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Schulvergleich der Bundesländer: Verbände fordern mehr Fachpersonal

BERLIN/FRANKFURT/DORTMUND. Kaum überrascht geben sich die Lehrer-Verbände von den Ergebnissen des Schulleistungsvergleichs der Bundesländer. In der Bewertung zeigen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

“Dauerhaft dürfen wir uns nicht damit abfinden, dass die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Bundesländern so weit auseinanderklaffende Kompetenzniveaus erzielen, weil damit auch unterschiedliche Zukunftschancen verbunden sind!”, sagte beispielsweise Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes (DPhV).

Mathematik-Aufgaben

Der Leistungsvergleich hat aus Sicht der Lehrerverbände nur wenige neue Erkenntnisse gebracht. Foto: marco51186 / Flickr (CC BY 2.0)

Ursachen des überdurchschnittlichen Erfolgs der ostdeutschen Länder sieht Meidinger insbesondere im hohen Stellenwert der naturwissenschaftlich-mathematischen Bildung, der sich in den Stundentafeln und der Qualität der Lehrerbildung spiegele.

Auch für Udo Beckmann, NRW-Chef des Verbands Bildung und Erziehung ist es von besonderer Bedeutung, dass Unterricht nicht fachfremd erteilt werde. „Unterrichtsausfall und Fachlehrermangel tragen unter diesem Gesichtspunkt sicherlich nicht dazu bei, das Leistungsniveau an den Schulen zu verbessern“

Kritisch weist in diesem Zusammenhang insbesondere die GEW auf den hohen Anteil fachfremd unterrichtender Lehrkräfte an den nicht-gymnasialen Schulen auch in den östlichen Ländern hin. Überdies würden hier mehr Kinder als im Bundesschnitt in die Förderschulen sortiert, stellt Schulexpertin Ilka Hoffmann fest

Rolf Busch, Landesvorsitzender des thüringischen Lehrerverbands (tlv) bezweifelt, dass der Leistungsvergleich die aktuelle Lage korrekt widerspiegelt und weist auf die „verheerende“ personelle Situation an Thüringen Schulen hin, die in allen vier Vergleichsfeldern auf den ersten drei Plätzen gelandet waren. „Die Probleme von heute werden sich erst in etwa drei Jahren ihre Auswirkungen zeigen“, so Busch

Unisono fordern die Verbände Schulen mit ausreichenden Stellenreserven zu versorgen und die Möglichkeiten für Lehrer zur berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildung zu verbessern. Dies könne besonders dazu beitragen, den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu durchbrechen. Neben einer verstärkten Ursachenforschung sei der Ausbau von Ganztags- und Förderangeboten notwendig.

Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband (DL) sieht die Leistungsunterschiede zwischen den Ländern auch in der regionalen Verteilung bei den Migranten begründet. Während es der Westen mit einer zum Teil schwierigen Migrantenklientel zu tun, habe, stammten die meisten Migranten im Osten aus Vietnam und seien mitunter sogar besser in der Schule als Schüler ohne Migrationshintergrund.

Unabhängig davon fordert Kraus, dass sich die im Vergleich schlecht abschneidenden Stadtstaaten die Bildungspolitik von Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Würtemberg zum Vorbild nähmen. Aus Sicht des DPhV müsse sich manches alte Bundesland fragen, ob die Reformen der letzten Jahre für die Sicherung der Qualität in den getesteten Bereichen hilfreich waren, etwa auch die Stundentafelkürzungen bei Einführung des G8.

Dagegen verweist die GEW auf einen grundsätzlichen Einwand gegen den Schulleistungsvergleich. Ein Vergleich auf der Systemebene sei nur dann sinnvoll, wenn wirtschaftlich und soziokulturell ähnliche Räume untersucht werden. (News4teachers)

zum Bericht: Schulvergleich: GEW fordert Fachlehrer und Migrantenförderung

zum Bericht: Schulleistungsvergleich offenbart Ost-West-Gefälle

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