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Schlechter Stil in Stuttgarts Schulpolitik

Ein Kommentar von NINA BRAUN.

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: Bildungsjournalisten.de

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: Bildungsjournalisten.de

In Baden-Württemberg sind (endlich) Ferien – und nicht einmal jetzt kommt die Schulpolitik dort zur Ruhe. Mit der Ankündigung, die Altersermäßigung für Lehrer streichen zu wollen, sorgt das Kultusministerium in Stuttgart einmal mehr für Empörung bei einer seiner Kernzielgruppen, der Lehrerschaft. Was ist bloß los im früher so beschaulichen Ländle? Da ist einerseits eine Landesregierung, die in der Schulpolitik ehrgeizige Ziele formuliert, aber die Schuldenbremse herannahen sieht. Und da sind andererseits Lehrerorganisationen, die hohe Erwartungen in den Regierungswechsel gesetzt hatten und sich nun grenzenlos enttäuscht sehen. Zum Teil zu recht.

Sicher, keine Landesregierung, die 11.600 Lehrerstellen streichen will, könnte dabei auf die Unterstützung der Verbände bauen. Und auch für Maßnahmen wie die Zeitverzögerung bei der Besoldungserhöhung war von Gewerkschaftsseite kein Applaus zu erwarten. Was aber irritieren muss, ist die Instinktlosigkeit des SPD-geführten Kultusministeriums im Umgang mit der organisierten Lehrerschaft. Die erste Kultusministerin des Kabinetts Kretschmann, Gabriele Warminski-Leitheußer, tappte von Fettnapf zu Fettnapf. Dafür musste sie zurücktreten. Merkwürdigerweise scheint ihr Nachfolger, Andreas Stoch, nichts daraus gelernt zu haben – er provoziert ungehemmt weiter. Ob es sich dabei um den Vorschlag handelt, Lehrer sollten doch während der Ferien Praktika in der Wirtschaft machen, das faktische Facebook-Verbot für Baden-Württembergs Lehrer (das von vielen als Gängelung aufgefasst werden dürfte) oder die neueste Ankündigung, die Altersermäßigung für Pädagogen zu streichen (und das noch mit der aberwitzigen Erklärung, viele Lehrer wollten die gar nicht).

Man fragt sich: Ist das politische Dreistigkeit – oder Dummheit? Eines ist es jedenfalls nicht: guter Stil. Denn der würde Gespräche mit den Betroffenen erfordern, nicht Gespräche mit der Presse über sie.

Zum Bericht: „Grün-Rot ärgert Lehrer weiter: Jetzt soll die Arbeitszeit-Kürzung für ältere Lehrer entfallen“

 

Ein Kommentar

  1. Es kommt halt bei der Bevölkerung immer gut an, wenn man auf die Lehrer eindrischt.
    Vielleicht würde dem Ministerium folgende Arbeitszeiterhebung weiterhelfen:
    Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2006 ermittelte für Gymnasiallehrer eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 2092 Stunden. Auch Lehrer anderer Schulformen erreichten ungefähr diesen Wert. Der Vergleich mit anderen Berufsgruppen zeigt, dass zum Beispiel Ärzte mit 2102 Arbeitsstunden pro Jahr unwesentlich mehr arbeiten als Lehrer. Architekten und Ingenieure liegen bei 2081 beziehungsweise 2037 Stunden – Journalisten und Publizisten bei 1987 Stunden.

    Quelle
    http://www.zeit.de/2009/24/C-Lehrermythen/seite-1

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