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Philologenverband fordert: Erhöhung der Lehrerarbeitszeit zurücknehmen

HANNOVER. Der Philologenverband Niedersachsen hat die Landesregierung und die Abgeordneten der rot-grünen Regierungskoalition noch einmal aufgefordert, die Beschlüsse zur Erhöhung der Lehrerarbeitszeit zurückzunehmen. Anderenfalls seien tief greifende Auswirkungen auf Schulbetrieb und Unterrichtsqualität zu erwarten, an denen niemand ein Interesse haben könne.

Wenn die politisch Verantwortlichen der Meinung seien, die Lehrkräfte hätten sich inzwischen mit der „ungerechten, unter Bruch früherer Versprechen verfügten“ Arbeitszeiterhöhung abgefunden, dann hätten sie sich getäuscht, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz. Die Erbitterung über die für Gymnasiallehrer vorgesehene Erhöhung der Arbeitszeit um zwei, für ältere Lehrkräfte sogar um vier Zeitstunden pro Woche sei unverändert groß und steige weiter. Dazu hätten auch sachlich falsche und bewusst Vorurteile gegen Lehrer schürende Behauptungen des Kultusministeriums nicht wenig beigetragen, so Audritz. Dazu gehöre etwa die Gleichsetzung von Unterrichtsverpflichtung und Arbeitszeit, die absurde Rede von einem „Lehrerentlastungspaket“ oder die Behauptung, dass Lehrer ja gar nicht voll arbeiten würden, da sie „Entlastungsstunden“ bekämen.

Audritz betonte, dass der Philologenverband sich voll mit den Lehrern solidarisiere, die sich die Politik des immer neuen Draufsattelns von Belastungen nicht länger gefallen lassen wollten. Auch viele Eltern und Schüler hätten sich bereits mit ihren Lehrern solidarisiert, weil sie sähen, dass eine übermäßige Arbeitsbelastung der Lehrer letztlich die Qualität des Unterrichts in Frage stelle.

Die politisch Verantwortlichen hätten offensichtlich immer noch keine realistische Vorstellung von der Arbeitszeit der Lehrkräfte, unterstrich Audritz. Insbesondere sei ihnen nicht klar, wie stark die Arbeitsbelastung etwa durch die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule und durch die Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre an Gymnasien, aber auch durch das Anwachsen sozialer Probleme an den Schulen gestiegen sei. Die neuerliche Arbeitszeiterhöhung habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Audritz unterstrich erneut die Forderung des Philologenverbandes nach einer umfassenden empirisch-wissenschaftlichen Untersuchung der Lehrerarbeitszeit durch ein unabhängiges Institut.

Abschließend erinnerte Audritz noch einmal daran, dass jetzt eine ähnliche Situation wie 2008 gegeben sei. Damals habe die schwarz-gelbe Regierung den Lehrern die auf den Arbeitszeitkonten angesammelten Überstunden vereinbarungswidrig nicht zurückzahlen wollen. Durch den berechtigten Protest aller Lehrer und durch die überzeugenden Argumente gegen diese willkürliche Maßnahme sei sie dann aber zu der Einsicht gekommen, das vereinbarungswidrige Vorhaben zurückzunehmen. Audritz: „Ungerechtfertigte Maßnahmen zurückzunehmen ist ein Akt politischer Fairness und Klugheit.“ Das sollten auch die jetzt verantwortlichen Politiker beherzigen.

 

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