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USA: Lehrer starb, weil er seine Schüler schützte

SPARKS. Wieder ist eine Schule in den USA zum blutigen Tatort geworden: Mit einer halbautomatischen Waffe schoss ein Schüler in Nevada um sich. Ein Lehrer und der Schütze starben. Es brach Chaos aus.

Die Sparks Middle School hat als Maskottchen einen Bären. Foto: Sparks Middle School

Die Sparks Middle School hat als Maskottchen einen Bären. Foto: Sparks Middle School

Ein beherzter Lehrer konnte möglicherweise noch Schlimmeres verhindern, doch er zahlte dafür mit seinem Leben. Der 45-jährige Michael Landsberry wird nun als „Held“ gepriesen. Im Morgengrauen am Montag, kurz vor Unterrichtsbeginn an der Mittelschule in Sparks (US-Staat Nevada), griff er Augenzeugen zufolge spontan ein, als ein junger Schüler eine Waffe zückte.

Er wollte den Jungen vom Schießen abbringen, sagte der sichtlich geschockte Siebtklässler Sean McCall später vor Fernsehkameras. Dann musste er mit ansehen, wie sein Mitschüler auf den Lehrer zielte und abdrückte. Er selbst sei um sein Leben gerannt und habe sich in einem Klassenzimmer versteckt, erzählt McCall.

Er ist eines von Dutzenden traumatisierten Kindern, Zeugen einer weiteren Schießerei an einer amerikanischen Schule. Es war kein Massaker, wie im vergangenen Dezember an der Sandy-Hook-Grundschule in Newton (Connecticut), als ein Amokläufer 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss.

Am Ende sind es in Sparks zwei Tote. Der Lehrer und der mutmaßliche Schütze. Der Schüler habe sich nach der Bluttat selbst erschossen, sagte der stellvertretende Polizeichef Tom Miller. Seinen Namen, sein Alter und ein mögliches Motiv nannten die Ermittler zunächst nicht.

Fest steht aber, dass der Schütze etliche Schüsse abgab. Zwei zwölfjährige Schüler wurden von Kugeln getroffen, einer in der Schulter, der andere im Unterleib. Die Ärzte gaben nach Stunden Entwarnung, der Zustand der Jungen sei jetzt „stabil“ hieß es. Die Polizei sprach von chaotischen Szenen auf dem Schulgelände. Kinder, die in Panik schrien, flüchteten und sich versteckten. Besorgte Eltern, die unter dem Geheul von Polizeisirenen zu dem Tatort eilten.

Auch Nicole Hockley, die ihren sechsjährigen Sohn Dylan bei dem Blutbad in Newton verloren hatte, nahm Anteil. „Das Undenkbare ist wieder passiert, diesmal in Sparks, Nevada“, klagte Hockley auf der Webseite der Organisation „Sandy Hook Promise“. Die Gruppe setzt sich unter anderem für schärfere Waffengesetze ein. Es müssten Lösungen gefunden werden, um solche Tragödien zu verhindern, fordert Hockley.

Nach dem Amoklauf in Newton hatten viele in Amerika auf strengere Waffengesetze gehofft. Präsident Barack Obama machte es zu einem politischen Hauptanliegen, dann aber behielten Republikaner und Waffenlobby doch die Oberhand. Der Senat stimmte gegen einen Entwurf, der striktere Kontrollen von Waffenkäufern vorsah. Auch Vorstöße für ein Verbot militärischer Waffen oder großer Magazine wurden abgeschmettert.

Der republikanische Gouverneur von Nevada, Brian Sandoval, bedauerte am Montag die „schreckliche Schießerei“ in Sparks. In seinem Staat ist das Waffenrecht besonders locker. Der getötete Lehrer war nach Angaben von Schülern, Kollegen und Verwandten beherzt und hilfsbereit. Reggie Landsberry sagte dem Sender CNN, dass sein Bruder vermutlich auf den jungen Waffenträger einreden wollte, „um jeden zu schützen, den er konnte“.

Als Ex-Soldat und Mitglied der Nationalgarde von Nevada hatte Michael Landsberry Einsätze in Afghanistan absolviert. Am Ende war der Schulhof der gefährlichere Ort. dpa

Zum Bericht: Vor 100 Jahren: Der erste Amoklauf an einer deutschen Schule

 

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