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Doppelter Abijahrgang 2013 – alles super oder was?

DÜSSELDORF. Glaubt man den offiziellen Beteuerungen, ist die Versorgung der Schüler des doppelten Abiturjahrgangs in Nordrhein-Westfalen ein voller Erfolg. Aber wo sind die geblieben, die den Durchmarsch an die Hochschulen nicht geschafft haben?

Der doppelte Abiturjahrgang 2013 scheint seine Feuerprobe in Nordrhein-Westfalen bestanden zu haben: Kein Einbruch bei den Abi-Noten, kein spürbarer Anstieg bei den Durchfallerquoten und genügend Studienplätze gibt es offenbar auch. Der Schönheitsfehler: Ganz genau weiß man es nicht, weil keine Statistik erfasst, wo die bleiben, die leer ausgegangen sind.

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) und die Landesrektorenkonferenzen präsentierten  in Düsseldorf eine Erfolgsbilanz: «Die Hochschulen haben mehr Platz für Studienanfänger geschaffen als jemals zuvor in der Hochschulgeschichte Nordrhein-Westfalens», lobte Schulze. Und so kann sie auf die Rekordmarke von wahrscheinlich über 111 000 Einschreibungen zum Wintersemester 2013/14 verweisen.

Das Abitur in Deutschland soll vergleichbarer werden. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Das Abitur in Deutschland soll vergleichbarer werden. Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Wie viele Abiturienten des «Doppeljahrgangs» sich wegen des erwarteten Ansturms, höherer Zulassungsbeschränkungen für einige Fächer oder der Aussicht auf überfüllte Hörsäle abschrecken ließen, ist allerdings nicht bekannt. Es gibt nur Indizien: Zum Wintersemester habe es weniger Neueinschreibungen gegeben als zunächst gedacht, berichtete Schulze.

Auch der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen, Prof. Martin Sternberg, hielt in einer Stellungnahme fest: «Der von manchen befürchtete übergroße Andrang zum Semesterstart hat so nicht stattgefunden. Im Gegenteil, zum Teil verliefen die Einschreibungen zunächst etwas schleppender als im vergangenen Jahr.» Die Ursachen erforscht niemand. In manchem NC-Fach sei jeder Studienbewerber eingeschrieben worden, unterstrich Sternberg. Statistiken über hohe Ablehnungsquoten werden nicht präsentiert.

«So rosig ist es nicht», heißt es aus der Landesschülervertretung NRW. Manch einer habe sich im Vorfeld arrangiert und parke erstmal in einem Freiwilligen Sozialen Jahr. Eine größere Nachfrage aus NRW stellt tatsächlich der Bundesfreiwilligendienst fest, der aber – anders als das Freiwillige Soziale Jahr – nicht nur Jüngeren offensteht.

Belastbare Zahlen, die zu einer Gesamtschau des Abiturienten-Schicksals 2013 beitragen, gibt es hier allerdings ebenso wenig wie bei Handwerkskammern oder Studentenvertretungen. Die seit langem erwartete bundesweite Koordination der Studienplatzvergabe, die zumindest ein bisschen mehr Licht ins Dunkel bringen würde, bleibt wegen technischer Probleme zunächst weiter Zukunftsmusik.

In dieser Situation fordern die Grünen mehr Initiative vom NRW-Wissenschaftsministerium. Die Hochschulexpertin der Landtagsfraktion, Ruth Seidl, schlug eine landesweite Kampagne vor, um Suchende und verbliebene freie Studienplätze zusammenzubringen.

Zwar gibt es schon die von der Hochschulrektorenkonferenz ins Leben gerufene Studienplatzbörse, allerdings sieht Seidl hier noch Verbesserungspotenzial. «Viele wissen nichts von dem Angebot und wissen auch nicht, wo sie sich bewerben können.» Außerdem müssten die Rektoren der Hochschulen freie Plätze zügiger an die Börse melden. Das Wissenschaftsministerium könne zudem eine Plattform schaffen, an die sich Abiturienten, die durch den Auslese-Rost gefallen sind, wenden können, sagte Seidl.

Auch für Prof. Sternberg ist klar: «Zurücklehnen und zufrieden sein mit den Einschreibungen im Jahr des doppelten Abiturs geht nicht.» Reichlich Handlungsbedarf sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Immerhin sei nach einer Prognose der Kultusministerkonferenz noch bis Mitte der 2020er Jahre mit einer sehr hohen Nachfrage nach Studienplätzen zu rechnen, unterstrich die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer.

Die FDP geht sogar davon aus, dass die Hürden für ein Studium wieder höher werden. «Beratungsangebote, Tutorien und Seminare drohen eingeschränkt zu werden», meinte die Hochschulexpertin der Landtagsfraktion, Angela Freimuth. Bettina Grönewald/dpa

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