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Trotz Berufsorientierung – viele Schüler stehen ratlos vor der Arbeitswelt

HAMBURG. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) stellt fest, dass immer noch viele Jugendliche „ratlos“ der Berufswelt gegenüber stünden – trotz vielfältiger Bemühungen auch der Schulen, Orientierung zu bieten. In Hamburg beispielsweise schaffen nur 38 Prozent der Abgänger von Haupt- und Realschulen direkt den Sprung in eine Lehrstelle.

Sieht Besserungsbedarf in Sachen Berufsorientierung: Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

Sieht Besserungsbedarf in Sachen Berufsorientierung: Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Foto: SPD Hamburg / flickr (CC BY-SA 2.0)

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat an die Wirtschaft appelliert, auch vermeintlich ungeeigneten Schülern eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu geben. Die Firmen sollten überprüfen, ob die Anforderungen nicht an die Auszubildenden angepasst werden könnten, sagte der Senator bei der Präsentation des Ausbildungsreports 2013. «Wir haben Anlass zu glauben: Da geht noch was.» Rabe verwies dabei etwa auf Praktikanten, die sich während ihrer Arbeit in den Unternehmen so gut angestellt hätten, dass sie trotz schlechter Noten übernommen worden seien. So sagten Betriebe durchaus: «Mit dem Zeugnis hätte ich den nie genommen, aber so wie sich dieser junge Mensch hier im Praktikum präsentiert, sieht die Sache ganz anders aus.»

Gleichwohl nahm Rabe auch die Jugendlichen ins Gebet. «Wir müssen ganz nüchtern feststellen, dass viele sich unzureichend orientieren über das, was nach der Schule kommt.» Im vergangenen Jahr sei nur ein Viertel der Jugendlichen mit einem Haupt- oder Realschulabschluss direkt nach der Schule in eine Ausbildung gewechselt. Dieser Wert sei zwar inzwischen dank zahlreicher Bemühungen auf 38 Prozent gestiegen. Dennoch stünden immer noch viele nach der Schule «ein bisschen ratlos vor dieser neuen Berufswelt und ihren Aufgaben». Dass es etwas besser geworden sei, führte Rabe unter anderem auf die Jugendberufsagenturen zurück, die alle Hilfsangebote unter einem Dach anböten.

Laut dem 5. Hamburger Ausbildungsreport lag die Zahl der Ausbildungsplätze 2012/13 trotz eines Rückgangs um 1,5 Prozent mit gut 14 000 auf einem sehr hohen Niveau. Ungewöhnlich sei, dass viele Auszubildende – rund 38 Prozent – das Abitur hätten. Das sei bundesweit mit Abstand der höchste Wert, sagte Rabe. Ebenfalls außergewöhnlich sei, dass 42 Prozent der Auszubildenden nicht aus Hamburg, sondern aus den umliegenden Bundesländern stammten. Weiter ganz oben auf der Wunschliste der Jugendlichen liegt laut Report die Ausbildung zu Kaufleuten, Fachinformatikern, (zahn)medizinische Fachangestellten sowie Automechanikern und Friseuren.

Die CDU-Opposition plädierte angesichts der hohen Abiturientenquote bei den Auszubildenden für gemeinsame Aktionen mit dem Handwerk und den Industrieverbänden. Die Akzeptanz insbesondere des mittleren Schulabschlusses müsse gestärkt werden, erklärte die CDU-Schulexpertin Karin Prien. Ähnlich äußerte sich die FDP: «Der Schulsenator muss endlich mehr für die Schulqualität tun, auch und gerade um die Absolventen mittlerer Schulabschlüsse zu stärken», betonte die FDP-Bildungsexpertin Anna von Treuenfels.

Die Linken sprachen von einem Armutszeugnis. «Die von Schulsenator Rabe verkündeten Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungssituation bewirken nichts», erklärte die Linken-Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn. Berufsorientierung, Jugendberufsagenturen und Warteschleifen führten nicht automatisch zu mehr Ausbildungsplätzen – «das war in der Vergangenheit so und wird sich auch jetzt nicht ändern». dpa

Zum Bericht: „Noch viele offene Lehrstellen – Betriebe halten Bewerber oft für wenig reif“

 

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