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Thüringer Eltern klagen: Zugang zur Förderschule restriktiver geworden

ERFURT. Eltern müssten eher darum kämpfen, dass ihr Kind in ein Förderzentrum als in den gemeinsamen Unterricht komme, kritisiert die Thüringer Landeselternvertretung und fordert eine Inklusion mit Augenmaß.

Die Landeselternvertretung hat den Erhalt von Förderschulen und -zentren in Thüringen gefordert. Die Eltern bräuchten eine Wahl- und Entscheidungsfreiheit, sagte der Landeselternsprecher für Förderschulen, Stefan Nüßle, auf einem Forum der CDU-Landtagsfraktion zum gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Handicap. Der Zugang zu den Förderschulen sei restriktiver geworden. Für die notwendigen Gutachten gebe es oft lange Wartezeiten.

Die Landeselternvertretung Thüringen fordert den Erhalt der Förderschulen. Foto: fabnie / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Landeselternvertretung Thüringen fordert den Erhalt der Förderschulen. Foto: fabnie / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Zudem seien Fälle bekannt in denen das Entscheidungsrecht der Eltern von den Schulämtern untergraben werde, kritisierte Nüßle. «Die Eltern müssen eher darum kämpfen, dass ihr Kind in das Förderzentrum als in den gemeinsamen Unterricht kommt.» Probleme gebe es vor allem in Mittelthüringen. Nüßle verlangte eine Inklusion mit Augenmaß.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Volker Emde, sagte, in der Vergangenheit sei bei der Durchsetzung der Inklusion in Grund- und Regelschulen manchmal der Bogen überspannt worden. Mit dem Druck, möglichst keine Kinder in Fördereinrichtungen einzuschulen, wachse auch der Druck zur Schließung von Förderschulen. «Wir wollen eine Offenheit in der Debatte darüber, dass Inklusion auch ihre Grenzen haben kann.» Dabei gehe es nicht nur um Personal und Geld. Studien hätten gezeigt, dass beispielsweise Schüler mit emotional-sozialen Defiziten nicht immer vom gemeinsamen Unterricht profitieren könnten.

Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) hat für das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung einen Entwicklungsplan erarbeitet. Dieser sieht den Angaben zufolge unter anderem ein gesondertes Konzept für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt, eine bessere Personalausstattung und mehr barrierefreie Zugänge vor. «Für Inklusion gibt es keinen Fertigbausatz», erklärte Matschie vor einer Pädagogenkonferenz an diesem Montag in Erfurt. Entscheidend sei das Wohl des Kindes. Bei der weiteren Entwicklung gehe Qualität vor Tempo. (dpa)

(22.06.2013)

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