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VBE: Erziehungsmängel sind Problem Nummer eins für Schulen

STUTTGART. „Das größte Problem der Schulen heute sind schlecht oder nicht erzogene Kinder und Jugendliche.“ Dies hat der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg, Gerhard Brand, nun geäußert. Unerzogene Schüler störten ohne Rücksicht auf lernwillige Klassenkameraden ständig massiv Schulstunden, egal ob sie als gut präsentierter Frontalunterricht oder in der Form des kooperativen Lernens in der Gruppe angeboten würden.

Kinder können ganz schön laut sein - auch im Unterricht. Foto: Greg Westfall / flickr (CC BY 2.0)

Kinder können ganz schön laut sein – auch im Unterricht. Foto: Greg Westfall / flickr (CC BY 2.0)

Permanente Unterrichtsstörungen durch Schüler sollten als solche auch benannt, besprochen und nicht bagatellisiert werden. Der VBE will engagierte Eltern unterstützt sehen, die sich intensiv um die Erziehung ihrer Kinder bemühen und es nicht mehr hinnehmen wollen, dass Unterricht und Gruppenarbeit durch disziplinlose Ausfälligkeiten unerzogener Schüler kaputt gemacht werden. „Wenn Lehrer permanent gezwungen sind, Unterricht – in welcher Form er auch stattfindet – zu unterbrechen, um erzieherisch regulierend einzugreifen, verhindert diese ständig notwendige Erziehungsarbeit den eigentlichen Bildungsauftrag der Schule oder bremst ihn zumindest deutlich aus“, moniert der VBE-Sprecher.

Weil dem Verband zufolge etliche Kinder und Jugendliche in vielen Elternhäusern nicht mehr die liebevoll konsequente Erziehung erfahren dürfen, die für eine gesunde Entwicklung und den schulischen Erfolg nötig wären, werde Lehrern eine Reparaturarbeit aufgebürdet, bei der selbst der beste Pädagoge auf Dauer scheitern müsse.

Weiter heißt es: „Jede Bildungsreform würde mit einer begleitenden Erziehungsoffensive durch die Familien noch besser gelingen. Solch eine Erziehung unterstützt die Hinwendung zu einer Unterrichtskultur, die Schüler durch eigenständiges Arbeiten fördert und das Selbstwertgefühl der jungen Menschen durch Freude an einer gelungenen Arbeitsleistung positiv beeinflusst.“

Der VBE regt ein „Bündnis für Erziehung“ an, um das Problem gesamtgesellschaftlich anzugehen. Politische Lagerkämpfe würden dabei nur schaden, meint der VBE. Erfreulich obendrein: „Eine verlässliche Erziehung der Kinder durch deren Eltern würde den Haushalt des Landes mit keinem Euro belasten und trotzdem zu einem besseren Bildungsergebnis führen.“ News4teachers

 

 

4 Kommentare

  1. Kinder können heutzutage nicht mehr flüstern. Wenn sie sich im Unterricht mit ihren Nachbarn unterhalten, dann in Zimmerlautstärke. Mittlerweile ist diese Unart sogar an den Unis angelangt. Auch hier unterhalten sich Studierende während der Vorlesungen in Zimmerlautstärke, ohne Rücksicht auf den Dozenten und andere lernwillige Studierende. Wohlgemerkt hierbei handelt es sich um „Erwachsene“ Menschen, keine pubertären Schüler.

  2. mehrnachdenken

    Das waren noch Zeiten, als ich in den 80er Jahren problemlos Gruppenarbeit durchführen konnte, und die SchülerInnen einer 10. Klasse RS an sechs 5er Tischen im Klassenraum saßen. Es wurde sich so leise unterhalten, dass niemand gestört wurde. Kann sich das heute eigentlich noch jemand vorstellen?
    Schon Partnerarbeit kann oftmals nicht mehr angeboten werden, weil es dann einfach viel zu laut ist.
    Vielleicht ist die Lösung tatsächlich das selbstorganisierte Lernen. Dabei braucht ja wohl nicht viel geredet zu werden.

  3. Ursula Prasuhn

    Alles ganz gut und schön, was der VBE da so feststellt und fordert, doch das Ganze überzeugt mich nicht. „Begleitende Erziehungsmaßnahmen“ hören sich nett an, doch wie sollen sie aussehen und was ist unter einem „Bündnis für Erziehung“ zu verstehen? Wer sind überhaupt die Akteure in der „Erziehungsoffensive“, welche Voraussetzungen bringen sie mit?
    Mir scheint, das Vorhaben könnte wieder zur Stunde der selbsternannten Experten werden, die in den vergangenen Jahrzehnten die Schulen für sich und ihre Interessen genutzt und die Lehrer zu Hampelmännern gemacht haben. Den Erfolg dieser fortschreitenden Erosion und Entmündigung kennen wir.
    Eltern haben eine ähnliche Geschichte hinter sich. Über Jahrzehnte hinweg wurde ihnen von „Experten“ eingehämmert, dass sie aus Unwissenheit schreckliche Fehler begehen, dass sie mit Strenge dem Selbstbewusstsein des Kindes schaden, dass sie es durch Verhaltensverbote in seiner Kreativität und freien Entwicklung behindern oder dass sie mit Kritik Schreckliches anrichten, während Lob gar nicht genug erfolgen könne.
    So wie die Milch von allein sauer werde, so werde auch das Kind von allein zu einem liebenswürdigen, lebenstüchtigen Erwachsenen, schien die Devise der Experten, welche Eltern – ohne dies deutlich zu machen – zu einem Laissez faire Führungsstil veranlassten.
    Den Erfolg dieser Erosion der elterlichen Erziehung kennen wir ebenfalls. Der VBE macht ihn jetzt zum Thema mit seinem Ruf nach einer Erziehungsoffensive.
    Wie gesagt, meine Befürchtungen richten sich auf die sog. Fachleute, denen hier enorme Möglichkeiten zu weiteren Fehldiagnosen und falschen Rezepturen eröffnet werden. Akademische Grade sind da kein Schutz, wie Lehrer, Eltern und nicht zuletzt unzufriedene Kinder leidvoll erfahren haben. Im Gegenteil, sie scheinen zu besonders lebensfremden, waghalsigen Theorien anzuregen. Hauptsache, sie spielen den Erfindern in die Hände und Taschen.
    Am ehesten kann ich mir noch „begleitende Erziehungsmaßnahmen von Eltern für Eltern“ vorstellen. Und je länger ich darüber nachdenke, desto hoffnungsvoller bin ich, dass ein solches Konzept klappen und endlich echten Fortschritt statt eines illusionären bringen könnte.

  4. Ist es nicht gut, dass jemand die Frage der elterlichen Erziehung überhaupt mal anspricht?

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