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Missbrauch an der Odenwaldschule: WDR dreht Spielfilm mit Ulrich Tukur

Hier geht es zur aktuellen Kritik zum Film.

HEPPENHEIM. Über den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule dreht der WDR einen Spielfilm. «Die Auserwählten» mit Ulrich Tukur und Julia Jentsch in den Hauptrollen will die ARD voraussichtlich 2014 zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr zeigen. «Der Film kann ein breites Publikum emotional erreichen», sagte die Leiterin der WDR-Programmgruppe Fernsehfilm und Kino, Barbara Buhl. «Er soll auch vor allem junge Leute ansprechen.»

Ulrich Tukur spielt den Schulleiter Gerold Becker, der systematisch Kinder missbraucht haben soll. Foto: Barbara Mürdter / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Ulrich Tukur spielt den Schulleiter Gerold Becker, der systematisch Kinder missbraucht haben soll. Foto: Barbara Mürdter / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Gedreht wird voraussichtlich noch bis 13. September. Die Odenwaldschule in Heppenheim unterstützt das Projekt. «Wir stehen zu diesem Teil unserer Geschichte», sagte der Vorsitzende des Schulvereins, Gerhard Herbert. «Aber die heutige Odenwaldschule ist eine ganz andere als die damalige.» Gedreht wurde auch im Internat, allerdings nur in den Ferien, damit nicht gestört wird.

Tukur («Rommel», «Stauffenberg») spielt den mittlerweile verstorbenen Schulleiter Gerold Becker, der sich des Missbrauchs schuldig macht. Eine Biologielehrerin mit Namen Petra Grust wird von Jentsch («Sophie Scholl – Die letzten Tage», «Effi Briest») gespielt.

Die Odenwaldschule selbst räumt ein, früher mit ihrer Art des Miteinanders sexuellen Missbrauch begünstigt zu haben. Tätern sei es leicht gewesen, ihre Übergriffe zu verheimlichen. Die Schule sieht Fehler mittlerweile korrigiert. So sei nicht mehr ein Lehrer allein für eine Wohngruppe verantwortlich, ein einzelner Lehrer könne sich auch nicht mehr die Schüler seiner Wohngruppe aussuchen. Außerdem gebe es heute zwei von der Schule unabhängige Ombudspersonen, die von den Schülern angesprochen werden könnten.

Die sexuellen Übergriffe von Lehrern an Schülern liegen schon Jahrzehnte zurück und sind juristisch verjährt. Sie kamen im März 2010 erneut an die Öffentlichkeit, nachdem sie bei ersten Berichten Jahre zuvor nicht weiter verfolgt worden waren. Diesmal erschütterten die Übergriffe das Elite-Internat, das für Reformpädagogik steht. Es gab zahlreiche Wechsel im Vorstand, Reformer warfen wieder hin. Bis heute gibt es Streit um die Zahl der Opfer – zwei Sonderermittlerinnen zählten 132, Betroffenenvertreter gehen von einer wesentlich höheren Zahl aus – sowie um Entschädigungen. Mehrere Hunderttausend Euro sollen gezahlt worden sein; trotzdem zeigen sich Opfer bitter enttäuscht. Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, befand: «Die Aufklärung und Aufarbeitung der Odenwaldschule ist quälend lang.» News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: „Odenwaldschule wechselt komplette Spitze aus: Internatschef geht“

 

Ein Kommentar

  1. Muss man dazu wirklich noch einen Film drehen? Der dann Szenen des Missbrauchs zeigt? Ist das Ganze nicht schon „Schande“ genug und zur Genüge in den Medien gewesen? Muss denn mit allem Geld verdient werden?

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