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Reform der Lehrerbildung: Baden-Württembergs Ministerin Bauer will Sonderpädagogik erhalten

STUTTGART. In Baden-Württemberg setzt sich die Expertenkommission zur Reform der Lehrerbildung in wesentlichen Punkten nicht durch. Insbesondere die Sonderpädagogik soll erhalten bleiben, meint Wissenschaftsministerin Bauer. Widerspruch kommt von den Eltern.

Der Studiengang Sonderpädagogik darf aus Sicht von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) im Zuge der Reform der Lehrerausbildung nicht zerschlagen werden. «Diese bundesweit einzigartige Expertise in Baden-Württemberg ist uns viel wert», sagte Bauer in Stuttgart. «Wir wollen vielmehr das sonderpädagogische Rüstzeug aller künftigen Lehrkräfte verbessern.»

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Ministerin Bauer folgt nicht den Empfehlungen der Experten (Foto: Kabinett Kretschmann/Wikimedia CC BY-SA 2.0)

Damit lehnt sie den Vorschlag der von ihr und Kultusminister Andreas Stoch (SPD) eingesetzten Kommission zur Reform der Lehrerbildung ab, die Sonderpädagogik abzuschaffen. Doch wie von den Experten angeregt, sollten im Zuge der vermehrten Teilnahme behinderter Schüler am Regelunterricht (Inklusion) allen angehenden Lehrern sonderpädagogische Grundkenntnisse vermittelt werden, sagte die Grüne. Damit liegt sie auf einer Linie mit den Regierungsfraktionen.

Kritik kam von der Elterninitiative «Gemeinsam leben – gemeinsam lernen». Sie setzt sich für ein Ende der Sonderpädagogik als eigener Studiengang ein. «Wir brauchen keine Sonder-Lehrer mehr, weil wir im Sinne der Inklusion auch keine Sonder-Kinder mehr haben wollen», sagte Sprecherin Kirsten Ehrhardt.

Der Einsatz von Sonderpädagogen habe ein Kästendenken zur Folge, bei dem Sonderpädagogen sich nur für bestimmte Kinder verantwortlich fühlten. «Die anderen Lehrer der allgemeinen Schulen werden sich darauf ausruhen, dass es ja die Spezialisten gibt», monierte die zweifache Mutter. Die Inklusion sei aber Aufgabe aller Lehrer.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßt dagegen ausdrücklich die Aussage von Wissenschaftsministerin Bauer, dass das Sonder­schulwesen nicht zerschlagen werden dürfe.Der VBE hält eigenständige Sonderschulen auch nach der UN-Konvention weiterhin für erforderlich, solange schon allein aufgrund der schlechteren räumlichen, sächli­chen und personellen Ausstattung der Regelschulen nicht alle Kinder dort optimal ge­fördert werden können und in viel zu großen Klassen „untergehen“ würden.

Nach Bauers Worten hat das Expertengremium wertvolle Impulse für eine innovative Lehrerbildung gegeben, auch wenn nicht alle Anregungen aufgegriffen werden. Das Angebot werde sich von dem anderer Länder absetzen, weil einzig Baden-Württemberg die Pädagogischen Hochschulen (PH) erhalten habe. Das Kabinett soll die Eckpunkte der Reform in diesem Jahr beschließen.

Die von den Fachleuten vorgeschlagene Umstellung des Lehramtsstudiums auf die international gängigen Abschlüsse Bachelor und Master werde übernommen, prognostizierte die Ministerin. Ein Vorteil sei, dass sich Absolventen des berufsqualifizierenden Bachelor-Abschlusses noch einmal bewusst für den Lehrerberuf entscheiden oder eine andere Karriere einschlagen können.

Außerdem solle die Ausbildung von Pädagogen für die Sekundarstufe I (5. bis 10. Klasse) von acht auf zehn Semester verlängert werden. Eine längere Ausbildung von Grundschullehrern wäre laut Bauer ebenfalls sinnvoll. Dies werde unter Haushaltsgesichtspunkten geprüft.

Eine Absage erteilt Bauer auch dem Rat einer einheitlichen Ausbildung für Lehrer weiterführender Schulen, der insbesondere bei Gymnasiallehrern die Angst vor dem «Einheitslehrer» ausgelöst hatte. Aus Sicht der zweifachen Mutter ist es sinnvoll, Lehrer entsprechend den Bedürfnissen verschiedener Altersgruppen der Schüler auszubilden. «Es ist ein Unterschied, ob ein Lehrer mit 12-, 13-Jährigen in der Pubertät oder mit erwachsenen Oberstufenschülern zu tun hat.» Julia Giertz/dpa

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