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Osten hui – Westen pfui? – Fragen und Antworten zum Schulleistungsvergleich

BERLIN. Beim aktuellen Schulleistungsvergleich erzielen von den West-Ländern nur Bayern und Rheinland-Pfalz durchgehend Leistungswerte, die Bundesdurchschnitt liegen. Im Osten sind es alle Bundesländer.

Mehr als 44 000 Schüler aus neunten Klassen aller Schulformen haben bei dem neuen Schulleistungsvergleich der 16 Bundesländer mitgemacht. Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität besuchten dafür im Mai und Juni 2012 über 1300 Schulen im gesamten Bundesgebiet.

Bundesländer Fahnen in Reihe

Die Ostdeutschen Länder liegen im Bildungsvergleich vorn. Experten raten allerdings, ähnliche Regionen statt Bundesländern zu vergleichen. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

 

Was wurde diesmal getestet?

Es ging um die Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Physik) – und zwar über alle Schulformen hinweg. In Mathematik wurden sechs Kompetenzformen aus dem gesamten Spektrum mathematischen Arbeitens untersucht, wie «Probleme mathematisch lösen» aber auch «Raum und Form» sowie «Daten und Zufall». In den Naturwissenschaften ging es vor allem um Grundbildung, aber auch um fachübergreifendes Problemlösen und Kompetenzgewinn.

Was ist die Basis für die Testaufgaben?

Die Aufgaben wurden auf der Grundlage der von den Kultusministern für alle Bundesländern verbindlich eingeführten Bildungsstandards für diese Fächer entwickelt – unter Mitwirkung von Schulpraktikern. Bildungsstandards beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll. Sie gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe und haben damit die zuvor in allen Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne abgelöst.

Welche Schulleistungs-Untersuchungen gibt es noch?

Der «Klassiker» ist die weltweite PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Des weiteren gibt es noch die internationale IGLU-Grundschulstudie und die internationale TIMSS-Untersuchung mit den Schwerpunkten Mathematik und Naturwissenschaften – sowohl für die Grundschule als auch für die achten Klassen. Allerdings haben die Kultusminister bei PISA und IGLU die zuvor üblichen Bundesländervergleiche gestoppt. Deutschland macht zwar bei den internationalen Studien weiter mit, aber nur noch mit einer kleineren nationalen Stichprobe – etwa 5000. Dies ermöglicht kein Bundesländer-Ranking.

Wie sind die innerdeutschen Ergebnisse diesmal zu interpretieren?

Überraschend ist, dass neben allen ostdeutschen Ländern diesmal aus dem Westen nur Bayern und Rheinland-Pfalz durchgängig gut abschneiden. Mathematik und Naturwissenschaften waren eine Domäne der DDR-Schulen. Auf die Fachlehrerausbildung legte man hier besonderen Wert. Auch spielen die Naturwissenschaften auf den Stundentafeln der ostdeutschen Schulen heute noch eine größere Rolle als im Westen.

Wie ist es um die Förderung von Arbeiterkindern bestellt?

Die Studie belegt erneut die erschreckend hohe Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Neuntklässler aus der Oberschicht haben gegenüber Gleichaltrigen aus bildungsfernen Schichten im Bundesschnitt einen Lernvorsprung in Mathematik von fast drei Schuljahren. Allerdings gelingt es einigen Bundesländern besser als anderen, Arbeiterkinder zu fördern. Dabei tut sich vor allem Sachsen hervor, in Naturwissenschaften auch Rheinland-Pfalz.

Wie schneiden Migrantenkinder ab?

Schüler, deren Eltern in Deutschland geboren wurden, haben durchgängig bessere Leistungen erzielt als Jugendliche mit Migrationshintergrund. Unter den verschiedenen Migrantengruppen gibt es je nach Herkunftsland große Unterschiede. Kinder, deren Eltern aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind, erzielen deutlich bessere Kompetenzwerte als Schüler aus türkischen Familien.

Welche Kritik gibt es an den Bundesländervergleichen?

Bildungsexperten raten seit Jahren, nicht ganze Bundesländer miteinander zu vergleichen, sondern besser Regionen mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen und Problemlagen. Also etwa Berlin mit dem Ruhrgebiet, wegen der hohen Ausländerquoten unter den Schülern, oder ländliche Gebiete im Osten Deutschlands mit denen im Westen, wegen Abwanderung und Bevölkerungsrückgang.

(Karl-Heinz Reith, dpa)

zum Bericht: Schulleistungsvergleich offenbart Ost-West-Gefälle

zum Bericht: KMK beschließt Aufbau eines bundesweit zentralen Abituraufgabenpools

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