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Spendenaktion für arme Kinder- Kinderhilfswerk verteilt gebrauchte Ranzen

FRANKFURT. Wenn der vielzitierte Ernst des Lebens beginnt, müssen Eltern für ihre Kinder tief in die Tasche greifen. Für manche ist die Ausstattung zum Schulstart kaum erschwinglich. Doch es gibt Hilfe.

Ranzen, Turnbeutel, Stifte, Hefte: Wenn Kinder eingeschult werden, ist das für Familien ein teures Ereignis. Für manche sogar zu teuer. Das darf nicht sein, finden Hilfsorganisationen und statten bedürftige Kinder im In- und Ausland mit Schulmaterial aus. Seit gut zehn Jahren gibt es zum Beispiel ein bundesweites Projekt der Organisation «Gain» (Global Aid Network) mit Sitz im mittelhessischen Gießen, bei dem gebrauchte Ranzen verschenkt werden. Das Besondere: Nicht nur Erwachsene helfen, auch Kinder.

«Angesprochen sind vor allem Schüler der vierten Klasse, die ihre Ranzen vor dem Wechsel auf die höhere Schule abgeben wollen», sagt Projektreferentin Anne-Katrin Loßnitzer. Aber auch jüngere Schüler beteiligten sich und stifteten Schulmaterial, ältere organisierten Spendenaktionen.

Vor dem Verschenken werden die Ranzen mit Dingen gefüllt, die Schüler gut gebrauchen können. «Ein leerer Schulranzen alleine macht ein Kind noch nicht klüger. Es kommt auf den Inhalt an», sagt Loßnitzer. Also wandern Hefte, Stifte, Radiergummi, Spitzer, Malkasten oder Lineal hinein. Manchmal gehöre zur Ausstattung auch Seife, Zahnbürste, ein Kuscheltier oder Kleidung.

Seit 2003 gehen die Ranzen auf die Reise: nach Lettland, Togo, Armenien, Rumänien, in die Ukraine oder den Irak. Bislang seien 47 000 Stück verschenkt worden. Bedacht werden vor allem Erstklässler, aber auch ältere Geschwisterkinder. «Wichtiger als die Zahl ist mir die Vorstellung, dass so viele Kinder in Deutschland bereit sind, anderen Kindern zu helfen – und dass das 47 000 Mal für Freude bei ihren bedürftigen Mitschülern gesorgt hat», sagt Loßnitzer.

Auch in der Bundesrepublik können sich laut dem Deutschen Kinderhilfswerk viele Eltern den Schulstart nur schwer leisten. «Wir gehen davon aus, dass die Einschulung im Allgemeinen 227,90 Euro kostet», sagt Referentin Claudia Keul. Das sei für Hartz-IV-Empfänger kaum zu stemmen, trotz des staatlichen Zuschusses zum Schulbeginn. Für Geringverdiener seien die Kosten ebenfalls ein Problem. Nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes gelten bundesweit mehr als 2,5 Millionen Kinder als arm.

Das Kinderhilfswerk verteilt seit 2005 zusammen mit verschiedenen Partnern neue Schulranzen an Erstklässler in Deutschland. Gefüllt sind die Taschen mit Mäppchen, Sportbeutel oder Brotboxen. Seit dem Start der Aktion seien ungefähr 10 000 Ranzen verschenkt worden, in diesem Jahr bislang rund 2000 Stück, berichtet Keul.

Ähnliche Projekte gibt es zum Beispiel von der Caritas in Baden-Württemberg. In den Kreisen Rottweil und Tuttlingen werden nach Angaben einer Sprecherin seit 2008 Spenden gesammelt, um arme Erstklässler mit Ranzen und Schulmaterial auszustatten.

230 Euro kosten die Materialien zur Einschulung im Schnitt, sagen Experten. (Foto: Eva Freude/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

230 Euro kosten die Materialien zur Einschulung im Schnitt, sagen Experten. (Foto: Eva Freude/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Auch der Kinderschutzbund im mittelhessischen Marburg ist auf Spenden angewiesen. Ohne diese könne keine Aktion gestartet oder in Einzelfällen geholfen werden, sagt Mitarbeiterin Gudrun Siebke-Richter. Nach ihren Angaben bitten auch einzelne Eltern bei ihr um Hilfe. Einmal habe eine bedürftige Mutter nach einem besonders leichten – und damit teuren – Ranzen für ihr kleinwüchsiges Kind gefragt.

Derartige Aktionen brauchen Hilfe von Ehrenamtlichen wie Stirni Richter aus dem osthessischen Gelnhausen. Sie engagiert sich für das «Gain»-Projekt. Aktiv wurde Richter, als ihre dritte Tochter vor dem Ende der Grundschulzeit stand, wie sie erzählt. Das Mädchen spendete seinen Ranzen, die Eltern füllten ihn mit Heften und anderem Schulbedarf. Seither wirbt Richter an Grundschulen für die Aktion und sammelt die Spenden ein. Sie findet: «Es ist eine wahnsinnig wichtige Arbeit, weil unsere Kinder so lernen, über den Tellerrand zu schauen und wir den bedürftigen Kindern eine Starthilfe geben.» Carolin Eckenfels/dpa

Informationen des Kinderschutzbunds zum Thema hier

Ein Kommentar

  1. Wo kann ich zwei gebrauchte Schulranzen abgeben.
    Möglichst in Frankfurt/M.

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