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Chefs gesucht – Immer mehr Schulleiterstellen bleiben unbesetzt

MAGDEBURG. Führungskräfte fehlen nicht nur in der Wirtschaft – auch an Schulen im Land werden Chefs gesucht. Für Schulleiterstellen gibt es nicht immer Interessenten.

An zahlreichen Schulen beispielsweise in Sachsen-Anhalt wird wenige Wochen vor dem neuen Schuljahr noch nach Schulleitern gesucht. An den bislang 834 öffentlichen Schulen seien Ende des vergangenen Schuljahres 133 Schulleitungsfunktionen vakant gewesen, teilte das Ministerium von Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) mit. Rund jede sechste Schule im Land hatte damit keine reguläre Leitung. Die CDU forderte Anstrengungen, um die hohe Zahl unbesetzter Stellen abzuschmelzen, die Grünen sprachen von einer dramatischen Situation.

Schulleiterstellen sind wenig beliebt unter Lehrern. (Foto: Simon Brown/Flickr CC BY-SA 2.0)

Schulleiterstellen sind wenig beliebt unter Lehrern. (Foto: Simon Brown/Flickr CC BY-SA 2.0)

«Es gibt einige Ausschreibungen, für die es wenige oder keine Bewerbungen gibt», sagte Ministeriumssprecherin Karina Kunze. Die Gründe seien sehr unterschiedlich. Teils handele es sich um unattraktive Standorte, Probleme im Kollegium oder auch Streit unter Konkurrenten. Vielfach würden Bewerbungen auch erst dann eingereicht, wenn der Interessent keine Konkurrenz fürchten müsse. Unbesetzte Stellen gebe es aber auch, wenn Schulen ohnehin fusionieren oder schließen. Zum neuen Schuljahr fallen acht Schulen weg. Man hoffe zudem, bis zum Schuljahresbeginn einige der unbesetzten Stellen noch besetzen zu können.

Die Suche nach neuen Schulleitern ist ein Dauerproblem – und könnte noch an Schärfe dazugewinnen. Bis zum Jahr 2020 werden nach Berechnungen des Ministeriums etwa 280 Schulleiter ausscheiden, weil sie zum Beispiel in Rente gehen. Sofern die Schule nicht ohnehin wegen sinkender Schülerzahlen schließen muss, werden Nachfolger gesucht.

Das Kultusministerium versucht derzeit mit einem großen Angebot an Qualifizierungen, mehr Schulleiter zu gewinnen. Seit August 2008 seien rund 2000 Lehrkräfte auf eine Führungsaufgabe vorbereitet worden. Das Konzept der Führungskräfteentwicklung solle aber weiterentwickelt werden. «Über die dafür notwendigen Maßnahmen wird gegenwärtig im Kultusministerium beraten», sagte die Sprecherin.

Die CDU-Fraktion hat sich wegen der unbesetzten Stellen nach eigenen Angaben schon mehrfach an Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) gewandt. «Das Problem der vakanten Schulleiterstellen ist uns bekannt und wir haben es mehrfach mit der Hausspitze des Kultusministeriums kommuniziert. Uns wurde versichert, dass an diesen Problemen gearbeitet wird und die hohen Zahlen abgeschmolzen werden», sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hardy Güssau. «Durch die hohe Überalterung von Lehrkräften ist eine hohe Fluktuation von Lehrkräften in den Schulen zu verzeichnen.»

Die Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert sagte, vor einem Jahr habe das Kultusministerium noch von 64 unbesetzten Schulleiterstellen gesprochen. Schon damals habe eine dramatische Situation bestanden. «Eine Schule ohne Schulleitung ist kopflos», sagte Dalbert. Denn die Schulleiter seien nicht nur für organisatorische Fragen zuständig, sondern sollten auch das pädagogische Klima prägen.

Experten warnen bereits seit Jahren vor einem massiven Schulleitermangel in Deutschland. Da viele Lehrer 50 Jahre und älter seien, werde sich das Problem in den kommenden Jahren verschärfen, hatte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bereits 2011 beklagt. Ursachen seien unter anderem die schlechte Bezahlung der Schulleiter und die unzureichende Unterrichtsfreistellung der Schulleiter bei kleinen Schulen. Rochus Görgen/dpa

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