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Schwere Misshandlungsvorwürfe: Beschäftigungsverbot und Aufnahmestopp für umstrittene Heime

POTSDAM. Wenn sich der Verdacht bestätigt, ist das schlimm. Seit Tagen sorgen die Vorwürfe gegen die Haasenburg-Heime für Schlagzeilen. Jetzt zieht das Ministerium in Potsdam die Reißleine: Erzieher müssen raus, neue Kinder dürfen nicht rein – und die Kontrollen werden verschärft.

Nach massiven Misshandlungsvorwürfen gegen Jugendheime der Haasenburg GmbH hat Brandenburgs Bildungsministerium die Reißleine gezogen: Für drei Mitarbeiter der umstrittenen Heime gilt ab sofort ein Beschäftigungsverbot. Außerdem dürfen in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH in Brandenburg zunächst keine neuen Kinder aufgenommen werden. Die privat betriebenen Heime waren in die Kritik geraten, weil Kinder und Jugendliche drangsaliert worden sein sollen. Gegen Erzieher und Heimbetreiber wird bereits ermittelt. In den Heimen sind auch Hamburger Jugendliche untergebracht.

«Drei namentliche benannte Mitarbeiter stehen aktuell im Verdacht, zumindest zwei Jugendliche körperlich und seelisch misshandelt zu haben», sagte Ministerin Martina Münch (SPD) am Dienstag. Die Vorwürfe könnten zunächst nicht ausgeräumt werden. Darum sei die Suspendierung nötig. Nach Angaben eines Hassenburg-Sprechers war es auch eine Entscheidung des Betreibers, die Erzieher freizustellen. «Die Vorwürfe sind nicht in Ansätzen belegt. Aber wir haben unsere Verantwortung den Jugendlichen und den Mitarbeitern gegenüber wahrgenommen», sagte er.

Das Beschäftigungsverbot geht auch zurück auf die Aussagen eines 15-Jährigen, der in der vergangenen Woche gemeinsam mit zwei 16-jährigen Jungen aus einem der Heime weggelaufen war. Nach Angaben ihres Anwaltes sind sie vor Gewalttaten und Demütigungen geflohen. Der Jüngere ist zurück in dem Heim in Neuendorf in Unterspreewald (Kreis Dahme-Spreewald) und wurde inzwischen befragt.

«Er hat die Vorwürfe wiederholt, die in der Presse zu lesen waren», sagte ein Ministeriumssprecher. Auch die beiden anderen Jungen, die in Hamburg untergekommen sind, will das Ministerium befragen.

Hamburgs Sozialbehörde wies unterdessen Vorwürfe gegen die Haasenburg GmbH zurück, nachdem Jugendliche befragt worden waren. «Die Behörde kann Presseberichte nicht bestätigen, die besagen, dass es aktuell zu Übergriffen des Personals gegen Hamburger Minderjährige gekommen sei», teilte ein Sprecher der Hamburger Sozialbehörde mit. Das Land hat mehrfach Jugendliche in Brandenburg untergebracht, dies aber zuletzte in Folge der Anschuldigungen unterlassen.

Trotz des Belegungsstopps wollen die Brandenburger Behörden die bislang untergebrachten Kinder und Jugendlichen nicht aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden. «Um ihr Kindeswohl in den Heimen zu sichern, steht die Haasenburg GmbH derzeit unter verschärfter Beobachtung», betonte Münch. Sie schließt eine Schließung der Heime nicht aus. Dies sei aber nur gerechtfertigt, wenn das Kindeswohl in einer der Einrichtung gefährdet sei.

Das Landesjugendamt hatte sich in der Vergangenheit mehrfach eingeschaltet. Laut Ministerium sind beim Landesjugendamt von 2006 an Beschwerden eingegangen. Das Land habe auch reagiert und zahlreiche Auflagen erteilt. «Ob es ausreichend war, wird sich zeigen», sagte der Ministeriumssprecher. Die jetzt geäußerten Vorwürfe, bei denen es um schwerere Missstände wie etwa tagelanges Fixieren gehe, seien den Behörden jedoch nicht bekannt gewesen.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt bislang in acht Fällen. Dazu zählen zwei frühere Todesfälle in den Jahren 2005 und 2008, die nochmals untersucht werden. Nach Angaben einer Sprecherin liegen der Polizei weitere Anzeigen vor. Diese bezögen sich jedoch auf Medienberichte. Neue Anzeigen von möglichen Opfern lägen nicht vor.

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