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Thüringens GEW fordert 475 Reservelehrer gegen Unterrichtsausfall – ein Interview mit dem Landeschef

ERFURT. Um den Unterrichtsausfall an Thüringens Schulen einzudämmen, fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Reservelehrer, die bei Krankheiten von Kollegen einspringen. Nötig seien dafür 475 Lehrer und Erzieher, sagte GEW-Landeschef Torsten Wolf im Interview. Das Kultusministerium habe dies erkannt, nun sei das Finanzministerium am Zug. Am Montag (26. August) beginnt in Thüringen das neue Schuljahr.

News4teachers: Herr Wolf, immer wieder gibt es Klagen über Unterrichtsausfall an Thüringens Schulen. Ist da zum neuen Schuljahr Besserung in Sicht?

Antwort: Der Unterrichtsausfall ist abhängig von der Jahreszeit und der Schulart. An Grundschulen kompensieren oft Erzieherinnen solche Ausfälle. Dadurch liegt dort der Unterrichtsausfall bei unter zwei Prozent, während er sonst bei fünf bis zehn Prozent liegt. Wir haben mit dem Ministerium ein Personalentwicklungskonzept verhandelt und sagen: Um Unterrichtsausfall möglichst gering zu halten, brauchen wir eine Vertretungsreserve, wie das andere Länder auch schon haben.

News4teachers: Wie viele Stellen müssten dafür geschaffen werden?

Antwort: Mit dem Bildungsministerium haben wir uns verständigt, dass sie etwa vier Prozent ausmachen müsste. Das wären nach unseren Berechnungen 439 Vollzeitstellen für Lehrer und 36 Vollzeitstellen für Erzieher. Diese Stellen müssten zusätzlich geschaffen werden. Der Ball hierfür liegt nicht mehr im Bildungs-, sondern eindeutig im Finanzministerium. Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) hat die Notwendigkeit einer Vertretungsreserve anerkannt.

News4teachers: Ein weiteres Thema, das Lehrer, Schüler und Eltern beschäftigt, ist das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Schülern. Wie weit ist Thüringen hierbei gekommen?

Antwort: Bei der Inklusion ist momentan vieles im Umbruch. Wir haben im Unstrut-Hainich-Kreis, dem Kreis Sömmerda und in Jena die höchsten Integrationsquoten von 60 bis 70 Prozent, während sie in Südthüringen bei unter 10 Prozent liegen bei den selben Voraussetzungen. Ich sehe bei dem jüngst vorgelegte Entwicklungsplan für die Umsetzung von inklusiven Schulen noch Diskussionsbedarf.

News4teachers: Laut dem von Ihnen angesprochenen Personalentwicklungskonzept sind in den kommenden Jahren jährlich etwa 600 Neueinstellungen bei Lehrern nötig. Da ist das gemeinsame Lernen noch nicht inbegriffen?

Antwort: Es muss nicht bei jedem Kind mit Förderbedarf immer eine zusätzliche Kraft dauerhaft im Unterricht drin sein. Die Erfahrung zeigt aber, dass dies beim überwiegenden Teil der Kinder mit Förderbedarf notwendig ist. Das ist im Moment im Entwicklungsplan noch nicht abgebildet. Aus unserer Sicht müssen die Verhandlungen zum Personalentwicklungskonzept im Bereich des gemeinsamen Lernens vor der Landtagswahl 2014 und nicht erst 2015 abgeschlossen werden. In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung wurde errechnet, dass wir in Thüringen mindestens 670 Vollzeitstellen zusätzlich brauchen, um inklusive Schule möglich zu machen.

News4teachers: Und inwieweit sind die Lehrer auf solchen gemeinsamen Unterricht vorbereitet?

Antwort: Die Pädagogen vor Ort wünschen sich die Unterstützung von Förderschulpädagogen im gemeinsamen Unterricht. Vor allem im Bereich der Lehrerbildung sehen wir zudem große Lücken. Die Fragen stellte Andreas Hummel/dpa

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