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Interview: „Islamischer Religionsunterricht ist wichtig für das Zusammenleben“

FRANKFURT/MAIN. Nach langer Vorbereitungszeit steht für mehr als 400 Erstklässler in  Hessen islamischer Religionsunterricht auf dem Stundenplan. Auch die Lehrer können dabei noch etwas lernen.

Der islamische Religionsunterricht steht seit Beginn des neuen Schuljahres an 27 hessischen Grundschulen auf dem Stundenplan. Der 31 Jahre alte Timur Kumlu gehört zu den ersten Lehrern, die das Fach unterrichten. An einer Grundschule in Frankfurt bringt er Erstklässlern die Welt des Islam nahe. Die nötigen Grundlagen dafür bekommt der ausgebildete Lehrer bei einer Fortbildung der Uni Gießen, die derzeit 19 Lehrer absolvieren. Im Interview berichtet Kumlu von seinen ersten Erfahrungen.

Muslime - hier betende Muslime in der Al-Jazzar Moschee in Israel- sollen in Hamburg mit Christen gleichgestellt werden. (Foto: David Ortmann/Flickr CC BY-NC 2.0)

Muslime – hier betende Muslime in der Al-Jazzar Moschee in Israel- können jetzt auch in Hessens Schulen unterrichtet werden. (Foto: David Ortmann/Flickr CC BY-NC 2.0)

News4teachers.de: Sie haben jetzt Ihre ersten Islam-Stunden hinter sich. Womit hätten Sie nicht gerechnet?

Antwort: Wie unterschiedlich das Wissen der Schüler über den Islam ist. Einige kennen schon Suren aus dem Koran, andere hatten noch keine Berührung mit der Religion. Aber den Begriff Allah kennen die meisten.

News4teachers.de: Was steht derzeit auf dem Stundenplan?

Antwort: Ich unterrichte ja Erstklässler, die erst noch Lesen und Schreiben lernen müssen. Bilder stehen daher im Vordergrund oder Geschichten. Inhaltlich besprechen wir, was Muslime miteinander verbindet. Wir kommen ja alle aus anderen Regionen, sehen ein bisschen anders aus und daher geht es um die Frage, was wir gemeinsam haben. Außerdem sprechen wir über das gute Verhalten und den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.

News4teachers.de: Sie haben sich extra gemeldet, um das neue Fach zu unterrichten. Warum?

Antwort: Das hatte religiöse und politische Gründe. Ich bin Moslem und wollte mich mit meinem Glauben wissenschaftlich auseinandersetzen. Das tue ich mit dem Weiterbildungsstudium an der Uni Gießen. Und ich trete dafür ein, dass alle Kinder in diesem Land gleichberechtigt behandelt werden. Auch muslimische Kinder haben ein Recht auf Religionsunterricht. Der islamische Religionsunterricht hat für mich zudem eine gesellschaftliche Bedeutung, er ist wichtig für das Zusammenleben. Er hilft, von gegenseitigen Vorurteilen wegzukommen.

News4teachers.de: Sehen Sie das neue Schulfach in Hessen auf einem guten Weg?

Antwort: Es braucht Zeit zum Wachsen. Noch haben wir nicht genug Personal, weil derzeit ja nur 19 Lehrer unterrichten können. Die künftigen Islam-Lehrer werden noch an den Universitäten ausgebildet. Wir bauen das Fach in Hessen auf, das dauert etwas, aber das ist nötig, denn es soll auf gesunden Füßen stehen. Carolin Eckenfels/dpa

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