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Flexible Grundschule in Bayern – BLLV: „Ausbau im Schneckentempo“

MÜNCHEN. Der Ausbau der Flexiblen Grundschule in Bayern geht dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zu langsam. „Obwohl die pädagogischen Vorteile unbestritten sind, können längst nicht alle bayerischen Grundschulkinder davon profitieren“, kritisierte BLLV-Präsident Klaus Wenzel anlässlich einer heutigen Informationsveranstaltung von Kultusstaatssekretär Bernd Sibler in Polling bei München zum „Stand des Modellversuchs“.

Es gehe nur im Schneckentempo voran. Problematisch sei auch, dass nach wie vor offen sei, wie die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche und flächendeckende Umsetzung sichergestellt werden können. Derzeit werden die Schulen laut Presseerklärung des BLLV von der Stiftung Bildungspakt Bayern finanziert. Der Modellversuch startete laut Bericht im Schuljahr 2010/11 mit 20 Modellschulen, er wurde 2012/13 auf 80 Grundschulen ausgeweitet, im kommenden Schuljahr sollen neun weitere Grundschulen dazukommen. „Wenn der Ausbau weiterhin so träge vorangeht, wird es noch über 80 Jahre dauern, bis alle Grundschulen in Bayern das flexible Angebot haben“, meinte Wenzel.

„Die Erweiterung um neun Schulen ist besser als nichts, aber bei über 2500 Grundschulen in Bayern eine kaum wahrnehmbare Verbesserung“, erklärte Wenzel. Er forderte das Kultusministerium auf, einen Stufenplan zu entwickeln, in dem festgehalten wird, bis zu welchem Zeitpunkt der bedarfsgerechte Ausbau abgeschlossen werden soll. Das Projekt könne nur dann gelingen, wenn die Schulen bestens ausgestattet seien. Das bedeute, es müsse dafür gesorgt werden, dass die Klassen klein blieben und ausreichend Differenzierungsstunden angeboten werden könnten. In den von der Stiftung Bildungspakt finanziell unterstützten Modellschulen herrschten freilich gute Bedingungen – „die müssen auch am Ende des Ausbauplanes für alle Grundschulen garantiert sein.“

Derzeit liege die Teilungsgrenze der ersten Jahrgangsstufen unverändert bei 29 Schülern. Pro Klasse stehe auch nur eine Lehrkraft zur Verfügung. „Die Lehrpläne sind nach wie vor standardisiert, das heißt, es kann nur wenig Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse der Kinder genommen – daran wird wohl leider auch der neue Grundschullehrplan nichts ändern“, befürchtet Wenzel.

Grundsätzlich bleibe festzuhalten, dass die sich in Flexiblen Grundschulen entwickelnde Förderkultur, bei der jedes Kind sein individuelles Tempo gehen könne, abrupt beendet werde, wenn es zehn Jahre alt sei und die vierte Jahrgangsstufe absolviert habe: „Das führt dazu, dass die gesamte Grundschulzeit – flexibel gestaltet oder nicht – von der zu frühen Sortierung der Kinder überschattet und letztlich ihr pädagogischer Wert konterkariert wird.“

 

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