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Ansporn Kitas: Braucht es Druck für mehr Ganztagsschulen?

BERLIN. Beim mühsamen Ausbau der Kita-Plätze für Kleinkinder erzeugte ein offizieller Rechtsanspruch Druck für mehr Investitionen. Ist das auch eine Methode, um den Ausbau begehrter Ganztagsschulen voranzubringen?

Es war ein Kraftakt. Gerade erst ist zum 1. August der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für ein- und zweijährige Kinder Realität geworden. Regierungsamtliche Bilanz nach jahrelangem Vorlauf und Milliarden-Unterstützung des Bundes: Es gibt «annähernd ausreichend Plätze», nämlich bundesweit 813 000. Nach den aufwendigen Verbesserungen für Kindergartenkinder richten Bildungsexperten den Blick auf die Schulen, damit es im Anschluss keine Brüche bei der Betreuung gibt. Der Ausbau von Ganztagsschulen, die immer mehr Eltern wollen, geht vielen zu langsam. Da wird im Wahlkampf der Ruf lauter, wie bei Kitas mit einem Rechtsanspruch den Handlungsdruck zu erhöhen.

Was diese beiden wohl von einem "Kita-Platz-Sharing" halten? Foto: ianus / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Nach der Ganztagskita eine Ganztagsschule zu finden, wird für diese beiden garnicht so leicht werden. Foto: ianus / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Wie groß die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot nach wie vor ist, zeigen neue Zahlen. Inzwischen gehen bundesweit 30,6 Prozent der Kinder – also rund 2,3 Millionen – auf Ganztagsschulen, wie eine am Sonntag veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung für das Schuljahr 2011/12 ergab. Ein solches Angebot für ihr Kind wünschen sich nach Befragungen aber 70 Prozent der Eltern. Dabei ist die Lage in der vielbeschworenen «Bildungsrepublik Deutschland» aber regional unterschiedlich und entspricht nicht einfach der häufigen Unterscheidung nach Ost und West. Beim Spitzenreiter Sachsen gehen 80 Prozent der Kinder ganztags zur Schule, in Bayern nur 11 Prozent.

Wie Wunsch und Wirklichkeit zusammenzubringen sind, wird nun auch zum Thema im Bundestagswahlkampf. «Das Geld, das in das sinnlose Betreuungsgeld gesteckt wird, fehlt dringend für den notwendigen Ausbau von Ganztagsangeboten in Kitas und Schulen», kritisiert SPD– Vize Manuela Schwesig, mit Blick auf die ebenfalls am 1. August in Kraft getretene Zahlung für daheim betreute Kinder. Auch die CDU zeigt Flagge für mehr Ganztagsschulen. Sie ermöglichten eine bessere Unterstützung von Kindern, die bei Klassenarbeitsvorbereitungen oder Hausaufgaben zu Hause «nicht in starker Weise unterstützt werden können», argumentiert Generalsekretär Hermann Gröhe.

Dass der Ausbau von Ganztagsschulen Tempo aufnehmen soll, betonen alle. Fragt sich nur wie. «Ein Rechtsanspruch ist der entscheidende Hebel für eine staatliche Investitionsoffensive», rät der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Eine solche demonstrative Verpflichtung fordert nicht nur die SPD, sondern etwa auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. CDU-Bundesvize Thomas Strobl spricht sich ebenfalls dafür aus. Es sei «grotesk, dass wir derzeit bei der Betreuung der unter Sechsjährigen aufs Gaspedal drücken, aber bei der Nachmittagsbetreuung der Schulkinder stehen wir auf der Bremse». Die FDP warnt dagegen vor einer einheitlichen «Ganztagskäseglocke».

Um größeren Schub aufzubauen, ist auch eine erneute Unterstützung des Bundes im Gespräch. Dabei ist Bildung Sache der Länder, und eine Kooperation beider Ebenen wurde bei der Föderalismusreform sogar noch erschwert. SPD-Sozialexpertin Schwesig kündigt dennoch ein Ganztagsprogramm des Bundes für den Fall eines Wahlsiegs an und moniert: Schwarz-Gelb habe den weiteren Ausbau nach einem Milliardenimpuls der rot-grünen Vorgängerregierung «verschlafen».

Neben mehr Geld dürfte aus Expertensicht aber auch gezieltere Steuerung sinnvoll sein. Die vier Milliarden Euro aus einem 2003 von SPD-Kanzler Gerhard Schröder aufgelegten Förderprogramm hätten die Länder vorrangig in offene Ganztagsschulen investiert, analysiert die Bertelsmann Stiftung. Unterricht konzentriere sich dort aber auf den Vormittag, während es nachmittags freiwillige Betreuung gebe. «Das mag berufstätigen Eltern entgegenkommen, dem Lernerfolg hilft das weniger.» In Ganztagsschulen mit festem Nachmittagsangebot könnten sich Konzentrations- und Entspannungsphasen viel besser abwechseln. Laut Bertelsmann Stiftung würde ein flächendeckender Ausbau solcher Schulen jährlich mehr als neun Milliarden Euro kosten. Jörg Dräger/dpa

2 Kommentare

  1. Warum wird hier ständig die Bertelsmann-Stiftung zitiert? Die haben ihre eigene Agenda und nicht unbedingt das Wohl der Schule im Sinn.

  2. @Reinhard
    Ihrer Beurteilung der Bertelsmann-“Studien” stimme ich hundertprozentig zu. Leider hat diese Stiftung mit ihren Pseudo- bzw. Gefälligkeitsgutachten großen Einfluss im Lande, nicht zuletzt Dank der enormen Bertelsmann-Medienmacht.
    http://www.lehrerverband.de/aktuell_Dossier_Bertelsmannstudien_Dez_12.html:

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