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„Pädophile Weltverbesserer“: Schriftstellerin Zoë Jenny rechnet mit Reformpädagogen ab

BERLIN. Die erfolgreiche Schweizer Schriftstellerin Zoë Jenny («Das Blütenstaubzimmer») rechnet in einem Beitrag für die „Welt“ mit der selbst erlebten Reformpädagogik der Achtzigerjahre ab – und mit den Grünen. „Lehrer rannten in Latzhosen und mit Stirnbändern herum, und von überall lachte mich die rote Sonne der ‘Atomkraft? Nein danke’-Anstecker an. Doch so harmlos, wie alle aussahen, waren sie dann leider nicht“, so schreibt die heute 39-Jährige.

Screenshot vom Auftritt Zoë Jennys in der Interview-Sendung THADEUSZ - der Link zum Video findet sich unten.

Screenshot vom Auftritt Zoë Jennys in der Interview-Sendung THADEUSZ – der Link zum Video findet sich unten.

Jenny besuchte nach eigenen Angaben von 1982 bis 1984 die Freie Volksschule Basel (FVB), „eine jener reformpädagogischen Schulen, wie sie im Zuge der links-grünen Bewegung der Achtzigerjahre Mode waren“. Sie sei beim Eintritt acht Jahre alt gewesen, berichtet die Schriftstellerin. „Erfolgsdruck und Noten gab es keine. Mehr oder weniger konnte jeder tun, was er wollte. Spaß machte das trotzdem nicht“, schreibt sie. Penetrant seien ihr und ihren Klassenkameraden auf indoktrinierende Weise eine links-grüne Ideologie eingehämmert worden. „Ich war umzingelt von Rettern und Augenöffnern.“ So habe ein Spaziergang im Wald zum Beispiel mit dem Hinweis begonnen, dass die Schüler gut hinhören sollten, denn vielleicht werde schon bald kein einziger Vogel mehr zwitschern. Monatelang habe das Thema Waldsterben auf der Tagesordnung gestanden. “Mit neun Jahren war ich überzeugt, dass es irgendwann, wenn ich groß bin, auf dieser Welt keine Bäume mehr geben wird“, heißt es in dem Text.

Andererseits habe es immer wieder Übergriffe gegeben. „So fand es zum Beispiel niemand störend, dass ein Lehrer – der toll Gitarre und Mundharmonika spielen konnte und jeden Morgen aus vollem Halse ‘Kumbaya’ sang – den Mädchen im Unterricht in den langen Haaren wühlte oder auf dem Schulausflug ins Badezimmer reinkam und uns beim Abtrocknen half. Man war ja tolerant. Befreit von Scham. Grenzenlos“, schreibt Zoë Jenny. Auch hätten sie und ihre Klassenkameraden gegenüber Lehrern darüber Auskunft geben sollen, „wie wir uns selber befriedigen“. Im Vordergrund hätten die Interessen und der Voyeurismus der Erwachsenen gestanden.

„In den links-grünen Kommunen der Siebziger- und Achtzigerjahre lebten Kinder hochgefährlich. Frei fühlten sich vor allem die Erwachsenen, die in einer falsch verstandenen Liberalität sämtliche Grenzen überschritten“, meint die Schriftstellerin – und greift die Grünen für ihren Umgang mit der Pädophilie-Debatte an: „Die gefährliche Verharmlosung sexuellen Missbrauchs an Kindern zeigt sich in der Behauptung der Grünen, solche Fälle seien nur vereinzelt vorgekommen. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass in einer Zeit, in der sich Pädophile frei wie nie ausleben konnten, Übergriffe flächendeckend stattgefunden haben“, schreibt Jenny. Mit ihrer Forderung, Pädophilie zu legalisieren, hätten die Grünen einem Verbrechen Tür und Tor geöffnet. „Sie zeigten Respekt vor Bäumen, doch Kinder waren Experimentiermaterial, Spielzeug, mit dem man machen konnte, was man wollte.“

Ihre Schule, die Freie Volksschule Basel, wurde laut Jenny nur wenige Jahre nach ihrem Austritt wegen “interner Krisen” geschlossen, das Schulgebäude abgerissen worden. „Zwei Jahrzehnte später, bei einem Klassentreffen, war kein einziger Lehrer zugegen“, berichtet die Schriftstellerin. „Ratlos saß man am Tisch. Allesamt waren sie entweder ausgewandert, verstorben oder unauffindbar. Als hätten sie sich aus dem Staub gemacht.“

3 Kommentare

  1. Frau Jenny hat Recht. Der Umgang der Grünen mit dem Thema ist von bemerkenswerter Doppelmoral geprägt. Wo ist denn jetzt der runde Tisch, den die Grünen mit so viel Vehemenz von der Katholischen Kirche gefordert haben, als dort das Thema Missbrauch öffentlich wurde?

  2. Danke an die Redaktion für diesen guten und wichtigen Artikel, auch wenn er schon ein Jahr alt ist und ich ihn eben erst entdeckt habe.
    Kurz und prägnant hat die FAZ die Grünen mit ihrer “Toleranz” unter die Lupe genommen.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommentar-gruene-marschmusik-13262593.html

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