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Plagiat oder nicht? Wissenschaftler streiten über Lammerts Doktorarbeit

BOCHUM. Während die Ruhr-Universität Bochum die Plagiatsvorwürfe gegen Bundestagspräsident Lammert prüft, debattieren Wissenschaftler über die Anschuldigungen. Der Blogger, der die Vorwürfe erhoben hatte, wehrt sich inzwischen selbst gegen Kritik.

Bundestagspräsident Norbert Lammert weist den Vorwurf, bei seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben, zurück. Foto:  Deutscher Bundestag/Melde, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Bundestagspräsident Norbert Lammert weist den Vorwurf, bei seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben, zurück. Foto: Deutscher Bundestag/Melde, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)

Nach den Plagiatsvorwürfen gegen Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) streiten Wissenschaftler über die Schwere der Vorwürfe. Lammert erhielt Unterstützung von Politologen, bei denen er angeblich in seiner Arbeit abgekupfert hat. Andere Wissenschaftler sprachen dagegen von eindeutigen Beweisen gegen den CDU-Politiker. Der anonyme Blogger, der die Vorwürfe gegen Lammert zuerst erhoben hatte, verteidigte seine Anschuldigungen. Die Ruhr-Universität Bochum will die Vorwürfe, die der unbekannte Netz-Aktivist erhoben hatte, zügig prüfen.

Lammert hatte seine Dissertation 1974 in Bochum eingereicht, 1975 wurde er promoviert. Nach der im Internet veröffentlichten Aufstellung soll sich Lammert unter anderem bei dem Politikwissenschaftler Wolfgang Jäger bedient und aus einem Buch zitiert haben, das es gar nicht gibt.

Der Politologe kritisierte den anonymen Autor der Vorwürfe. «Der hat nicht seriös gearbeitet», sagte Jäger der «Süddeutschen Zeitung». Der Vorwurf eines Phantombuchs sei falsch, betonte Jäger. Er selbst habe damals den Titel fehlerhaft wiedergegeben, das Buch existiere jedoch. Der anonyme Blogger verteidigte seine Vorwürfe gegen Lammert: «Ich hoffe, dass Prof. Jäger mit mir darin übereinstimmt, dass es nicht zulässig ist, Literaturverweise anderer ungeprüft zu übernehmen», schrieb er auf seiner Homepage. Am Sachverhalt ändere Jägers Kritik nichts. Der Politologe Hans-Otto Mühleisen, der ebenfalls in Lammerts Arbeit als Quelle auftaucht, stellte sich hinter den Politiker: «Ich kann bisher nichts erkennen, was auf ein Plagiat schließen lässt».

Für den österreichischen Plagiatsexperten Stefan Weber ist bei der Doktorarbeit dagegen eindeutig wissenschaftliches Fehlverhalten feststellbar. «Das ist ein Plagiat. Daran gibt es nichts zu rütteln», sagte Weber, der bereits mehrfach bei Gerichtsverfahren um Doktorarbeiten als Sachverständiger auftrat, der Nachrichtenagentur dpa. Die Fakten seien erdrückend, sagte der Experte. Wenn man sich aber «Wort für Wort» mit dem Text beschäftigt, sei klar ersichtlich, dass die «Bagatellgrenze» deutlich überschritten wurde. Nun sei die wissenschaftliche Prüfung der zuständigen Ruhr-Universität Bochum am Zug: «Wenn die Wahrheit gewinnt, wird das mit dem Entzug des Doktortitels und dem Rücktritt enden», sagte Weber. dpa

Zum Bericht: Schon wieder ein Plagiatsvorwurf: Jetzt trifft ihn der zweite Mann im Staat

 

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