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Der Klassenraum der Zukunft – pädagogisch wertvoll?

MÜNCHEN. Das klassische Klassenzimmer bietet wenig Raum für moderne Lehrmethoden. Leichtere Möbel und kreative Sitzordnungen können das ändern – und Klassenräume zu attraktiven Lernorten machen.

So stellt sich Microsoft das Klassenzimmer der Zukunft vor. „Schulen müssen sich mehr denn je an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wie auch den Anforderungen der Berufswelt orientieren und den Einsatz neuer Medien im Unterricht fördern“, sagt Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg. Foto: Microsoft GmbH

So stellt sich Microsoft das Klassenzimmer der Zukunft vor. „Schulen müssen sich mehr denn je an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wie auch den Anforderungen der Berufswelt orientieren und den Einsatz neuer Medien im Unterricht fördern“, sagt Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg. Foto: Microsoft GmbH

Dreieck-Tische, mobile Tafeln, moderne Beamer – im pädagogisch gestalteten Klassenzimmer in der Münchner Grundschule an der Haimhauserstraße erinnert nichts an alte Schultraditionen. Statt Frontalunterricht fördert der Raum neue Lehrformen – und zeigt, wie Schulraumgestaltung aussehen kann.

Klassenräume sind oft Standardware: Vorne ist die Tafel, hinten stehen die fein säuberlich aufgereihten Tische und Stühle. Der Platz ist begrenzt, das Mobiliar schwer. «Räumliche Enge erzwingt diese Art Vogelstangenpädagogik, bei der Schüler wie Stare aufgereiht sitzen. Das ist für gemeinsames Lernen sehr ungünstig», sagt der Münchner Professor für Grundschulpädagogik, Joachim Kahlert. Er hat den Klassenraum an der Haimhauserstraße mitgestaltet. Genutzt wird dieser von der Schule selbst und für die universitäre Lehrerausbildung. «Unsere Schülerschaft ist heute heterogen, deshalb können wir nicht nur frontal unterrichten, sondern müssen differenzierte Angebote machen», sagt Kahlert. Das heißt: Aufgaben stellen, die mal alleine, manchmal zu zweit, manchmal in der Gruppe gelöst werden.

Im Klassenraum an der Haimhauserstraße gibt es deshalb kein vorne und hinten. Hier kann alles so umgestellt werden, wie es gerade am meisten Sinn ergibt: Die Tische sind dreieckig und auf Rollen, die Stühle federleicht. Man kann sie einzeln stehen lassen oder in Sitzgruppen zusammenschieben. In der Mitte des Raumes liegt ein runder Teppich – ein Versammlungsort zum gemeinsamen Diskutieren und Lernen. An der Wand sind zwei Schienen angebracht, in die Tafeln, Karten oder eine Leinwand eingehängt werden können. Moderne Beamer, Laptops und ein Smartboard dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Bernhard Herold unterrichtet hier etwa einmal pro Woche. In dem Klassenraum könne er verschiedene Lehrformen ausprobieren und besser auf die Kinder eingehen, sagt der 37-Jährige. Er schätzt das Klassenzimmer nicht nur wegen der guten technischen Ausstattung: «Für mich sind es vor allem die akustischen Bedingungen.» Tatsächlich ist es im Klassenraum angenehm ruhig. Grund sind die Akustikdecken, die den Schall schlucken. Bei den Kindern kommt die Ruhe gut an, mit den dreieckigen Tischen sind jedoch nicht alle zufrieden: «Manche Kinder brauchen eine Ablage, die gibt es bei den dreieckigen Tischen nicht», sagt Herold. Deshalb hat er in seinem eigenen Klassenraum beide Tischformen miteinander kombiniert.

Am besten ist also nicht unbedingt die modernste Ausstattung, sondern die, die zu den Wünschen der Schüler passt. «Wenn es aufgesetzt ist, ist es oft schwierig. Die Gestaltung muss zum Konzept der Schule passen», sagt die Vorsitzende der Erziehungsgewerkschaft GEW Bayern, Angelika Neubäcker. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) plädiert deshalb dafür, Lehrer und Schüler in die Planung einzubeziehen. Um das zu fördern, hat der Verband vor Kurzem eine Handreichung mit Anregungen herausgegeben.

Die meisten bayerischen Klassenräume sind nach wie vor klassisch. Laut BLLV liegt das auch an zu eng gesteckten Finanzierungsmöglichkeiten. Das Kultusministerium widerspricht: Die gegenwärtigen Regelungen eröffneten den Schulen genügend Spielräume. Viele Beispiele für pädagogisch zeitgemäße Umbauten zeigten dies.

Die Richtlinien selbst seien nicht das Problem, glaubt Frauke Burgdorff von der gemeinnützigen Montag Stiftung Urbane Räume in Bonn, die sich seit Jahren mit Schulraumgestaltung befasst. So seien in Bayern zwei Quadratmeter Klassenraumfläche pro Schüler als Mindestgröße vorgegeben: «Oft werden die Mindestflächen von den örtlichen Behörden als Maximalfläche interpretiert, um Geld zu sparen.» Großzügig Platz für flexible Sitzordnungen gibt es daher nur in wenigen Klassenräumen. Bernhard Herold von der Grundschule an der Haimhauserstraße wünscht sich, dass sich das in Zukunft ändert.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Man beobachte ein steigendes Interesse bei den Schulen, nach pädagogischen Gesichtspunkten zu bauen, sagt Fritz Schäffer vom BLLV: «Es gibt immer mehr Schulen, aber noch lange nicht ausreichend viele.» Von SOPHIE ANFANG, dpa

Hier geht es zu einem Interview mit Microsoft-Deutschland-Chef Berg zum Thema „Klassenraum der Zukunft“

 

2 Kommentare

  1. Bereits vor über 40 Jahren war das Mobiliar in einem Klassenraum in einem Hufeisen angeordnet. Schülerorientierten Unterricht – auch an Gruppentischen – gab es damals auch schon. Es handelte sich aber um Klassenstärken von über 30 SchülerInnen. Die heutige Schülergeneration kann von der damals herrschenden Ruhe im Unterricht nur träumen.
    Natürlich wollen die Computerkonzerne die Klassenzimmer digitalisieren. Es handelt sich ja schließlich um einen sehr lukrativen Markt. Leider erliegen fast alle pädagogisch Verantwortlichen diesen Verlockungen. Wo bleiben die kritischen Stimmen?

  2. Ja, mit mehr Geld kann man mehr Wünsche verwirklichen, und die Schulausstatter können mehr Umsatz machen.

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