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Erfahrungen und Abwechslung – „soziales Jahr“ ist eine beliebte Station nach der Schule

KARLSRUHE. Kultur als Unterbrechung zwischen Schule und Studium: Der 21 Jahre alte Florian Däumler hat sein Freiwilliges Soziales Jahr im Museum abgeleistet. Solche Kulturstellen sind selten und sehr begehrt.

Nach der Schule direkt ins Studium – keine schöne Vorstellung für Florian Däumler. Der 21-Jährige wollte auf jeden Fall eine Unterbrechung, mal ins Arbeitsleben reinschnuppern. In diesen Tagen geht sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu Ende. Eine wertvolle Erfahrung, sagt er. «Ich werde jetzt wahrscheinlich fünf Jahre studieren. Hätte ich das FSJ nicht gemacht, wäre ich mit der Schulzeit zusammengerechnet 18 Jahre am Stück am Schreibtisch gesessen.»

Die Einsatzgebiete für den Freiwilligendienst sind vielfältig. Florian hat keine Behinderten betreut oder Kranke gepflegt, sondern war in Sachen Kultur unterwegs. Sein Arbeitsplatz: das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. Er hätte aber auch eine Stelle im klassischen sozialen Bereich genommen, erzählt er. «Ich wäre wahrscheinlich zum DRK gegangen. Hätte es da nicht geklappt, hätte ich wohl einfach gejobbt.»

Eine Autoausstellung im Medienmuseum sieht so aus - CarCulture im Jahr 2011. (Foto: ikar.us/Wikimedia CC BY 3.0 DE)

Eine Autoausstellung im ZKM sieht so aus – CarCulture im Jahr 2011. (Foto: ikar.us/Wikimedia CC BY 3.0 DE)

Im ZKM hatte seine Arbeit durchaus auch soziale Komponenten. So hat er ein Jahr lang eine Vorbereitungsklasse der Gutenbergschule in Karlsruhe betreut. Dort sollen Teenager mit ausländischen Wurzeln vor allem Deutsch lernen, damit sie in der Schule besser mitkommen. Gemeinsam mit ihnen hat Florian ein eigenes Trickfilmprojekt entwickelt. «Das war wegen der Sprachbarrieren nicht immer einfach, hat aber großen Spaß gemacht.» Die rund einminütigen Filme zeigen Orte in Karlsruhe, die den Teenagern in ihrer neuen Heimatstadt wichtig sind.

In den vergangenen Tagen hat Florian seinen Nachfolger angelernt. «Mein Favorit war von Anfang an das ZKM», sagt der 19-jährige Justin Humm. Er wird die vierte FSJ-Generation im Museum sein. Als der frischgebackene Abiturient die Zusage bekam, hat er ein weiteres Vorstellungsgespräch abgesagt.

Die Chance wollte er sich auf keinen Fall entgehen lassen, denn die Kulturstellen sind begehrt. Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg, die die Stellen zentral verwaltet, teilt jedem Anbieter zehn Bewerber zu. Das entspricht in etwa dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. So haben sich auf die 125 Kulturstellen im Südwesten mehr als 1200 Schulabgänger gemeldet.

Für Janine Burger, Leiterin der Museumskommunikation, war es eine schwierige Entscheidung. «Nach den Bewerbungsgesprächen war es zwischen drei Freiwilligen ganz eng. Jeder hat etwas mitgebracht, was für uns ganz toll war.» Für die Abgelehnten hält sie noch ein kleines Trostpflaster bereit. «Denen, die für uns infrage kämen, biete ich an, ein Praktikum bei uns zu machen.» In diesem Jahr ging es für einen der knapp Unterlegenen sogar nochgut aus. Er hat den neu geschaffenen Freiwilligen-Platz in der Presseabteilung erhalten. Die Stelle wurde nicht zuletzt wegen der guten FSJ-Erfahrungen eingerichtet.

In der Museumskommunikation, die vor allem pädagogische Aufgaben übernimmt, hat Justin demnächst nicht nur mit Teenagern zu tun. Er steht auch Referenten zur Seite, trägt die Verantwortung für den technischen Ablauf von Veranstaltungen. Diese Erfahrung wird ihm im Studium weiterhelfen, ist Burger überzeugt. «Die FSJler haben einen Riesenvorteil im Gegensatz zu den Kommilitonen, die direkt von der Schule kommen.»

Merkwürdig nur, dass die Freiwilligen aus dem ZKM die Kultur offenbar nicht zu ihrem Beruf machen wollen. Die Vorgänger Sven und Adrian studieren inzwischen Informatik, Florian hat sich für ein Wirtschaftsstudium eingetragen. Justin will später Kognitionswissenschaft studieren, eine Mischung aus Informatik, Medizin, Philosophie und Psychologie. Benjamin Honda/dpa

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