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Mathematiker-Kongress in Kiel: Keine Angst vor großen Zahlen

KIEL. In Kiel treffen sich bis Freitag mehr als 600 Wissenschaftler aus fast 50 Ländern, um über das Lernen und Lehren von Mathematik zu diskutieren. Die Nachrichtenagentur dpa sprach für News4teachers mit Tagungsleiter Aiso Heinze vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) – unter anderem über die Schwierigkeiten des Metiers.

Mathematik ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Foto: marco51186 / Flickr (CC BY 2.0)

Mathematik ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Foto: marco51186 / Flickr (CC BY 2.0)

Das Mathelernen fällt anscheinend vielen Kindern schwer. Woran liegt das?

HEINZE: Dass vielen Kindern das Mathematiklernen schwer fällt, kann so pauschal nicht gesagt werden. Im Kindergarten und auch zu Beginn der Grundschulzeit sind die meisten Kinder begeistert von der Mathematik. Die Herausforderung beim Mathelernen liegt im kumulativen Aufbau der Disziplin, das heißt, Lücken im Wissen führen dazu, dass das Fundament für den weiteren Lernprozess unzureichend ist. Man muss also dran bleiben.

Was raten Sie Eltern, die mit Unterrichtsstoff und Büchern nicht zurechtkommen?

HEINZE: Zunächst einmal: Von dem Wunsch, dass ein Lehrangebot – sei es im Unterricht oder als Lehrmaterial – für alle Situationen und alle Kinder geeignet ist, muss man sich verabschieden. Die entscheidende Frage ist immer, warum Schüler nicht mit einem Unterrichtsinhalt zurechtkommen. Bei Kindern, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben, kann es ein rein sprachliches Problem sein. Das heißt, sie verstehen die sprachlichen Bezeichnungen von mathematischen Begriffen nicht oder interpretieren sie falsch. Andere Schülern haben eine eingeschränkte oder gar keine inhaltliche Vorstellung von bereits erlernten mathematischen Begriffen und verwenden mathematische Regeln nach einem inhaltsleeren Schema. Bei Problemen mit dem Mathematiklernen ist also immer erst zu prüfen, wo die tatsächlichen Ursachen der Lernschwierigkeiten liegen. Erst dann kann man über Fördermaßnahmen nachdenken.

An wen könne sich denn Eltern wenden, wenn ihre Kinder mit dem Stoff nicht zurechtkommen?

HEINZE: Unterstützung können Eltern zuallererst bei den Mathematiklehrkräften der Kinder finden. Darüber hinaus gibt es inzwischen in vielen Bundesländern auch Projekte von Hochschulen und Landesinstituten, die Aufgaben zur Diagnose und passende Fördermaterialien zur Verfügung stellen.

Es scheint so, als ob es Kindern in anderen Ländern leichter fällt, sich mit Mathe zu beschäftigen. Was können wir von anderen lernen?

HEINZE: Ob es Kindern woanders wirklich leichter fällt, sei mal dahingestellt. Es ist aber sicherlich so, dass Mathematik in einigen Ländern ein ganz anderes Image hat. In unserer Gesellschaft dürfen auch Prominente oder gar Entscheidungsträger öffentlich zugeben, dass sie nichts von Mathematik verstehen. In anderen Ländern ist so etwas unmöglich – und hieran könnte man sich ein Beispiel nehmen.

Warum ist es wichtig, nicht nur für den Schulabschluss zu lernen, sondern sich auch noch als Erwachsener mit Mathe zu beschäftigen?

HEINZE: Es geht im Wesentlichen um mehrere Punkte, warum man Mathematik in der Schule lernt: Jeder Mensch in einer modernen Gesellschaft braucht mathematische Basiskenntnisse, um sein privates Alltagsleben zu bewältigen. Dies fängt bei so einfachen Dingen wie das Verstehen von Diagrammen in der Zeitung an und hört beim Vergleich verschiedener Angeboten etwa für Kreditverträge auf. Des Weiteren geht es darum, den Absolventen so viele mathematische Grundlagen mitzugeben, dass sie nach der Schule vielfältige Optionen für ihre Berufswahl haben.

Zum Bericht: „Die Rechnung geht auf – Internationale Mathe-Elite tagt in Bremen“

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