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FDP schlägt Schulranking vor – und stößt auf harsche Ablehnung

STUTTGART.  Zum Profil der Liberalen gehört der Einsatz für den Wettbewerb. Die baden-württembergische FDP-Landeschefin Homburger möchte, dass sich auch die Schulen untereinander messen. Humbug, meinen Grüne, FDP und Gymnasiallehrer.

FDP-Landeschefin Birgit Homburger hat sich für mehr Wettbewerb der Schulen und für eine Rangliste ausgesprochen. Es sei nicht nur für Eltern und Schüler wichtig, zu sehen, wo eine Schule steht, sondern auch für diese selbst, sagte Homburger in Stuttgart. «Wenn eine Schule wiederholt schlecht abschneidet, werden die Eltern mit den Füßen abstimmen.» Bei Grünen, SPD und dem Philologenverband biss Homburger mit ihrer Forderung auf Granit.

Auch eine Befragung der Schüler nach den Leistungen ihrer Lehrer hält Homburger für vernünftig und richtig. Die Lehrer müssten mehr Kontrolle und Überprüfung ihrer Lehr-Fähigkeiten akzeptieren. «Da ist ein Mentalitätswechsel nötig.»

Dem widerspricht der Philologenverband vehement. Er lehnt es ab, einzelne Schulen an den Pranger zu stellen. Bei manchen Schulen an problematischen Standorten könnten sich die Lehrer noch so viel Mühe geben, die Notenschnitte anzuheben – ohne Erfolge zu haben. Anderen abgelegenen Schulen fehle es womöglich an Lehrkräften. Es sei unfair, solche Schulen auch noch abzustrafen. Interne und externe Evaluationen ohne öffentliche Bloßstellung seien ohnehin schon gang und gäbe. Nähme man die FDP ernst, brauche man auch eine öffentliche Bewertung der Arbeit von Finanzämtern bis hin zu Baurechtsämtern. Mehr Sinn mache ein Vergleich der Abiture in verschiedenen Bundesländern. Dabei werde sich herausstellen, dass Baden-Württemberg ganz oben in der Liga mitspiele.

Die Leistungsfähigkeit von Schulen kann nach Worten Homburgers an den Durchschnittsnoten von Vergleichsarbeiten gemessen werden. «Interessant für eine umfassende Bewertung sind aber auch soziale Kriterien, Förder- oder Betreuungsmaßnahmen.» Dazu könnten zum Beispiel Ganztagsschulangebote oder Kooperationen mit Vereinen und regionalen Unternehmen gehören.

Aus Sicht der SPD ist der FDP-Vorstoß eine «Schnapsidee». «Dieser Vorschlag würde zu fortlaufender Stigmatisierung von Schulen und schlussendlich zur Spaltung unserer Gesellschaft führen», meinte SPD-Generalsekretärin Katja Mast. Grünen-Landeschefin Thekla Walker sagte: «Die FDP zieht wieder ihre typische Elite-Nummer ab.» Über gute Bildung und individuelle Förderung für alle Kinder verliere sie kein Wort. Während des Umbaus der Bildungslandschaft seien Schulen und Lehrern keine neuen Belastungen und Kosten zuzumuten. Zudem blieben die Liberalen einen Finanzierungsvorschlag schuldig.

Die Bewertung einer Schule sollte nach Homburgers Vorstellung auf zwei Schienen erfolgen: Die Schule selbst übernimmt die interne Evaluation. Die Kosten müssten aus dem Landeshaushalt oder aus dem Budget der Schule kommen. Eine externe Bewertung müsste nach Homburgers Vorstellungen das Land oder ein unabhängiges Bildungsinstitut übernehmen. So könnten die Schulen miteinander verglichen werden – etwa im Drei-Jahre-Rhythmus. Die Ergebnisse beider Bewertungen sollen veröffentlicht werden.

Vorbild seien etliche Schulen in Freier Trägerschaft. Diese müssten sich bereits im Wettbewerb mit staatlichen und anderen privaten Schulen bewähren. Im internationalen Vergleich könne man feststellen, dass für viele der führenden PISA-Länder Bewertungen schon längst selbstverständlich seien. dpa

Zum Bericht: „Schulen unter der Lupe: Münch veröffentlicht Prüfberichte“

 

2 Kommentare

  1. Nicht die Schule, die den Kindern am meisten beibringt, wird in diesen Rankings vorne sein, sondern die, die die besten Noten verteilt.

    • Christian Möller

      So ist es. Außerdem werden jene Schulen Spitzenplätze einnehmen, die den größten Wirbel veranstalten, der oft mehr dem Auge als dem Lernfortschritt der Schüler dient. Potemkinsche Dörfer sind das A und O bei Schulrankings.

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