinnen, die sind bestimmt mal ganz froh, wenn ein junger Mann kommt», sagt er lachend. Und zumindest für Bensch gab es nie Zweifel, dass er in der Lausitz leben möchte. Er fühlt sich tief verwurzelt. Familie, Freunde – «die wohnen alle da, die bleiben alle da». Birgit Zimmermann/dpa

(13.6.2013)

2 Kommentare

  1. Ich wünsche den Sorben, dass sie es schaffen, ihre Sprache und Kultur zu erhalten.

  2. Neues Wort „Nullsprachler“? 🙂 Aber wenigstens mal nicht Englisch.

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