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Religiöse Schulverweigerer: Jugendamt trennt vier Kinder von Eltern

DARMSTADT. Manchmal sind Eltern aus religiösen Gründen der Meinung, ihre Kinder seien in der Schule fehl am Platz – und wollen sie deshalb lieber selbst unterrichten. Das geht laut Gesetz aber nicht. In Südhessen griff jetzt ein Jugendamt ein.

Logo der  Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter.Illustration: Wikimedia Commons / (CC BY-SA 3.0

Logo der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter.Illustration: Wikimedia Commons / (CC BY-SA 3.0

Boykott aus Glaubensgründen: Weil ihre streng religiösen Eltern sie nicht in die Schule schickten, sind vier Kinder in Südhessen zu Hause abgeholt worden. Den Eltern wurde per Gerichtsbeschluss das Sorgerecht entzogen, wie der Leiter der Jugendhilfe des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Klaus Behnis, am Dienstag sagte. Jetzt kümmere sich das Jugendamt um die 8- bis 14-Jährigen. Die Kinder befänden sich in einer Jugendeinrichtung. «Die Eltern sind grundsätzliche Gegner der öffentlichen Beschulung», sagte Behnis. Das habe einen religiös-weltanschaulichen Hintergrund. Sie hätten die Kinder selbst unterrichten wollen.

«Wir haben den Erziehungsauftrag des Staates umgesetzt», sagte ein Sprecher des Landkreises. Der Fall soll im September vor einem Familiengericht in Darmstadt noch einmal zur Sprache kommen. Der Termin ist laut Gericht nicht öffentlich.

Die Kinder waren in der vergangenen Woche in einem Wohnort im Landkreis Darmstadt-Dieburg abgeholt worden. Mit dabei war auch die Polizei. «Das lief alles geordnet ab», sagte ein Sprecher.

Die Familie aus Südhessen ist kein Einzelfall. Schulverweigerer sind in der Regel bereit, alle juristischen Möglichkeiten zu nutzen. Einer der jüngsten Fälle ereignete sich in Nordhessen. Im Mai 2013 wurde ein streng gläubiges Ehepaar vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Geldstrafe von insgesamt 700 Euro verurteilt. Es hatte drei seiner Kinder zu Hause unterrichtet. Das Paar hatte vor, so weiterzumachen. dpa

Zum Bericht: “Urteil: Sexualkunde ist für alle Pflicht – auch für Baptisten”

 

2 Kommentare

  1. Nun haben die Kinder die Möglichkeit, sich über die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden zu ihrem festen Glauben zu bekennen. Oder ist der Glaube nicht stark genug, dass eine Familie solche Angst vor dem Schulbesuch der Kinder hat? Zumal es in der Gegend streng religiöse freikirchliche Schulen gibt. – Sehr schön, dass der Staat hier durchgegriffen hat. Dieses 24/7 Kontrollieren der Eltern hatte ja schon was von Kindesmisshandlung. Ach sagte ich es schon: ich bin ein erklärter Gegner von Homeschooling.

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