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Studenten: Regelstudienzeit überholt – Matschie will Studium verbessern

JENA. Nur etwa die Hälfte der Studenten in Thüringen schafft das Studium in der Regelstudienzeit. Die Studentenvertretungen plädieren deshalb für eine Überarbeitung der Studienpläne. Minister Matschie lehnt das ab – und verspricht bessere Studienbedingungen.

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie möchte an der Regelstudienzeit nicht rütteln. Foto: Kultusministerium Thüringen

Thüringens Kultusminister Christoph Matschie möchte an der Regelstudienzeit nicht rütteln. Foto: Kultusministerium Thüringen

Die Einhaltung der Regelstudienzeit wird nach Meinung der Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) für die Mehrzahl der Studenten zu einem hohen Hindernis. Nur die Hälfte der Bachelor-Studenten in Thüringen habe im Jahr 2012 ihre Ausbildung nach sechs Semestern beendet. Thüringen liege damit unter dem Bundesschnitt von 53 Prozent, erklärte Sprecher Christian Schaft. Das Hauptproblem an der Überschreitung liegt nach Meinung der Studenten in mangelhaften Lehrplänen, die überarbeitet werden müssten.

Die Arbeitsbelastung mit Pflichtveranstaltungen und Praktika sei vielfach zu hoch, um das Pensum in der Regelstudienzeit zu bewältigen. Außerdem müssten viele Studenten ihr Studium parallel mit Jobs finanzieren, sagte Schaft. Mit einem Semester mehr schafften es 2012 drei Viertel (75 Prozent). Ein Jahr zuvor waren es noch 53 beziehungsweise 79 Prozent.

Bei den Studenten mit Masterabschluss schafften 41 Prozent den Abschluss 2012 in der Regelstudienzeit. 2011 war es noch die Hälfte. Schaft bezog sich bei den Zahlen auf eine Antwort vom Thüringer Bildungsministerium. Während an der Uni Erfurt 76 Prozent der Bachelor-Studenten 2012 das Studium in der Regelstudienzeit abschließen konnten, lag der Großteil der anderen Thüringer Hochschulen bei Werten um die 30 Prozent. Die TU Ilmenau lag mit 7 Prozent abgeschlagenen auf dem letzten Platz.

Die KTS spricht sich deshalb gegen die Regelstudienzeit als «Qualitätsindikator für die vermeintlich optimale Dauer eines Studiums» aus. Für sie ist dieses Konzept der genormten Studiendauer überholt. Es werde weder den Studenten gerecht, noch könnten die Hochschulen die notwendigen Rahmenbedingungen zur Einhaltung der Zeit bieten, kritisierte sie. «Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die Regelstudienzeit kein Druckmittel gegen Studierende sein darf und die festgelegten Regelstudienzeiten den Studienanforderungen und -plänen nicht gerecht werden», sagte Schaft. Die Regelstudienzeit sei ursprünglich als Absicherung für Studierende gedacht gewesen, in welcher Zeit die Hochschulen einen Studienabschluss ermöglichen müssen. In den vergangenen Jahren habe sich die Lesart allerdings geändert: Von vielen Seiten werde Druck ausgeübt.

Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) erklärte einer Abkehr von der Regelstudienzeit indes eine Absage. Sie nehme die Hochschulen in die Verantwortung, den Studenten klare zeitliche Perspektiven zur Dauer und Abschluss ihres Studiums aufzuzeigen. «Wir garantieren hiermit eine Planbarkeit, die auch für die Studierenden wichtig ist.» Die Konsequenz aus der Überschreitung von Regelstudienzeiten können nicht deren Abschaffung, sondern müsse eine bessere Studiengangsgestaltung sein.

Matschie sagte weiter, Thüringen könne bis 2018 mit zusätzlich rund 120 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt 2020 rechnen. Das Geld solle vorrangig für bessere Studienbedingungen, für bessere Studienqualität, Profilierung der Hochschulen und Strukturentwicklung eingesetzt werden. Spezielle Programme sollten die Studierbarkeit und die Absolventenquote vor allem in ingenieurtechnischen Fächern verbessern. Im Dialog mit Studenten und Hochschulen seien bereits Maßnahmen besprochen und umgesetzt worden. «Es braucht einige Zeit, bis diese Maßnahmen wirken», sagte Matschie.

An der Einhaltung der Regelstudienzeit hänge zudem auch das BAföG, erklärte Arne Nowacki, ebenfalls Sprecher der Konferenz. An der TU Ilmenau schaffe es nur gut die Hälfte der Studenten, mit gerade einem Semester mehr fertig zu werden. Studenten verlören so ihren Anspruch auf Förderung, sofern sie nicht als Härtefall gälten. Das zeige auch, wie unsozial Langzeitstudiengebühren seien. «Hier muss dringend eine Anpassung an die realen Gegebenheiten stattfinden», forderte er.

Die Zahl der Studenten, die in der Regelstudienzeit abschließen, habe auch Auswirkungen auf die Hochschulen selbst. Sie gelte als eine Kennzahl für die Mittelvergabe an die Hochschulen. dpa

 

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