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Wenn Volksmusik türkisch-bayerisch klingt

MÜNCHEN. An rund 300 bayerischen Schulen haben sich Jugendliche eineinhalb Jahre mit dem Begriff „Heimat auseinandergesetzt. 160 von Ihnen präsentierten jetzt beim Abschlusskonzert ein ungewöhnliches Programm, dass den Crossover von bayerischer und türkischer Volksmusik schafft.

Ein Jodler zwischen Lautenklängen, Jagdhorn neben Darbuka-Trommel – bayerisch-türkische Volkslieder sind an einigen Schulen im Freistaat ein neuer Renner im Musikunterricht. Rund 160 Schüler gaben im Innenhof des bayerischen Kultusministeriums unter Leitung des Volksmusik-Ensembles Unterbiberger Hofmusik eine Kostprobe völkerübergreifender Volksmusik.

Noten

160 Schülerinnen und Schüler zeigten in München, das bayerische und türkische Volksmusik sehr wohl zusammengehen, Foto: Brigitte Niedermeier / pixelio.de

«Das ist für mich Heimat im Sinne des 21. Jahrhunderts», sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). «Die einen sind hier daheim, und die zu uns gekommen sind, tragen ihre Heimat im Herzen mit.» Hier zeige sich, dass Interkulturalität und Leitkultur kein Widerspruch sein müsse.

Der Auftritt gehörte zu den Abschlussveranstaltungen für die Initiative zeit.raum@bayern. Schüler an rund 300 Schulen hatten sich eineinhalb Jahre lang mit dem Begriff Heimat auseinandergesetzt.

In einem anderen Projekt entwickelten Gymnasiasten gemeinsam mit Profi-Musikern Hörbilder zu Themen der NS-Verfolgung in München. In der Rhön befassten sich Schüler mit der Artenvielfalt im dortigen Biosphärenreservat. An einer Schule in Dachau, an der viele Schüler aus Europa, Asien, Afrika und Südamerika lernen, entwarfen Klassen neue Rezepte, und aus einer Schule in Kirchseeon bei Ebersberg stammt ein Perchtenquartett – ein Kartenspiel, das anstelle von König, Dame und Bube Perchten zeigt, archaische Gestalten, die nach altem Brauch den Winter austreiben.

Für den Volksmusik-Auftritt in München hat sich der 12-jährige Johannes aus Schwaben extra eine Lederhose geliehen. Zünftig sind viele Kinder und Lehrer in Tracht gekommen, die Mädchen tragen bunte Dirndl. Die türkischen Lieder machen Johannes und vielen seiner Schulkameraden mehr Spaß als die deutschen – sie sind fetziger. «Die deutschen Lieder sind langweilig, weil man sie schon kann», findet Johannes. «Die türkischen Lieder sind nicht einfach zu singen.» Ein Grund könnte neben der Sprache die unterschiedliche Taktgebung sein: Fünf-Achtel, Sieben-Achtel oder Neun-Achtel-Takt anstatt Drei-Viertel oder Vier-Viertel – das klingt für deutsche Ohren ungewohnt.

«Die türkische Musik, und vor allem die klassische türkische Musik ist schwierig, weil sie 500 verschiedene Tonleitern hat. Inzwischen kann ich vielleicht einmal drei unterscheiden, da gibt es noch viel zu arbeiten», sagt Franz Josef Himpsl von der Unterbiberger Hofmusik, zu der deren Kernbesetzung neben der Familie Himpsl der türkische Musiker Seref Dalyanoglu gehört. Das Ensemble hat in früheren Cross-over-Projekten Volksmusik mit Jazz und Blues vermischt und ist auch in der Türkei aufgetreten. «Ich sehe das als unsere Aufgabe, dass türkische Musik für unsere Ohren kompatibel gemacht wird», sagt Himpsl.

Schon jetzt ist oft kaum zu unterscheiden: Singen sie nun gerade auf Türkisch oder Bayerisch – denn in den Liedern wechselt die Sprache, und auch die Klänge mischen sich. Für Himpsl allerdings steht das Projekt erst am Anfang: «Die beiden Musikstile sind sich gerade ein bisschen begegnet. Das muss sich aber irgendwann so durchdringen, dass die Leute nicht mehr sagen können: Das ist türkisch oder bayerisch.» Schließlich seien die türkischen Mitbürger schon seit 50 Jahren im Lande – es sei somit höchste Zeit für eine gemeinsame Musik. Das gemeinsame Thema der meisten Lieder ist ohnehin seit Generationen längst kulturübergreifend: die Liebe. (Sabine Dobel, dpa)

Initiaitive zeit.raum@bayern

Ein Kommentar

  1. Schade, dass es keine Beispiel-Links gibt. Hätte ich gerne mal gehört. Auch Google hat mir auf die Schnelle nichts geliefert.

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