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Kunst am Klo gegen Vandalismus – Schüler greifen zum Pinsel

MARBURG. Schüler verkneifen sich vor lauter Ekel den Gang zur schmutzigen Toilette. Appelle und Sanierungen nutzen nichts. Im Kampf gegen dreckige Schulklos soll jetzt Kreativität helfen.

Ganz schön bunt: die Toilette der Grundschule Bottenhorn. Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf

Ganz schön bunt: die Toilette der Grundschule Bottenhorn. Foto: Landkreis Marburg-Biedenkopf

Die Kunst geht in Mittelhessen aufs Klo: Im Kreis Marburg-Biedenkopf läuft derzeit ein Kunstwettbewerb für schönere Schultoiletten. Unter dem Motto «WC – Wahre Cunst» sollen aus Ekel-Ecken Wohlfühl-Räume werden. Den Wettbewerb gibt es seit 2008 in unregelmäßigen Abständen. Die Aktion wurde aus der Not geboren, wie der Schuldezernent des Kreises, Karsten McGovern (Grüne), erzählt.

Regelmäßig gebe es Beschwerden über den Zustand der stillen Örtchen. «Eltern haben berichtet, dass ihre Kinder es den ganzen Tag vermeiden, eine Toilette aufzusuchen.» Da halfen auch keine Sanierungen. «Nach kürzester Zeit sahen die Toiletten wieder genauso schlimm aus.»

McGovern sieht die Schule als Lebensort: «Kinder verbringen dort immer mehr Zeit. So müssen nicht nur Klassenzimmer und Pausenhof gut gestaltet sein und die Cafeteria zum Verweilen einladen. Es ist auch wichtig, dass die Kinder sich nicht vor den Toiletten ekeln müssen und lieber gar nicht hingehen.» Also soll die Kunst gegen Vandalismus helfen. Die Idee geht offensichtlich auf: Eine Befragung an den Schulen habe ergeben, dass die künstlerisch gestalteten Toiletten von den Schülern gepflegt werden.

Schüler-Projektgruppen, die sich an dem Wettbewerb beteiligen, bekommen je 250 Euro für ihre kreativen Ideen. Als Hauptpreis winken 1000 Euro, bis zu den Osterferien 2014 muss alles fertig sein.

Sieger im Jahr 2010 war die Alfred-Wegener-Gesamtschule in Kirchhain. Bei den 2000 Schülern sind die Toiletten ein Dauerproblem, wie Schulleiter Matthias Bosse klagt. So habe man unter anderem schon eine «Bezahl-Toilette» mit Klofrau eingerichtet, um benutzbare WCs zu garantieren. Am Förderschulzweig waren Lehrer und Schüler Feuer und Flamme – und so wurde aus den vormals fiesen Örtchen eine Attraktion. «Es entstand ein Toiletten-Tourismus aus der ganzen Schule.»

Denn das gibt es zu sehen: Eine Klo-Kabine hat eine Schülerin zum Beispiel rot angestrichen und mit goldenen chinesischen Schriftzeichen für «Glück» und «Zufriedenheit» versehen. Andere zieren bunte Unterwasserwelten oder die bayerische Fahne. Am beliebtesten aber ist das «Chinesische Zimmer», sagt Schulleiter Bosse – so haben die Schüler die rote Toilette getauft.

Einige Schulen haben sogar Künstler engagiert, um ihre Klos aufzumöbeln: Die Marburger Brüder-Grimm-Schule etwa holte sich die Mosaik-Künstlerin Sharchen-Beata Hagen, die Wollenberg-Gesamtschule Wetter die Kunsthandwerkerin Monika Weber-Buchstab. «Am Anfang haben manche schon komisch geguckt, weil man über Toiletten nicht spricht», sagt die stellvertretende Leiterin des Förderschulzweigs, Kirsten Hansen.

Der Sprecher des hessischen Kultusministeriums, Christian Henkes, findet Kunst am Klo schon «kurios». Aber: «Die Gebäude sind allein Sache der Schulträger», betont er. Für Klaus Weisenfeld vom Kreiselternbeirat ist die Kunstaktion eine gute Sache, denn: «Ich kann mich in mehr als zehn Jahren an keine einzige Sitzung des Kreiselternbeirates erinnern, bei der die Toiletten nicht Thema waren.»

Auch die Schüler sind froh über ihre hübscheren Klos. «Cool» seien die nun, sagt etwa die 14-jährige Maria von der Alfred-Wegener-Gesamtschule. «Vorher waren die eklig, aber jetzt sehen sie gut aus». Auch Simon (15) ist begeistert, meint aber, seine Mitschüler könnten noch besser auf die Kunstwerke aufpassen. MARTINA KOELSCHTZKY; dpa

 Zum Bericht: Jetzt amtlich: Schulklo-Gebühren in NRW verboten

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