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Ahnen: Facebook ist nichts für Schulen – Skepsis bei Lehrern

MAINZ. Dürfen Lehrer und Schüler auf Facebook befreundet sein? Das baden-württembergische Kultusministerium sagt: Nein. Auch das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz will ab dem nächsten Schuljahr die sozialen Netzwerke für Schulen weitgehend sperren. Das stößt auf Kritik bei Schülern und Lehrern.

Will Facebook aus den Schulen verbannen: Doris Ahnen (SPD), Kultusministerin von Rheinland-Pfalz. Foto: Mathias Schindler / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Will Facebook aus den Schulen verbannen: Doris Ahnen (SPD), Kultusministerin von Rheinland-Pfalz. Foto: Mathias Schindler / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Rheinland-Pfalz will den Kontakt zwischen Lehrern und Schülern über soziale Netzwerke wie Facebook möglichst eindämmen. «Schulen sollen Facebook nicht im dienstlichen Zusammenhang nutzen», sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums. Es gehe darum, zum Beispiel Lehrpläne nicht in solchen Netzwerken einzustellen. Dies sei aber nicht als Verbot gedacht und es beziehe sich auch nicht auf die private Nutzung. Die Lehrer sollten für den Umgang mit sozialen Netzwerken sensibilisiert werden. Eine Information für Schulen ist zum nächsten Schuljahr geplant.

Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sagte dem SWR, vor allem die datenschutzrechtlichen Probleme machten deutlich, «dass Facebook nicht für den Einsatz in der Schule geeignet ist». Bedenken hat auch der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz. Bei Facebook hätten die Nutzer kein Widerspruchsrecht, wenn ihre Daten weiterverwendet werden, sagte der stellvertretende Landesbeauftragte Klaus Globig. Lehrer sollten nicht mit Schülern in sozialen Netzwerken befreundet sein.

Skepsis kommt von Lehrern und Schülern. «Die Hitzewelle hat wohl die Bürokratie begünstigt», sagte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) in Rheinland-Pfalz, Gerhard Bold. Die Lehrer könnten selbst beurteilen, wie sie kommunizieren. Dass der Datenschutz bei Facebook nicht komplett gewährleistet sei, wüssten sie schon. Weitere Vorschriften seien nicht nötig.

Leo Wörtche, Mitglied im Vorstand der Landesschülervertretung, hält den Plan ebenfalls nicht für wirksam. «Jeder Lehrer muss selbst wissen, was für ein Verhältnis er zu seinen Schülern haben will.» Viele Lehrer nutzten Facebook zur Kommunikation mit ihren Schülern, was auch Vorteile haben könne. Umfassender Datenschutz könne im Internet ohnehin nicht garantiert werden, wichtig sei das Verantwortungsbewusstsein.

Auch die FDP sieht Facebook als Chance. «Soziale Medien sind Teil des Alltags der Schülerinnen und Schüler, deshalb sollten auch die Lehrerinnen und Lehrer damit vertraut sein», teilte FDP-Landeschef Volker Wissing mit. Die rot-grüne Landesregierung solle soziale Medien konstruktiv für die Bildung nutzen. Die FDP ist nicht im Landesparlament vertreten.

Das Kultusministerium in Baden-Württemberg hatte zuvor angekündigt, Lehrern die Kommunikation mit Schülern und untereinander über dienstliche Angelegenheiten zu verbieten. dpa

 

 

5 Kommentare

  1. Niedersachsen bezieht Stellung:

    Heute in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:

    Lehrer dürfen Facebook weiter nutzen
    Hannover (lni). In Niedersachsen können Lehrer auch künftig mit ihren Schülern über soziale Netzwerke kommunizieren. Im Gegensatz zu Baden-Württemberg plant das Land nicht, die Nutzung von Facebook für Lehrer einzuschränken. Grundsätzlich setze Niedersachsen auf einen eigenverantwortlichen und verantwortungsbewussten Umgang mit Facebook und Co., sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Sebastian Schumacher, am Mittwoch in Hannover. „Explizite Regelungen oder gar ein Verbot zum Umgang mit Facebook gibt es in Niedersachsen nicht und sind auch nicht geplant“, betonte der Sprecher. Bei Nachfragen von Pädagogen oder Schulleitungen weist das Haus von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) allerdings darauf hin, dass die allgemeinen datenschutzrechtlichen Bestimmungen unbedingt zu beachten sind. Es dürften keine persönlichen Daten auf öffentlich zugänglichen Internetseiten erscheinen, sagte Schumacher. Außerdem müsse immer die Möglichkeit bestehen, die schulischen Informationen auch über einen anderen Weg zu bekommen.
    25.07.2013 / HAZ Seite 5 Ressort: NIED

  2. Beruflich im IT-Bereich tätig:
    Bisher bin ich völlig dagegen ein Facebook -Account einzurichten. Ich selbst habe keins und in meiner Familie auch keiner. Leider sehe ich immer öfter bei Jugendlichen in meinem Familiären Umfeld, wie leichtsinnig der Umgang mit z.B. Facebook praktiziert wird.

    Ich sehe nicht ein, dass sich meine Tochter ein Facebook-Account einrichten muss nur damit Sie im Bereich der Schule nicht zurück fällt. Dies sollten auch die Lehrer einsehen.

    Ich sehe hierbei eher eine Gefahr als ein Vorteil. Einen entsprechenden Umgang mit diesen Portalen wird in den Schulen ja auch nicht gelehrt. Für die Verbreitung von Informationen sollte die Schule ein eigenes Portal innerhalb der Schule einrichten. Dadurch ist der Personenkreis schon einmal auf die Schule begrenzt. Bei richtiger Absicherung (VPN-Zugang) kann dies ohne weiteres auch von auserhalb des Schulnetzes erreichbar sein. Jeder Schüler bekommt seinen persönlichen Zugang. Sollte dies zu teuer sein, gibt es ja immer noch die Möglichkeit des E-Mailverteilers oder der Telefonkette.
    Im Übrigen bin ich keiner des demnächst eine Bücherverbrennung verlangt.
    Ich würde einfach mal vorschlagen, dass alle Eltern mal das Account Ihrer Kinder einsehen und mal nachlesen, was an privaten und ggf. intimen Informationen in diesen Konten steht. Danach würde ich vorschlagen mal darüber nachzudenken wie sich diese Informationen auf das zukünftige Leben der Kindes auswirken kann. Es gibt genug Firmen oder auch z.B. Versicherungen, die Ihre zukünftigen Mitarbeiter/Kunden auf Facebook durchleuchten.

    • Danke, Realist, für Ihren überaus wertvollen Beitrag!

    • Würde ein Lehrer so etwas schreiben, würde er als ewig Gestriger beschimpft werden. Deshalb auch mein Dank für diesen Beitrag. Übrigens: Lehrer klären sehr wohl über die Gefahren auf, allerdings stößt man dabei als Lehrer auch auf völlige Ignoranz von Seiten der Schüler. Nach dem Motto: Lass den Alten da vorne ruhig reden.

  3. Kein Facebook, aber das Geburtsdatum auf dem Nummernschild spazieren fahren….tztztz.
    Benutze Facebook erfolgreich um Kurse und Kursfahrten zu organisieren. Die SuS sind dort dann Nichtseins „Freunde“, sondern „Bekannte“.
    Viel Scheu entsteht vermutlich einfach durch Unsicherheit / Unwissen, FB richtig zu benutzen.

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