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Studenten-Studie zeigt: Arbeiterkinder nur selten an der Hochschule

BERLIN. Trotz der Rekordzahl von 2,5 Millionen Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule. Laut der neuen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) nehmen von 100 Kindern aus Akademikerfamilien 77 ein Studium auf. Von 100 Kindern aus Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.

Kinder aus Arbeiterfamilien finden nur selten den Weg ins Studium. Foto: susieq3c / Flickr (CC BY 2.0)

Kinder aus Arbeiterfamilien finden nur selten den Weg ins Studium. Foto: susieq3c / Flickr (CC BY 2.0)

Studentenwerks-Präsident Dieter Timmermann sagte bei der Vorstellung der Studie in Berlin: «Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv – auch wenn das Bildungsniveau der Gesellschaft insgesamt gestiegen ist.» Opposition, Gewerkschaften und Studentenverbände mahnten die jetzt bereits im zweiten Jahr ausstehende Bafög-Anhebung an.

Die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft hat sich laut der Erhebung auch mit dem gewaltigen Ausbau der Studienplätze seit 2006 kaum verändert. Über 70 Prozent der Studierenden stammen von Eltern, die selbst über einen Hochschul- oder Meisterabschluss verfügen. Nur neun Prozent kommen aus einer Familie, in der die Eltern maximal nur einen Volks- oder Hauptschulabschluss haben.

Timmermann: «Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellenz, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede». Der Parlamentarische Bildungs-Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) sagte: «Das Thema Chancengerechtigkeit bleibt eine wichtige Herausforderung der Bildungspolitik in den nächsten Jahren».

Der DSW-Präsident forderte Bund und Länder auf, sich jetzt ohne weitere Verzögerungen über eine Bafög-Reform zu verständigen. Die Anhebung der studentischen Ausbildungsförderung steht nun schon im zweiten Jahr aus. Bereits im Januar 2012 hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent sowie der Elternfreibeträge um sechs Prozent verlangt. Diese Forderung hatte sich die Regierung allerdings nicht zu eigen gemacht. Seit Ende Mai tagt jetzt auf Initiative von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) eine Bund-Länder-Bafög-AG.

Laut Sozialerhebung wird derzeit ein Viertel der Studierenden mit Bafög gefördert. Davon bekommen 38,4 Prozent den Höchstsatz von 670 Euro. Im Schnitt erhalten die Bafög-Empfänger 425 Euro monatlich. Stipendien bekommen nur vier Prozent der Studierenden, darunter ein Prozent das «Deutschland-Stipendium», das anders als das Bafög unabhängig vom Elterneinkommen ausbezahlt wird. Sechs Prozent der Studenten haben Kredite aufgenommen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies sind den Ergebnissen zufolge vor allem Kinder aus ärmeren Elternhäusern.

Wie die repräsentative Umfrage bei über 15 000 Studenten ergab, haben die Klagen der Studierenden über die hohe Belastung im Bachelor-Studium inzwischen Wirkung gezeigt und an den Unis zu einer Entzerrung der Lehrveranstaltungen geführt. Durchschnittlich 35 Stunden in der Woche wendet ein Student für Vorlesungen, Seminare und Selbststudium auf. Dies sind zwei Stunden weniger als noch bei der Umfrage 2009.

61 Prozent gaben an, neben dem Studium noch zu jobben – im Schnitt 7,4 Stunden die Woche. Insgesamt ist die Erwerbstätigenquote unter den Studierenden leicht zurückgegangen. Gut die Hälfte der Studierenden gab an, in einer festen Partnerschaft zu leben, darunter mehr Frauen als Männer. Fünf Prozent haben ein Kind.

Mehr als ein Drittel der Studenten wohnt allein oder mit einem Partner in einer eigenen Wohnung. In Wohngemeinschaften leben 29 Prozent. Fast jeder vierte hat noch sein Zimmer bei den Eltern. In Wohnheimen lebt jeder Zehnte. Vor allem in den Großstädten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum für Studierende. dpa

Zum Bericht: Wenig Fortschritte bei der Chancengerechtigkeit in Schulen

Ein Kommentar

  1. «Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv – auch wenn das Bildungsniveau der Gesellschaft insgesamt gestiegen ist.»
    Wer glaubt denn noch diesen Singsang mit zwei Lügen auf einmal?!

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