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Philologenverband: Jeder 20. Fünftklässler am Gymnasium mit G8 überfordert

STUTTGART. Gymnasien in Baden-Württemberg schlagen Alarm. Es gibt offenbar einen hohen Anteil an überforderten Kindern in ihren fünften Klassen. Dies berichtet der Philologenverband nach einer Umfrage an 221 Schulen.

Danach kämpfen fast fünf Prozent der zu Beginn des Schuljahres 2012/2013 in den fünften Klassen aufgenommenen Schülerinnen und Schüler mit Problemen – hochgerechnet seien dies landesweit rund 2.000 Kinder.

In einer Mitteilung des Verbandes heißt es: „Zum Ende des Schuljahres 2012/2013 meldete das Kultusministerium einen deutlichen Anstieg der Nichtversetzungen im ersten Schuljahr nach dem Ende der verbindlichen Grundschulempfehlung. Etwa 1.300 (3,9 Prozent) der 34.000 Realschüler und rund 500 (1,3 Prozent) der 38.500 Fünftklässler an den Gymnasien müssen die Klasse wiederholen. Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) ist besorgt über diesen Anstieg der Sitzenbleiberquote – bei den Gymnasien um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, immerhin rund 300 Kinder mehr, die die 5. Klasse am Gymnasium wiederholen müssen.

Der PhV BW weist außerdem darauf hin, dass das Kultusministerium (KM) bei seiner Umfrage zum Ende des Schuljahres die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die nur mit einer Realschulempfehlung versetzt wurden, nicht berücksichtigt hat. Ebenso wenig erhoben hatte das KM, wie viele Schüler bereits im Laufe des Schuljahres das Gymnasium wieder verlassen mussten. Diese Zahlen können jetzt aufgrund der Rückmeldungen von 221 Gymnasien des Landes an die PhV-Landesgeschäftsstelle nachgereicht werden: Zusätzlich zu den 1,3 Prozent vom Kultusministerium bestätigten Wiederholern sind 2,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres mit einer Realschulempfehlung nach Klasse 6 versetzt worden. Weitere 1,3 Prozent mussten das Gymnasium im Laufe des Schuljahres wieder verlassen.

Die Erklärung für diese Entwicklung liegt offensichtlich größtenteils in der Abschaffung der Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung. An den Gymnasien hatten zehn Prozent der rund 38.500 Fünftklässler eine Empfehlung für die Realschule, ein Prozent eine Empfehlung für die Haupt-/Werkrealschule. Mit dem Beginn der zweiten Fremdsprache in der sechsten Klasse wird jetzt die Situation für die überforderten Kinder gewiss nicht einfacher.

Der PhV BW ist empört darüber, dass in dieser Situation die grün-rote Landesregierung und das Kultusministerium durch Stellenabbau, durch Kürzungen bei den Anrechnungsstunden und Streichung der Stunden für die Hausaufgabenbetreuung die Möglichkeiten der individuellen Förderung von Kindern speziell an den Gymnasien weiter einschränkt. Der PhV BW fordert Kultusminister Andreas Stoch auf, sich gezielt öffentlich und koalitionsintern gegen den geplanten Stellenabbau an den Schulen des Landes einzusetzen.“

Zum Bericht: „Philologenverbands-Chef sieht G8 als Fehler“

 

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