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Studie: Zahl der Hundertjährigen hat sich verdoppelt – hohe Wertschätzung des Lebens

HEIDELBERG. Fast drei Viertel der Hundertjährigen in Deutschland möchten nach einer aktuellen Studie unbedingt weiterleben. Psychologische Stärken wie eine optimistische Einstellung und Lebenswillen sind ihnen dabei wichtiger als geistige Leistungsfähigkeit oder Gesundheit.

72 Prozent der betagten Senioren verspürten keinerlei Todessehnsucht, berichteten Forscher der Universität Heidelberg. Nur jeder zehnte Hundertjährige wünsche sich, zu sterben. Die Wissenschaftler befragten 2011 und 2012 rund 100 Hundertjährige aus dem Großraum Rhein-Neckar. Sie bezeichnen ihre Untersuchung als repräsentativ. In Deutschland leben Schätzungen zufolge inzwischen rund 13 000 Menschen, die 100 Jahre oder älter sind. Im Jahr 2001 waren es nur rund 6000. Damit hat sich die Zahl der Hundertjährigen mehr als verdoppelt.

Die meisten Hundertjährigen wollen weiterleben. (Foto: Didac Balanzo/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Die meisten Hundertjährigen wollen gerne noch lange weiterleben. (Foto: Didac Balanzo/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Der eigene Tod und das Sterben sei für Hundertjährige kein Tabuthema, sagte Studienleiterin Daniela Jopp. «Sie machen sich aber Gedanken, wie ihr Ableben sein wird. Und, dass sie damit ihre Familie belasten.» Obwohl sie wüssten, dass ihr Leben dem Ende zugehe, hätten 53 Prozent der Hundertjährigen eine positive Einstellung zur Zukunft und erzählten von Zielen und Plänen.„Trotz vielfältiger Einschränkungen und Verluste erleben die meisten Hundertjährigen ihr Leben als lebenswert, und mehr als 80 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden“, erklärt Dr. Christoph Rott, Co-Leiter der Studie.

Obwohl mehr Menschen ihren 100. Geburtstag erleben, ist die Zahl derjenigen, die gesundheitlich und geistig eingeschränkt sind, nicht ebenso stark gestiegen. Im Gegenteil: Im Vergleich zur ersten Studie traten bei den Hundertjährigen in einigen für die Selbstständigkeit zentralen Funktionsbereichen prozentual Verbesserungen ein. So sind heute beispielsweise mehr Hundertjährige in der Lage, selbstständig zu essen, sich um ihr Aussehen zu kümmern, zu telefonieren, Mahlzeiten zuzubereiten oder Geldangelegenheiten zu regeln. Inzwischen gibt es mit 52 Prozent deutlich mehr Hundertjährige, die keine oder nur geringe geistige Einschränkungen aufweisen. 2001 lag diese Zahl noch bei 41 Prozent.

Die Forscher befragten ihre betagten Interviewpartner unter anderem zu alltäglichen Herausforderungen, Aktivitäten, sozialer Einbindung und Lebensqualität. Zusätzlich holten sie Auskünfte von nahen Verwandten oder Freunden ein. Die meisten Interviewten waren Frauen, da sie statistisch gesehen länger leben als Männer.

Im Schnitt haben die Hundertjährigen der Studie ähnliche Leiden: 88 Prozent berichten über Schwierigkeiten beim Sehen oder Hören. Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) haben einen oder mehrere Stürze hinter sich. Der Wunsch zu sterben ging aber häufig mit dem Gefühl von Einsamkeit einher, betonten die Wissenschaftler. Eine erste Heidelberger Hundertjährigen-Studie gab es bereits 2000/2001. nin mit dpa
Informationen zur Zweiten Heidelberger Hundertjährigen-Studie sind im Internet unter http://www.gero.uni-heidelberg.de/forschung/hd100ii.html zu finden.

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