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Wissenschaftsrat: Bund und Länder müssen Hochschulen stärken

BERLIN. Die Herausforderungen an die Forschung wachsen. Internationale Wettbewerber holen auf. In den Staatskassen wird es enger. Wie kann das deutsche Wissenschaftssystem zukunftsfest gemacht werden?

Wie lassen sich Hochschulen und Universitäten dauerhaft ausreichend finanzieren? Fassade der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Wie lassen sich Hochschulen und Universitäten dauerhaft ausreichend finanzieren? Fassade der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Der Wissenschaftsrat hat Bund und Länder aufgefordert, die Hochschulen verstärkt zu fördern und die «problematische Situation in der Lehre» zu verbessern. «Wir haben einen höheren Handlungsdruck im Hochschulsektor gesehen als bei der außeruniversitären Forschung», sagte der Vorsitzende Prof. Wolfgang Marquardt zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems in Berlin. Bund und Länder sollten möglichst schon im nächsten Jahr einen milliardenschweren «Zukunftspakt» für die nächsten zehn Jahre schließen, empfahl das Beratungsgremium von Bund und Ländern. Die Vorschläge bekamen überwiegend Lob aus Politik und Wissenschaft.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) begrüßte die Empfehlungen. «Damit werden die Hochschulen als Herzstück des Wissenschaftssystems gestärkt», erklärte Wanka. Sie «sind ein zentraler Baustein, um unser Wissenschaftssystem zukunftsfest zu machen und weiter zu stärken, damit junge Menschen auch künftig in Deutschland eine exzellente Qualifizierung erhalten und Innovationen unser Land voran bringen».

Zustimmung kam auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie forderte Bund und Länder auf, den heutigen „Weckruf“ des Wissenschaftsrats nicht zu überhören. „Immer mehr Studienberechtigte strömen an die Hochschulen, immer komplexer werden die Zukunftsaufgaben, die in der Forschung zu bewältigen sind. Diesen Herausforderungen wird man mit immer neuen befristeten Bund-Länder-Programmen nicht gerecht – wir brauchen eine nachhaltige Finanzierung guter Forschung und Lehre in der Fläche und auf Dauer. Die GEW begrüßt daher die Empfehlung des Wissenschaftsrats, die Grundfinanzierung der Hochschulen auszubauen“, erklärte der Hochschulexperte der GEW, Andreas Keller.

Der Zukunftspakt soll die bestehenden Bund-Länder-Kooperationen – Hochschulpakt, Pakt für Forschung und Innovation sowie Exzellenzinitiative – ablösen. Sie laufen demnächst aus. Die Verhandlungen über den neuen Pakt sollten möglichst rasch nach der Bundestagswahl beginnen.

Die Finanzierung des Zukunftspakts erfordere «erhebliche Anstrengungen bei Bund und Ländern», betonte Marquardt. «Klar ist, dass wir mehr Mittel in das System hineinbringen müssen.» Die Hochschulen benötigten eine «verlässliche Erhöhung ihrer Grundfinanzierung». Hochschulen und Forschungsorganisationen sollten künftig einen jährlichen «Aufwuchs deutlich über der Inflationsrate» erhalten. Die Grundmittel der Hochschulen stagnieren seit Jahren, während die Forschungsorganisationen ein jährliches Plus von fünf Prozent verbuchen können. Zum Thema Studiengebühren sagte Marquardt, derzeit sei der falsche Zeitpunkt, darüber zu reden.

An Bund und Länder appellierte der Rat, noch mehr als bisher die gemeinsame Verantwortung für Forschung und Bildung wahrzunehmen. Beschränkungen durch das Grundgesetz müssten überwunden werden, so Marquardt. Angestrebt werde eine gemeinsame Finanzierung, «die auch in Richtung Grundfinanzierung der Hochschulen gehen könnte». Das Gremium, dem Vertreter aus Wissenschaft und Politik angehören, forderte angesichts von Schuldenbremse und härteren Verteilungskämpfen eine klare Prioritätensetzung für Wissenschaft.

Der Rat befürwortet mittelfristig mehr Studienanfängerplätze. Auch sei die Betreuung zu verbessern. Sie habe sich sogar verschlechtert: In 2011 betreute ein Professor 60 Studierende – 23 mehr als vor zehn Jahren. Die Studieneingangsphase müsse so gestaltet werden, dass die hohe Zahl der Studienabbrecher sinkt. Gefordert wird ein Ausbau der Fachhochschulen und dualer Studiengänge. Auch müsse die sehr hohe Befristungsquote bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern reduziert werden. Da demografiebedingt langfristig die Studierendenzahl abnehmen wird, sollen mehr ausländische Studierende gewonnen werden.

Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sollen stärker kooperieren und Verbünde bilden. Nachfolgeprogramme für die Förderung von Exzellenzclustern und Graduiertenschulen sollen unter dem Dach der Deutschen Forschungsgemeinschaft entstehen. Ein neuer Wettbewerb um «Zukunftskonzepte» könne in 10 bis 15 Jahren sinnvoll sein. Jede Hochschulen ist aufgefordert, sich ein Profil in Forschung oder Lehre zu schaffen. Eine neue von Bund und Ländern gemeinsam mit jährlich etwa einer Million Euro ausgestattete «Merian»-Professur soll die Profilbildung unterstützen. Zudem schlägt der Rat neue «Liebig-Zentren» zur Stärkung der Hochschul-Leitungsebene vor.

Die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) sieht in den Empfehlungen eine «sehr gute Plattform» für die kommenden Gespräche zwischen Bund und Ländern. Die Hochschulrektorenkonferenz erkennt «ein gelungenes Ensemble gut abgestimmter Maßnahmen». Der Bildungsexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, vermisst dagegen «Mut zur Erneuerung». dpa

 

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