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Regierungsparteien im Südwesten bekräftigen Einigkeit bei umstrittener Lehrerausbildungsreform

STUTTGART. Künftig soll außer bei Grund- und Förderschullehrern nicht mehr nach Schulart unterschieden werden. Die Opposition wittert darin die Zerschlagung der Gymnasien und fürchtet um das „Spitzenniveau“ Baden-Württembergs.

Die grün-rote Landesregierung will die Lehrerausbildung in Baden-Württemberg reformieren. «Wir verabschieden uns von der Ausbildung für bestimmte Schularten», sagte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel am Freitag in Stuttgart. Es bleibe aber bei einer eigenständigen Ausbildung von Grundschullehrern und Sonderschulpädagogen. Daneben werde es eine Lehrbefähigung für die Sekundarstufe I (5. bis 10. Klasse) und eine Lehrbefähigung für die Sekundarstufe I und II geben (einschließlich gymnasialer Oberstufe).

Die Baden-Württembergische Opposition sieht in der geplanten Reform der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg einen Angriff auf das Gymnasium. Foto: Foto: swanksalot / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Die Baden-Württembergische Opposition sieht in der geplanten Reform der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg einen Angriff auf das Gymnasium. Foto: Foto: swanksalot / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Diese Lehrer studierten künftig zehn Semester lang – sechs bis zum Bachelor-Abschluss und vier weitere bis zum Master-Abschluss. Wer in der Oberstufe unterrichten wolle, mache dann seinen Bachelor an der Universität – nach denselben Anforderungen wie jeder andere Bachelor-Student auch. Damit hätten die Studenten nach dem Bachelor noch die Freiheit zu entscheiden, ob sie tatsächlich Lehrer werden oder nicht vielleicht doch einen Fachmaster ablegen wollten.

Die Anwärter für die Lehramtsbefähigung für die Sekundarstufe I sollen ihren Bachelor an Pädagogischen Hochschulen machen. Mit dem Abschluss sollen sie nicht nur – wie bisher – an Realschulen, sondern auch in der Sekundarstufe I eines Gymnasiums unterrichten können. Bislang werden Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg getrennt ausgebildet – und zwar als einzige an den Universitäten. Die anderen Lehramtsanwärter gehen bislang auf die Pädagogischen Hochschulen.

Uneinigkeit gibt es zwischen SPD und Grünen noch bei der Ausbildungszeit für Grundschullehrer. Während die SPD hier acht Semester für ausreichend hält, streben die Grünen zehn Semester an. Grünen-Fraktionschefin Edith Sitzmann sagte, sechs Semester bis zum Bachelor und vier Semester bis zum Master hielten die Grünen für alle Ausbildungsgänge für angemessen. «Wir finden das auch für die Grundschullehrer erstrebenswert. Aber wir werden weiter verhandeln.»

CDU-Bildungsexperte Georg Wacker monierte, damit werde es künftig kein eigenständiges Lehramt für Gymnasien mehr geben. «Das ist eine klare Ansage zur Zerschlagung des bei Grünen und SPD ungeliebten Gymnasiums.» Auch FDP-Landeschefin Birgit Homburger warf SPD und Grünen vor, einen großen Schritt in Richtung Einheitslehrer gehen zu wollen, indem die Ausbildung für Gymnasiallehrer in die Ausbildung für die Sekundarstufe I und II integriert werde. «Wer unser Land auf Spitzenniveau halten will, braucht das Gymnasium und damit eine eigenständige Ausbildung für Gymnasiallehrer.»

Unterdessen räumte Sitzmann einem von Handwerk und Arbeitgebern geforderten «Schulfrieden» im Land wenig Chancen ein. «Grundsätzlich halte ich einen Frieden in dieser bildungspolitischen Debattenlage für ein erstrebenswertes Ziel. Im Moment haben wir das Gegenteil.» Die Kampagnen der Opposition stifteten Unfrieden. Wenn die CDU sich aber auf bestimmte Dinge wie die Gemeinschaftsschule nicht einlasse, gebe es auch keine gemeinsame Gesprächsbasis.

zum Bericht: Master für Lehramtsstudenten kommt – nicht aber der “Einheitslehrer”

zum Bericht: Schleswig-Holstein stellt neue Lehrerausbildung vor – Opposition kritisiert “Einheitslehrer”

3 Kommentare

  1. Na da bin ich gespannt wie das enden wird. Sehr häufig ist es auch für den Unterricht in Sekundarstufe I hilfreich, wenn man in Sekundarstufe II schon unterrichtet hat. Diese Erfahrung fehlt den Lehrern dann. Warum müssen nicht alle auf Sekundarstufe II – Niveau studieren? Das würde dann allen Schülerinnen und Schülern nützen. Denn es gilt ja immer noch: Je besser die fachliche Ausbildung, desto besser und vielschichtiger kann ein Lehrer unterrichten (Laut internationaler Studie, in der deutschlands Gymnasiallehrer vorderste Ränge belegen).

  2. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Lehrer (außer Grundschule und Förderschulen) sollten befähigt sein, an allen weiterführenden Schulen arbeiten zu können.

  3. Man muss ja nicht in BW studieren …

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