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Ethikunterricht für Grün-Rot derzeit kein vordringliches Problem

STUTTGART. Ethikunterricht ab der ersten Klasse fordert der VBE in Baden-Württemberg und beruft sich dabei auf den Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung. Derzeit habe man andere Schwerpunkte, kontert das Kultusministerium.

Die grün-rote Landesregierung muss nach Überzeugung des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) endlich den Ethikunterricht ab Klasse eins auf den Weg bringen. «Grün-Rot hat das versprochen und lässt jetzt alle im Regen stehen – Eltern, Schüler und Lehrer», sagte VBE-Vizechef und -Sprecher Michael Gomolzig der. «Die sind schon mehr als zwei Jahre an der Regierung und haben noch nicht einmal ein Signal gegeben.» Um die Ankündigung im Koalitionsvertrag voll zu erfüllen, wären nach VBE-Berechnung 600 Lehrerstellen notwendig.

Ausschnitt aus Rafaels Schule von Athen

Aristoteles (blauer Mantel) gilt als Begründer der Ethik. Baden-Württembergs Landesregierung sieht derzeit keinen vordringlichen Handlungsbedarf. Foto: FranksValli / Wikimedia Commons

Das Kultusministerium reagierte kühl auf die Forderung. Ein Sprecher von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) sagte am Sonntag, man habe derzeit andere Schwerpunkte. Die Regierung wolle vor allem den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppeln. Darum konzentriere man sich auf die Stärkung der frühkindlichen Bildung und Betreuung und auf den Ausbau des individuellen Lernens an allen Schularten, der Gemeinschaftsschule und der Ganztagsschule. «Andere wünschenswerte Reformprojekte konnten deshalb auch aus Ressourcengesichtspunkten noch nicht begonnen werden, darunter der schrittweise Ausbau des Ethikunterrichts.»

Die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser warnte den VBE davor, zu viel auf einmal zu verlangen. «Einerseits warnen uns Lehrerverbände davor, wir würden in der Bildung zu viel auf einmal anpacken, jetzt heißt es wieder, alles muss schneller gehen.» Grundsätzlich seien die Grünen aber dafür, den Ethikunterricht schrittweise einzuführen. «Diese Möglichkeit passt gerade im Grundschulbereich am besten zu Ganztagesangeboten. Das Kultusministerium arbeitet derzeit an einer Konzeption, wir als Grüne könnten uns in diesem Konzept Ethik sehr gut vorstellen.»

Im Koalitionsvertrag wird eine schrittweise Einführung von Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht in Aussicht gestellt, wobei Grün-Rot am Verfassungsrang des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts festhält.

Neben den wachsenden organisatorischen Schwierigkeiten sprechen nach Ansicht Gomolzigs auch inhaltliche Gründe für den Ethikunterricht: «Dort werden den Kindern wichtige Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Toleranz, Rücksichtnahme vermittelt.» Auch sei dies der Ort, wo sie über Ängste oder Konflikte in der Gruppe sprechen könnten. «Für die Grundschüler wäre das wertvoll.» (dpa)

(07.07.2013)

zum Bericht: Immer weniger religöse Kinder – VBE fordert Ethikunterricht

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