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Bedroht Privatschul-Boom das öffentliche Bildungssystem?

MÜNCHEN. Das öffentliche Schulwesen ist in Gefahr – angesichts der immer schärferen Konkurrenz mit privaten Bildungsanbietern. Dies meinen jedenfalls der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sowie der Bayerische Elternverband. Sie fordern mehr Investitionen in die öffentlichen Schulen, um in dem Wettbewerb bestehen zu können.

So stellen sich viele Eltern offenbar eine Privatschule vor: Park des Eliteinternats Schloss Salem. Foto: Wikimedia Commons

So stellen sich viele Eltern offenbar eine Privatschule vor: Park des Eliteinternats Schloss Salem. Foto: Wikimedia Commons

In Bayern besuchen bereits rund 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine private Schule. Jede fünfte Schule in Bayern sei mittlerweile eine Privatschule. „Dort sind die Bedingungen oft besser als an öffentlichen Schulen. Sie sind technisch besser ausgestattet, sind meist echte Ganztagsschulen und arbeiten mit innovativer Pädagogik.“ Zurück blieben die Familien, die sich eine Privatschule nicht leisten können, kritisiert die Landesvorsitzende des Bayerischen Elternverbands, Maria Lampl.

BLLV-Vorsitzender Klaus Wenzel stößt in dasselbe Horn. „Private Bildungseinrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten oder Hochschulen sind in der Regel gut ausgestattet. Die attraktiven Angebote können sich aber nur die leisten, die sie auch bezahlen können“, sagt er – und warnt davor, dass die damit verbundenen Aus- und Abgrenzungstendenzen die Bildungsungerechtigkeit verschärfen können. „Die Entwicklung muss gestoppt werden“, verlangte Wenzel, und zwar indem das Land massiv investiere. „Wir brauchen überall in Bayern qualitativ hochwertige öffentliche Bildungseinrichtungen, die allen zugänglich sind.“ Gute Bildung dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen.

Auch wenn Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ein „bayerisches Bildungsparadies“ beschwöre, reichten die Lehrer an vielen Schulen nicht aus. So müssten auch in diesem Schuljahr wieder Referendare, Studenten und Pensionäre aushelfen, um den Unterrichtsbetrieb zu sichern. Erneut müssten Lehrkräfte vor Ort nach Möglichkeiten suchen, um die dringend notwendige individuelle Förderung anbieten zu können, weil die Ressourcen fehlten. „Es fehlen auch Stunden für Arbeitsgemeinschaften, zusätzliche Angebote, kleinere Klassen und Gruppen. Dies gilt insbesondere für Realschulen, belastet aber grundsätzlich alle Schularten.“ Hinzu komme, dass viele schul- und bildungspolitische Fragen offen seien, etwa: wie der Inklusionsgedanke umgesetzt werden könne, wann und wie die Ganztagsbetreuung ausgebaut werde, wie die Qualität des bayerischen Gymnasiums gesichert werden könne, die Lehrerbildung reformiert, neues Lernen etabliert und auf Veränderungen der Schullandschaften reagiert werde.

Auch Elternsprecherin Lampl weist auf Personalmangel an den Schulen hin. Weil nicht genügend Pädagogen zur Verfügung stünden, müssten die Eltern einspringen: „Schon das Lesenlernen in der Grundschule funktioniert nicht ohne Elterneinsatz. Ab Klasse vier gibt es kaum noch eine Familie, in der Eltern nicht regelmäßig Nachhilfelehrer spielen müssen, jedenfalls dort, wo das Geld für professionelle Nachhilfe fehlt.“ An den öffentlichen Schulen jedenfalls nicht. News4teachers

Zum Bericht: Ausgesperrt: Privatschule will Zwölfjährigen nicht weiter unterrichten

 

 

6 Kommentare

  1. Die immer schärfere Konkurrenz durch die Privatschulen ist keine Sache von Geld, sondern von Konzept. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ist ähnlich wie die GEW ein ideologielastiger Verein, der sich immer wieder auf Geldmangel herausredet, wenn das von ihm beeinflusste öffentliche Schulsystem nicht hält, was es verspricht.
    Kein Wunder, dass sich aufmerksame Eltern immer weniger von frommen Theorien blenden lassen und ihre Kinder lieber auf Privatschulen schicken, wo sie noch solides Wissen und Können erwerben, das sie für ihr späteres Leben brauchen.

  2. Privatschulen kochen auch nur mit Wasser.

    • Richtig, aber es gibt Wasserunterschiede. Für nichts und wieder nichts gibt keiner gern Geld aus, auch Eltern nicht.

      • Siehe EPFOS Schweinfurt 🙂
        Eltern zahlen nicht für gute Bildung sondern für gute Noten. Manchmal kommt sogar beides zusammen aber bei weitem nicht immer.

  3. Wolfgang Frommann

    Nur die Privatschule wird die deutsche Schullandschaft nachhaltig positiv verändern. Politiker sollten aufwachen und den Lehrern das zutrauen, was diese können: Unterrichten. Dazu gehören auch Konzeptionen für Schüler. Die GEW und alle ähnlichen Verbände beschwören das Bestehende. Dies hilft den Schülern und den Eltern nicht.

    • Sehe das genauso wie Sie, Herr Frommann. Mehr Wettbewerb tut der Monopollandschaft Schule nur gut und befreit sie aus der jahrzehntelangen Umklammerung ihrer ideologisch verhafteten Denker und Lenker.

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