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Ärger für Ahnen: „Kettenverträge“ für Vertretungslehrer in der Kritik

MAINZ. Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) gerät unter Druck: Werden Vertretungslehrer im Land mit Kettenverträgen systematisch ausgebeutet? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert jedenfalls, in Rheinland-Pfalz gebe es zu viele dieser Verträge. Auch CDU-Fraktionschefin Klöckner fordert ein Umsteuern.

Kettenverträge für Vertretungslehrer? Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen. Foto: Marc Bleicher / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Kettenverträge für Vertretungslehrer? Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen. Foto: Marc Bleicher / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit Plakat- und Unterschriften will die GEW gegen die Beschäftigung zahlreicher Vertretungslehrer in Rheinland-Pfalz protestieren. Viele Lehrer arbeiteten schon mit fünf oder mehr befristeten Arbeitsverträgen hintereinander ohne konkrete Aussicht auf eine unbefristete Stelle, teilte die GEW in Mainz mit. Unter dem Motto «Wir wollen rein! – Junge Lehrkräfte brauchen eine Perspektive» wirbt die Gewerkschaft an Schulen und Universitäten für mehr Planstellen für Lehrer. Von rund 1500 ausgebildeten jungen Lehrern pro Jahr könne bisher aber nur ein kleiner Teil damit rechnen.

CDU-Landtagsfraktionschefin Julia Klöckner verlangte ebenfalls eine Abkehr von der jetzigen Praxis. «Es ist unanständig, wie die Landesregierung mit Vertretungslehrern umgeht. Das ist Zeitarbeit, das sind Kettenverträge, die das Land als Arbeitgeber abschließt», sagte Klöckner. Die rot-grüne Landesregierung dürfe nicht Leiharbeit geißeln und sich bei Vertretungslehrern dann selbst so verhalten. «Wir brauchen eine verlässliche Unterrichtsversorgung für jede einzelne Schule.»

Das Bildungsministerium hatte die Kritik zum Ende des Schuljahres zurückgewiesen. Die Verträge der Vertretungslehrer seien zum Überbrücken von Mutterschutz oder Erkrankungen gedacht und deshalb befristet, teilte das Ministerium Anfang Juli mit. Die Anzahl der Verträge entspreche im Monatsdurchschnitt 2000 Vollzeitstellen. Über die Sommerferien liefen rund 1300 bezahlte Stellen weiter. Ein Pool mit dauerhaften Vertretungslehrern soll im kommenden Schuljahr auf 300 und bis 2016 auf 1000 ausgeweitet werden. Dies reicht aus Gewerkschaftssicht aber nicht, um den Bedarf zu decken.

 

2 Kommentare

  1. So kann frohe Weinachten und Bescherung aussehen!
    Ich bin ebenfalls davon betroffen, allerdings bin ich Seiteneinsteigerin. Meinen Beruf als Architektin habe ich vor acht Jahren letztendlich an den Nagel gehängt, als ich erst über kapitalisierte Stelle, dann seit fast fünf Jahren beim Land NRW an einer Gesamtschule arbeite und meine Berufung gefunden habe. Ich unterrichte Mathe und Kunst, aber auch in GL, Politik und Physik, Chemie wurde ich eingesetzt. Zudem bin ich für das Fach Technik geeignet, eines der Mangelfächer. Zudem bin Co-Klassenlehrerin, Fachvorsitzende in Kunst, habe meinen alten Beruf einbringen können, Bildbearbeitung und Layout Für jegliche Veröffentlichungen. Ich liebe meinen neuen Beruf und es hieß immer, ich könnte bis zur Rente und das sind noch gut 10-12 Jahre so einen Vertrag nach dem anderen erhalten. Die Bezirksregierung will wohl die Seiteneinsteiger alle los werden, da zu viele Lehrer arbeitslos sind. Nun, gestern auf der Weihnachtsfeier hat mein Schulleiter mir mitgeteilt, dass ich nicht automatisch einen neuen Vertrag erhalte. Meine Vertretungsstelle wird ausgeschrieben und ab 01.06.2015 bin ich dann arbeitslos. Einen Entfristungsvertrag hatte ich bereits auch gestellt, der wurde abgelehnt, weil ich keine 10 Jahre befristet bin. Das ist unerheblich nach einigen Rechtsprechungen, den in fünf Jahren habe ich insgesamt, mit Kettenverträge und Aufstockungen, 14 Verträge, unterrichte an der gleichen Schule die gleichen Fächer. An der Schule sind Referendare, die mir sagten, dass Seiteneinsteiger den Lehrern die Stellen wegnehmen würden. Ich muß mich jetzt rechtzeitig arbeitssuchend melden, weiß aber nicht in welchem Beruf: als Architektin, wo ich nach acht Jahren keine Aussicht auf eine Anstellung habe oder als Lehrerin…….Dabei wurde ich angeworben mit der Aussicht auf Festanstellung, wenn ich mich bewährt hätte. In der Regel hat man keine fünf Jahre Probezeit, um dann abgeschoßen zu werden, weil man nicht geeignet ist. Einen Dank und besinnliche Weihnachten an Frau Kraft und ihrer Regierung……

  2. Die Universitäten gehen noch wesentlich krasser mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern um, weil die einzigen unbefristeten Stellen die Professuren und die akademischen Räte sind. Beide sind sehr rar und die befristeten (Drittmittel-) Stellen im Verhältnis zur Arbeitsbelastung mies bezahlt. Ähnliches gilt auch für die Lehrkräfte für besondere Aufgaben.

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