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Streit um Sitzenbleiberquoten im Südwesten

STUTTGART. Noch vor dem Ende der Ferien kocht in Baden-Württemberg der Streit um die Schulpolitik hoch. CDU-Politiker monieren das „chaotische Bildungssystem“. DAS Kultusministerium weist die Kritik zurück.

Weil immer mehr Schüler sitzenbleiben, seit die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft wurde, hat die CDU von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) verlangt gegenzusteuern. Die Bevölkerung sei hochgradig verunsichert über das «chaotische Bildungssystem», das die grün-rote Landesregierung eingeführt habe, sagte CDU-Fraktionschef Peter Hauk am Freitag in Stuttgart. Er forderte unter anderem ein Förderprogramm für Grundschüler beim Übergang zu Realschule und Gymnasium. Außerdem solle eine systematische Beratung der Eltern über den Leistungsstand ihrer Kinder von der ersten Grundschulklasse an erfolgen.

Ein Sprecher des Kultusministeriums wies die Kritik der CDU zurück. Schulen und Lehrer seien seit längerem dabei, sich auf die Herausforderung einzustellen und Konzepte zur individuellen Förderung zu entwickeln. Schon im vergangenen Jahr sei die Förderung ausgebaut worden. Das werde auch fortgesetzt.

An den Realschulen hatte sich der Anteil der Sitzenbleiber von 0,7 Prozent im Jahr 2011 auf aktuell 3,9 Prozent erhöht. An den Gymnasien stieg er von 0,4 auf 1,3 Prozent. Im zu Ende gegangenen Schuljahr hatten erstmals auch Schüler mit Real- und Haupt-/Werkrealschulempfehlung das Gymnasium besuchen können.

Stochs Sprecher sagte, dass Beratungskonzept nach der Änderung bei der Grundschulempfehlung sei verbessert worden. Es erfolge nun eine durchgängige Beratung ab dem ersten Schuljahr sowie auf Wunsch ein zusätzliches Angebot durch speziell geschulte Lehrer. Der FDP-Politiker Timm Kern kritisierte erneut, Grün-Rot handele bei der Bildungspolitik ohne die verantwortungsbewusste Sorgfalt.

Der SPD-Politiker Stefan Fulst-Blei warf der CDU vor, keine eigenen Konzepte vorzulegen. Statt die zentralen bildungspolitischen Herausforderungen offensiv anzunehmen, trauere sie dem dreigliedrigen Schulsystem und der verbindlichen Grundschulempfehlung hinterher.

Die CDU-Fraktion übte erneut Kritik an der Gemeinschaftsschule. Der bildungspolitische Sprecher Georg Wacker monierte, dass es an Gemeinschaftsschulen Probleme bei den Fremdsprachen gebe. An mindestens 8 der 42 Gemeinschaftsschulen werde erst gar keine zweite Fremdsprache angeboten. Latein gebe es gar nicht im Angebot.

In der Gemeinschaftsschule werden Schüler mit der Grundschulempfehlung für das Gymnasium, für die Realschule und für die Haupt- und Werkrealschule in einem Klassenverband unterrichtet werden. Individuelle Förderung wird groß geschrieben. Jedem Schüler steht dort nach dem Willen von Grün-Rot der Weg zum Abitur offen. Die Grünen-Politikerin Sandra Boser betonte: «Gute Bildung braucht individuelle Förderung und eine tragfähige Schulentwicklungsplanung, beides leistet Grün-Rot und gleicht damit CDU-Versäumnisse aus.» (Oliver Schmale, dpa)

Zum Bericht: Stoch muss aus weniger mehr machen, meint aber: Ich kann nicht zaubern

Ein Kommentar

  1. Wie wär’s denn mit einer weiteren Niveausenkung? Natürlich darf niemand mehr sitzenbleiben. Ich plädiere auch für noch mehr „individuelle Förderung“, dem Zauberwort mit der unheimlichen Zauberkraft für erfolgreiches Lernen.

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