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Musikschulverband: „Viele Musikschulen stehen mit dem Rücken zur Wand“

HAßLOCH. Der Landesverband der Musikschulen feiert 50. Geburtstag. Trotzdem ist er in Moll-Stimmung. Sein Vorsitzender sieht wegen knapper Mittel den Musikunterricht für Klein und Groß in Gefahr.

  Angesichts der Sparzwänge von Land und Kommunen befürchtet der Landesverband der Musikschulen in Rheinland-Pfalz (LVdM) eine schwierige Zukunft. «Viele Musikschulen stehen mit dem Rücken zur Wand, die Zeichen stehen auf Sturm», sagte der LVdM-Vorsitzende Jürgen Hurrle in Haßloch. «Wir haben die Landtagsfraktionen in einer Resolution dringend gebeten, den jährlichen Landeszuschuss im Zuge der anstehenden Haushaltsberatungen zu erhöhen.» Dieser verharre schon seit sieben Jahren bei 2,7 Millionen Euro.

Musikinstrumente gehören in der Grundschule in Trier zum Alltag (Foto: Marko Greitschus/pixelio.de)

Musikschulen brauchen Subventionen, das wird immer häufiger zum Problem. (Foto: Marko Greitschus/pixelio.de)

«Es gibt von der Kommunalaufsicht ADD in Einzelfällen sogar die Vorgabe, statt Einzel- nur noch Gruppenunterricht anzubieten», sagte Hurrle, dessen Verband am 28. November in Mainz 50-jähriges Bestehen feiert. «Genauso hat sie auch schon zum Teil verlangt, nur noch Honorarkräfte zu beschäftigen und eine völlige Kostendeckung durch Gebühren zu erreichen, obwohl solche Forderungen dem kommunalen Selbstverwaltungsrecht widersprechen.»

Die ADD in Trier wies darauf hin, dass dies nur Vorschläge für Städte mit einem ungewöhnlich großen Defizit bei den Musikschulen seien. Die Entscheidung darüber liege bei den Kommunen. Hurrle widersprach: «Diese Vorschläge verstoßen eindeutig gegen die Förderrichtlinie des Landes.»

Nach seinen Worten überleben Musikschulen ohne Subventionen nicht. «Wären sie rein gebührenfinanziert, könnten nur noch reiche Eltern ihre Kinder hinschicken.» Bei alleiniger Beschäftigung von Honorarkräften drohten sinkende Qualität und mehr Fluktuation.

«Leider ist die Unterstützung von Musikschulen nur als freiwillige Leistung der Kommunen definiert», betonte der ehemalige Haßlocher Kulturdezernent (SPD). «Viele Träger und Zuschussgeber haben ihre Zuwendungen daher gekürzt oder ganz gestrichen wie zum Beispiel der Kreis Bad Dürkheim.» Es gebe aber auch Kommunen wie etwa Frankenthal, die ihre Musikschulen als Kulturgut gegen Auflagen der Kommunalaufsicht massiv verteidigten.

Der LVdM repräsentiert 42 kommunale Musikschulen mit gut 43 000 Schülern und mehr als 1700 Pädagogen. Weitere 13 000 Kinder erreichen die Musikschulen bei ihren Kooperationen mit Kitas und Ganztagsschulen. «Trotz des demografischen Wandels sinken die Schülerzahlen nicht», erklärte Hurrle. Jens Albes/dpa

(9.6.2013)

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