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Eltern schimpfen über „Zeitverschwendung“ vor den Ferien

DÜSSELDORF. Kurz vor Ferienbeginn in Nordrhein-Westfalen gibt es Ärger darüber, dass in vielen Schulen seit den Zeugniskonferenzen vor einigen Wochen kein regulärer Unterricht mehr stattfindet. Dies berichtet die „Rheinische Post“. „Manche Lehrer tun so, als sei jetzt die Zeit, um mal auf nett zu machen“, so zitiert das Blatt die Vorsitzende des Elternvereins NRW, Regine Schwarzhoff. „Da wird viel Zeit verschwendet.“

Am Freitag beginnen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien. Foto: lubaib / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Am Freitag beginnen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien. Foto: lubaib / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Schwarzhoff schlägt dem Bericht zufolge die Aufarbeitung von Stofflücken, inhaltliche Vorarbeit fürs nächste Jahr oder Projektwochen vor. „Eine entspanntere Situation ist allen zu gönnen. Aber Unterricht muss es sein“, meint sie. Von Eltern sei zu hören, in manchen Klassen würden nach den Zeugniskonferenzen vor allem Filme angeschaut; andere beklagen eine extreme Wandertags-Dichte zum Schuljahresende. „An vielen Schulen könnte mehr gemacht werden“, so zitiert die Zeitung Ralf Leisner, den Vorsitzenden der Landeselternschaft der Gymnasien: „Oft ist es sicher ein Problem der Motivation. Da ist es bequemer, einen Film zu zeigen.“

Der Elternsprecher halte es aber für einen „frommen Wunsch“, in den letzten Tagen vor den Ferien Lücken aufzuarbeiten: „Man muss sich ehrlich fragen, wie viel davon wohl haften bleibt.“ Andererseits, so wird Leisner zitiert, gebe es viele Schulen, die die Zeit vor den Zeugnissen durchaus sinnvoll füllten, etwa mit Tutorien für Neuankömmlinge von anderen Schulformen, Sportfesten oder Berufsorientierung. „Dafür bleibt im Schuljahr oft keine Zeit“, sagte Leisner.

Tatsächlich scheint das Thema vielen Eltern auf den Nägeln zu brennen. „Bei uns an der Schule ist es auch so, dass statt Unterricht nur noch Freizeit stattfindet“, berichtet etwa ein Elternteil mit dem Pseudonym „Sonnenuhr“ im Forum der Seite „Schulradar“. „Ausflug hier, Wandertag da, Projekttag (bei dem nichts raus kommt) da – und so weiter.“ Die Kinder hätten keine Leistungen mehr bringen müssen und „konnten sich aussuchen, was sie machen oder nicht“. Hausaufgaben seien nicht richtig kontrolliert worden „und waren ständig falsch. Es war einfach mal zum …“

Ein anderes Elternteil mit dem Pseudonym „bigbraemi“ schimpft: „Fakt ist: Seit dem 22.06. wird nicht mehr unterrichtet. Ferien gibt es erst am 10.07. Die Zeit wird mit nun drei Wochen lang (!!!) mit einigen Aktionen totgeschlagen.“ Der Kommentator schlägt vor, „nochmals Wiederholungsaufgaben durchzuführen oder Vorbereitungen auf das neue Schuljahr zu treffen“.

Unterstützung für die Eltern kommt laut „Rheinischer Post“ aus der Politik. „Ich höre die Beschwerden auch“, sagt Yvonne Gebauer, schulpolitische Sprecherin der FDP im nordrhein-westfälischen Landtag, der Zeitung zufolge: „Ich habe nichts gegen ein Frühstück und eine Filmvorführung, aber wenn das alle machen, wird’s kritisch.“

Die Zeit nach den Zeugniskonferenzen sinnvoll zu nutzen, sei „eine Herausforderung für die Lehrer“, sagte Gebauer dem Blatt: „Es ist sicher schwieriger als während des Schuljahres, die Schüler zu motivieren.“ Ratsam sei, sich jetzt besonders intensiv der individuellen Förderung zu widmen – ein solches Extraprogramm wiederum erfordere eine gründliche Vorbereitung seitens der Schulen. Gebauer regte dem Bericht zufolge auch an, Pflichtpraktika ans Ende des Schuljahrs zu legen. News4teachers

 

3 Kommentare

  1. Ja, da ist was dran. Ich selbst arbeite eigentlich bis zum letzten Tag voll durch, aber auch von Lehrerseite aus ist der letzte Monat vor den Ferien oft für die Katz‘. Es geht so viel Zeit verloren durch Wandertage (an denen man ja teilnehmen muss), Proben für die Festveranstaltungen und nicht zuletzt durch die Klassenfahrten. Man kann fast einen kompletten Monat in seinen Planungen streichen. Ich bin auch nicht zufrieden damit. Dann lieber 8 Wochen Sommerferien (ohne Aufgaben für die Schüler) und bis zuletzt voll durcharbeiten.

  2. Wie gerne würde ich bis zum letzten Tag Unterricht halten. Leider schießen bei uns hauptsächlich Eltern quer, die jeden erdenklichen Firlefanz zum Schuljahresende fordern.

  3. Die Lehrer und ihre Motivation sind oft nicht das Problem, ich für meinen Teil mache gerne guten Unterricht – auch bis zum letzten Tag. Die Frage ist nur: Wer macht mit? Die SchülerInnen i.d.R. nicht. Nach den Zeugniskonferenzen machen mehr als 90 % der SchülerInnen nichts mehr. Zitat: „Wozu auch? Meine Noten stehen doch schon fest!“ Der Spruch: „Nicht für die Schule sondern für das Leben lernen wir!“ hat schon lange ausgedient. Es gibt nichts nervigeres als Schüler, die penetrant und permanent quengeln: „Können wir heute rausgehen! Wieso nicht? Können wir wenigstens einen Film gucken? Wieso nicht? Wir haben aber keine Lust auf Mathe!“ Englisch, Deutsch, was auch immer und so fort.
    Solange Eltern ihren Kindern (durch die eigene Inkonsequenz) beibringen, dass stetige Quengeleien zum Erfolg führen, wird es Lehrkräfte geben, die dem Schülerwunsch nachgeben.
    Solange Eltern versäumen, ihren Kindern die Freude an (oder wenigstens die Bereitschaft zur) Pflichterfüllung beizubringen, solange werden wir wohl weiterhin in den letzten Schulwochen unsere wertvolle Unterrichtszeit an unwillige SchülerInnen verschwenden.

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