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Schulfrieden in Sicht: Kretschmann ermutigt CDU zum Kurswechsel

STUTTGART. Schulfrieden in Baden-Württemberg? In der ehemaligen Hochburg des dreigliedrigen Schulsystems strecken die Christdemokraten angesichts des Schülerschwunds langsam die Waffen. Doch in der CDU-Fraktion scheint es noch letzte Widerstandsnester zu geben.

Macht der CDU die Tür auf: Winfried Kretschmann im Wahlkampf. Foto: Grüne Baden-Württemberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Macht der CDU die Tür auf: Winfried Kretschmann im Wahlkampf. Foto: Grüne Baden-Württemberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Südwest-CDU zu einem bildungspolitischen Kurswechsel aufgerufen. «Ich möchte die CDU ermutigen, in diese Richtung zu gehen», sagte Kretschmann in Stuttgart mit Blick auf den Landesfachausschuss Bildung der CDU, der ein Zwei-Säulen-Modell anvisiert. Dabei schwebt den CDU-Bildungspolitikern eine Kombination von Gymnasium und einer noch unbenannten Schulart mit Haupt- und Realschulabschluss-Möglichkeiten vor. Die CDU-Fraktion hatte nach Bekanntwerden des entsprechenden im Ausschuss abgestimmten Papiers betont, dazu gebe es in der Fraktion keinen Beschluss.

Kretschmann, selbst Gymnasiallehrer, hatte im vergangenen Jahr für einen «Schulkonsens» zwischen Regierung und Opposition geworben. Auch die Wirtschaft hatte kürzlich darauf gedrungen, dass Grün-Rot und Opposition in der Bildungspolitik an einem Strang ziehen. Auch Kultusminister Andreas Stoch (SPD) will nach früheren Angaben gemeinsam mit der Opposition die wichtigsten Zukunftsfragen der Schulen angehen.

Die FDP sieht sich mittlerweile als einzigen Verfechter des mehrgliedrigen Schulsystems und die CDU auf dem «Irrweg». Ein Zwei-Säulen-Modell bedeute mittelfristig das Aus für mehrere erfolgreiche Schularten, darunter die Realschule.

Die Vorsitzendes des CDU-Ausschusses, Donate Kluxen-Pyta, berichtete, der Bildungsexperte der CDU-Fraktion, Georg Wacker, sei bei den Sitzungen zum Thema dabei gewesen und habe das Konzept unterstützt. Die Bremser in der Fraktion seien die Nicht-Bildungspolitiker. In deren Bewusstsein müsse erst einsickern, dass eine Strukturreform nötig sei, weil zu kleine Standorte die erforderliche Qualität und Fächervielfalt nicht garantierten. Man könne nicht die Augen davor verschließen, dass es vor fünf Jahren noch 1200 Hauptschulen gegeben habe, von denen nur 400 überlebt hätten. «Die Experten in der Fraktion setzen auf den Faktor Zeit. Sie werden die anderen langsam mitziehen.»

Der liberale Bildungsexperte Timm Kern und FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke können nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen, warum die CDU erst eine gewaltige Kampagne zur Rettung der Realschule starte, um diese erfolgreiche Schulart nur wenige Monate später aufzugeben. Mit ihrem Vorstoß spiele die CDU der Landesregierung dabei in die Hände, den baden-württembergischen Schulen möglichst überall das Gemeinschaftsschul-Konzept überzustülpen. dpa

 

2 Kommentare

  1. Falls es wirklich zu einer kombinierten Haupt+Realschule kommt, sollte man diese auf keinen Fall regionale Schule, Werkrealschule, Mittelschule, Realschule plus nennen, denn so heißen diese Kombinationen schon anderswo. Höchstens “Oberschule”, denn so heißt im Volksmund (zumindest in der Pfalz) das Gymnasium.

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